Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.
152

Die berühmte Linie „152“, der Stolz eines jeden Busfahrers. Sie fährt ständig und endet im Viertel La Boca.

Zwischen drei und vier Pesos kostet eine Fahrt mit dem Colectivo, also dem Bus, mit dem Millionen von Portenos jeden Tag durch die Stadt fahren, zur Arbeit, zu Freunden, in der Freizeit. Im vergangenen Jahr hat eine Fahrt noch eineinhalb bis zwei Pesos gekostet, erzählt mir meine deutsche Freundin Simona. Sie ist zur gleichen Zeit wie ich in Buenos Aires, und das schon zum fünften Mal in Folge. Sie hat sich seit dem ersten Besuch in die Stadt verliebt. Jetzt kehrt sie jedes Jahr zurück. Sie erzählt mir, dass auch ein Kaffee etwa fünf Pesos mehr kostet als im vergangenen Jahr. Zurzeit sind es in ihrem Lieblingscafé 33 Pesos, 2009 hat Simona für den gleichen Kaffee nur neun Pesos bezahlt. Gut möglich, dass sich der Preis am Ende meiner sechs Wochen hier schon wieder erhöht hat. Reiche Argentinier verkraften das, Normalverdiener kämpfen seit der Krise 2001 mit der Inflation.

2Pesos

„Gib dem, der diesen Schein bekommt, alles Glück der Welt! Danke!“ steht auf diesem Zwei-Pesos-Schein

Eugenia, eine junge Architektin sucht zurzeit einen Job und hält sich damit über Wasser, privat Englischunterricht zugeben. Im Dezember geht sie für drei Monate nach Texas, sie hat Freunde dort, will versuchen, einen Job zu finden. Die Zeiten in Argentinien sind hart. Eine Freundin von Simona, eine Tanzlehrerin, kann über die Preise nur noch mit Galgenhumor lachen. Auf die Frage: Wie kommt ihr damit klar, dass alles immer teurer wird, lacht sie nur: „gar nicht!“ Auch Umberto, der das Tanzstudio besitzt, antwortet mit Ironie: „Weißt du, wenn du zurück nach Deutschland kommen würdest und alles ist viel teurer, dann würden die Leute auf die Straße gehen. Wenn ich woanders bin und nach Buenos Aires zurück komme, wundere ich mich überhaupt nicht über die Preise. Wir haben uns so daran gewöhnt.“ Von dem Verfall des Peso sind auch viele Rentner betroffen. Mit 65 Jahren in Rente gehen bleibt für viele ein Traum. Marita, bei der ich ein Zimmer habe, ist eine 65-jährige Immobilienmaklerin, sie erzählt mir lachend mit dem gleichen argentinischen Sarkasmus, „Ich werde arbeiten bis zu dem Tag, an dem ich sterbe.“ Bei allem Humor und der Freundlichkeit – beides haben die Portenos nicht verloren – spürt man doch ein gewisses Maß an Misstrauen. Gegenüber der Politik sowieso (Präsidentin Cristina wird am Laufenden Band verspottet), aber auch gegenüber Fremden. Marita warnt mich „Ladrones están in todos lados“ – Diebe gibt es überall. Auch eine Folge der Krise, die sich in diesem Jahr nach dem Schuldenstreit mit den Hedgefonds nochmal verschärft hat. Ein bisschen ist es so, wie in diesem Artikel beschrieben:

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/inflation-gewalt-jobverlust-bericht-aus-buenos-aires-so-erleben-argentinier-die-pleite-ihres-landes_id_4030032.html

Die Inflation ist enorm und der Schwarzmarkt blüht. Hebt man Geld bei der Bank ab, dann bekommt man für einen Euro etwa zehn Pesos. Der inoffizielle Wechselkurs liegt bei eins zu 18 oder 19. Deshalb sucht jeder Ausländer Möglichkeiten, auf anderem Weg Geld zu tauschen, als bei der Bank. Über Mund-zu-Mund-Propaganda werden gute Wechselstuben weiterempfohlen. Der Weg über den Rio de la Plata nach Uruguay lohnt sich, erfahre ich von einer deutschen Kollegin. In der kleinen Stadt Colonia, die genau gegenüber von Buenos Aires am Rio de la Plata liegt und wo das Schiff anlegt, kann man in Dollar abheben und diese dann in Argentinien zum inoffiziellen Kurs tauschen. Jeder Dollar und jeder Euro, der ins Land kommt, ist herzlich willkommen.

 

 

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