Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ich bin in Uyuni. Die Stadt ist nicht gerade ein Schmuckstück moderner Stadtplanung. Und trotzdem besteht sie zur Hälfte aus Reiseveranstaltern und Hotels. Der Grund ist einfach: Uyuni liegt am Rand des gleichnamigen Salzsees, dem Salar de Uyuni. Er ist nicht nur der größte Salzsee der Welt – sondern vor allem atemberaubend schön. Ein Tagestrip oder eine mehrtägige Tour durch den Salar ist deshalb ein Muss für alle Bolivientouristen. Ich hatte mich schon nach einer Tour erkundigt, als sich plötzlich die Möglichkeit ergab, eine Recherche, die ich erst ein paar Tage später starten wollte, sofort zu beginnen. Ich habe es nicht bereut.

Foto: Leonard Goebel

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Mein Ziel war Llica, ein Dorf genau am anderen Ende des Salzsees (an dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Christoph Sterz, der mir den Tipp gegeben hat!). Ich war davon ausgegangen, dass der Bus von Uyuni nach Llica um den Salar herumfahren würde. Wie naiv! Natürlich ging es mitten hindurch, ist halt auch viel kürzer. Als ich davon erfuhr, dachte ich direkt: Du musst einen Fensterplatz bekommen. An einem schönen großen Fenster. Am besten: an der Frontscheibe. Da ich der einzige Tourist war, gab es nur wenig Konkurrenz. Und der Busfahrer freute sich offensichtlich, dass sich mal jemand von diesen Reisenden für seinen Bus interessiert, anstatt wie alle anderen eine Tour im Jeep zu buchen. Ich habe selten jemanden so stolz gesehen wie ihn, als ich ihm später sagte, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis der Busfahrt doch etwas besser sei als das der Jeeptouren, für die man bis zu 1000 Bolivianos bezahlt. Der Bus kostet 25, das sind gut 3 Euro.

Foto: Leonard Goebel

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Ich saß also vorne beim Busfahrer, der übrigens Abraham hieß. Mal auf dem kleinen Beifahrersitz, mal auf der Treppe. Oft stand ich auch direkt an der Windschutzscheibe. Drei Stunden lang zeigte mir Abraham beim Fahren die schönsten Stellen des Salars – und ich zeigte ihm meine schönsten Fotos (es geht eigentlich immer geradeaus, da kann man ruhig mal zwischendurch die Hände vom Lenkrad nehmen, die Sonnenbrille ausziehen und ein Paar Bilder angucken). Zwischendurch ärgerte sich Abraham ein wenig, weil der Salar größtenteils trocken war. Früher war der Salzsee in der Regenzeit – also jetzt – komplett mit Wasser bedeckt, was durch die Spiegelung besonders schön aussieht. Zwanzig bis vierzig Zentimeter hoch stehe das Wasser normalerweise im Februar. Aber dieses Jahr hat es nicht viel geregnet. „El clima ha cambiado mucho mucho mucho“. Das Klima hat sich verändert, sehr sehr sehr stark.

Foto: Leonard Goebel

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Mir ist da nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass das Bewusstsein für die klimatischen Veränderungen in Bolivien stark ausgeprägt ist. Natürlich kennt nicht jeder den Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und der Erderwärmung. Aber das Gefühl, dass etwas Außergewöhnliches stattfindet, teilen fast alle, mit denen ich bisher gesprochen habe. Nicht nur Bauern, sondern eben auch Busfahrer.

Immerhin gab es dann doch noch ein paar Stellen, die mit Wasser bedeckt waren. Abraham war sichtlich begeistert. Ich auch.

Foto: Leonard Goebel

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Was ich eigentlich in Llica gemacht habe, schreibe ich dann beim nächsten Mal auf. Dort habe ich Abraham übrigens noch einmal getroffen und ein paar meiner Bilder auf sein Handy übertragen. Vor allem die, auf denen sein Bus zu sehen ist, haben es ihm angetan.

Foto: Leonard Goebel

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