Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.
BootBagger

Müll fischen bevor die Touristen kommen.

Es ist früh am Morgen an diesem Freitag (31.10.) und das Hafenviertel La Boca im Süden der Stadt erwacht gerade erst. Noch nichts ist zu spüren von den Touristenmassen, die sich im Laufe des Tages durch das älteste Viertel der Stadt schieben werden. Verlassen liegen Flusslauf, Hafenbecken da. Die Gerüste der Marktstände sind noch nackt. Nur zwei Frauen breiten schon lila Tischdecken aus und montieren eine Plastikfolie als Regenschutz. Ich bin früh, spaziere am Fluss entlang. Ein einziger verstreuter Koreaner kommt grinsend schnurstracks auf mich zu, drückt mir sein Smartphone in die Hand, ich solle Fotos von ihm machen. Dann fragt er, wann denn hier was los sei, quasi „die Show“ losgehe. Um 8:30 Uhr morgens jedenfalls noch nicht, erkläre ich dem Verwunderten. Zum Glück hat er sein Handy nicht einem der Jugendlichen gegeben, die auf der Bank an der Ecke sitzen und auf den Schulbus warten…oder auf besseres Wetter, oder bessere Zeiten.

Heute werde ich mit Javier Garcia Elorrio, dem Direktor des städtischen Programms „Limpieza del Riachuelo y Rio de la Plata“ (Reinigung des Riachuelo und des Rio de la Plata), den Fluss hinab fahren und endlich einmal mehr sehen als nur das Hafenviertel. Das Treffen ist sehr spontan entstanden, erst einen Tag vorher hatten wir telefoniert. Eine Gruppe Holländischer Journalisten kommt ebenfalls mit.

 

AvellaneraBoot

Unter der berühmten Brücke am Riachuelo fahren kleine Boote. Sie bringen die Arbeiter aus Avellaneda, dem Arbeiterviertel, in die Stadt.

BrueckeRiachuelo

Prekär: Einen Fahrplan für die Überfahrt unter der Brücke gibt es nicht.

ErklaerungHafen

Javier erklärt am Hafen, dass er für nur vier Prozent des Flusslaufes zuständig ist. Der Rest sei Sache der Provinz.

IndustrieDock

Schon früh morgens fährt ein LKW nach dem nächsten auf dem gegenüberliegenden Ufer. Hier ist Dock Sud, eine äußerst problematische Ansiedlung von Petrokonzernen, unter andrem Shell. Immer wieder beschweren sich Nachbarn über giftigen, schwarzen Rauch aus den Schornsteinen dieser Fabriken.

FortschrittUfer

Vorzeigeobjekt: Javier und seine Mitarbeiter haben einen guten Job gemacht. Zumindest an dieser Stelle des Riachuelos. Javier ist für die Beseitigung der Schiffswracks und der Müllkippen an den Ufern zuständig.

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Der Müll wird mit auf dem Wasser treibenden Schläuchen aufgefangen und fortgebracht.

JavierErklaert

Fortschritt: Javier hat ein ganzes Buch mit Vorher-Nachher-Bildern dabei. „Es gibt keine Müllkippe mehr.“ Trotzdem sagt er auch: „Wir sind keine Magier. Wir müssen 200 Jahre Verschmutzung beseitigen.“ Natürlich sei der Fluss noch immer kontaminiert, vor allem auf dem Grund und durch die Industrieeinleitungen.

MuellBruecke1

Probleme: Müll unter der Eisenbahnbrücke am Rand der Villas 21 und 24.

MuellBrueckeAufraumen

Städtische Mitarbeiter beseitigen ihn regelmäßig.

MuellBrueckeBoot

Die gelbe „Müllabfuhr“

SchwimmenderMuell

Zweifel am Erfolg: Zwar sind die Ufer im Stadtgebiet sauber, doch wie sieht es in der Provinz aus? Dort endet die Zuständigkeit von Javier und seinen Mitarbeitern. Aus dem Landesinneren treiben Müllhaufen den Fluss hoch.

SchwimmernderMuellberg

Müll aus dem Provinzgebiet.

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Villa 26: Den Slum gibt es seit 40 Jahren, hauptsächlich Argentinier leben hier. 215 Familien wohnen in solchen Häusern, fast im Fluss. Die Folge sind vielerlei Krankheiten durch das verschmutzte Wasser. Die größte Gefahr ist das Blei, dass auch Gehirnschäden verursacht. Die Familien sollen Ende des Jahres umgesiedelt werden, erzählt Javier. Dann werde es ihnen viel besser gehen.

NeuesHaus

Betonblock auf der grünen Wiese: In solche Wohnungen werden Familien aus den Villas umgesiedelt.

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Villas 21 und 24: Der Slum 21 ist einer der größten der Stadt. Und einer der gefährlichsten. Viele Peruaner und Paraguayer wohnen hier, sagt Javier, die Leute sind arm, es gibt Drogenfabriken und viele Probleme.

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1200 Familien sollen in den kommenden Jahren aus den Villas 21 und 24 umgesiedelt werden.

Weg

Statt eines Slums soll die Ufer denn so wie hier aussehen: Ein 35 Meter breiter Streifen zum Flussufer mit Grünflächen und einem Weg muss freigehalten werden. Den Abstand müssen Bewohner und Unternehmer einhalten. Zuvor hatten Unternehmen diesem Bereich als Deponie benutzt.

 

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