Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Die Fahrt von Dakar nach Thiès dauert etwa zwei Stunden. Maßgeblich ist dabei, von wo und wie man von Dakar aus aufbricht. In meinem Fall nehme ich ein Taxi zum zentralen Busbahnhof, der vor kurzem im Vorort Pikine eröffnet wurde. Das dauert von meiner Wohnung in Les Mamelles („Die Brüste“) aus etwa zwanzig Minuten. Der Busbahnhof ist für afrikanische Verhältnisse schon fast angenehm. Die Busse und Sammeltaxen warten in ordentlichen Reihen unter schattenspendenden Dächern auf ihre Kundschaft. Es herrscht kein Gedränge, was aber auch damit zusammenhängen kann, dass es Sonntag ist. Alle geben gerne Auskunft und keiner versucht für einen simplen Fingerzeig Geld zu verlangen. Prädikat nachahmenswert.

Ich entscheide mich auf den Ratschlag diverser senegalesischer Bekannter hin zu einer Fahrt im sept place. Diese „Siebensitzer“ sind Peugeot Kombis Baujahr um 1980, die neben dem Fahrer, dem Beifahrer und den üblichen drei Plätzen auf der Rückbank noch drei weitere Plätze im Kofferraum eingebaut haben. Der beste Platz ist der neben dem Fahrer, dann folgen die beiden Seitenplätze in der mittleren, dann die in der hinteren Reihe. Am wenigsten erstrebenswert sind die Plätze in der Mitte, besonders bei stämmigen Sitznachbarn.

Ein sept place ist zwar etwas teurer als ein Minibus mit zwölf oder ein noch größeres Gefährt mit 24 Sitzplätzen, dafür gibt es mit dem Peugeot keine Zwischenhalte und man bekommt keine fremden Kinder auf den Schoss gesetzt. Und bei einem Fahrpreis von umgerechnet 2,5 Euro plus Gepäck kann man sich nicht beschweren.

Ich ergattere einen Platz hinten links und kurz darauf ist das Auto voll und wir verlassen Dakar. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden, zuerst über die Landzunge, die die Halbinsel von Dakar mit dem Festland verbindet und dann hinein ins Landesinnere. Wir fahren an den Anlagen der Industrie Chemique du Sénégal vorbei, wo aus mineralischem Phosphat Phosphorsäure, die Grundlage für Mineraldünger, hergestellt wird. Neben Gold und Fisch ist es das wichtigste Exportprodukt des Landes.

Mein Ziel ist Thiès, ein Ort, der mitten im größten Abbaugebiet für Phosphat liegt. Hier spricht gefühlt jeder zweite zumindest ein paar Worte Deutsch, denn Thiès ist Heimat vieler privater deutscher Hilfsinitiativen und Deutsch wird an den Schulen als Fremdsprache gelehrt. Im Hotel treffe ich schließlich Ayni Aw, die Koordinatorin der zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bereich Ressourcenmanagement.

Die Phosphatminen in der Umgebund von Thiès, so erzählt mir Ayni, bereiten den Menschen hier viele Probleme. Die mit dem Bergbau verbundene Umweltverschmutzung schränke die Landwirtschaft ein und viele Menschen werden immer wieder umgesiedelt, wenn die Tagebaue mal wieder erweitert werden. Der Staub, den die Arbeiten aufwirbeln wird mit Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung in Verbindung gebracht. „Da will ich aber noch nicht zu viel erzählen,“ sagt sie, „das solltest du dir lieber von den Betroffenen im Detail erklären lassen.“

Genau das habe ich morgen vor. Dank Aynis Vermittlung werde ich drei unterschiedliche Orte in der Umgebung von Thiès besuchen und mir persönlich von den Auswirkungen des Bergbaus ein Bild machen können.

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