Ja, nein, vielleicht: Die Frage, nach Myanmar zu reisen, ist auch eine moralische. Foto: Lindekamp

Ja, nein, vielleicht: Die Frage, nach Myanmar zu reisen, ist auch eine moralische.

Die Gründe für den Tourismus-Boom in Myanmar sind vielfältig, entschieden hängt er aber mit dem eingeleiteten Demokratisierungsprozess des Landes zusammen. In Zeiten der Militär-Diktatur war die Entscheidung für oder gegen einen Urlaub in Myanmar auch eine ethische Frage, denn man würde mit den Reiseausgaben direkt Geld in die Kassen der Regimes bringen, es also indirekt unterstützen, so erklang der Chor der Kritiker im Gleichklang mit Aung San Suu Kyis Aufruf zu einem Reiseboykott im Jahr 1995. 2010 haben sie und ihre Partei, die National League for Democracy (NLD), diesen letztlich zurückgezogen.

Der Inle See ist einer der Anziehungspunkte für Touristen im Land und bietet mit der traditionellen Fischerei ein dankbares Fotomotiv. Foto: Lindekamp

Der Inle See ist einer der Anziehungspunkte für Touristen im Land und bietet mit der traditionellen Fischerei ein dankbares Fotomotiv.

Ein moralisches Dilemma bleibt die Reise dennoch, denn trotz einer Reihe an Reformen, ist das Regime zutiefst korrupt sowie repressiv und unabdingbar fließt ein Teil des Reisebudgets der Ausländer in die Kassen des Regimes oder der sogenannten „Cronies“, die durch ihre enge Beziehung zu den Offiziellen reich geworden sind. An den touristischen Anziehungspunkten des Landes wie im Tempel-Tal Bagan, dem weniger bekannten Pendant Mrauk U oder dem landschaftlich beeindruckenden Inle See zahlen Reisende eine Gebühr, die direkt an den Staat geht. Wer mit dem Zug reist, ist mit einem staatlichen Unternehmen unterwegs, und die lokalen Airlines wie viele große Hotels sind in den Händen der Cronies. Die Homepage www.tourismtransaparency.org gibt einen groben Einblick in das komplizierte Netzwerk ihrer Vetternwirtschaft.

Tempel sind omnipräsent im Land und am bekanntesten sind die in Bagan, wo rund 6000 von ihnen die Touristen anziehen. Foto: Lindekamp

Tempel sind omnipräsent im Land und am bekanntesten sind die in Bagan, wo rund 6000 von ihnen die Touristen anziehen. Fotos: Lindekamp

In der moralischen Waagschale pro eine Reise nach Myanmar stapeln sich die Gegenargumente: Cronies mögen korrupt sein, sind aber gleichzeitig wichtige Arbeitgeber. Das Geld, das der Tourismus ins Land spült, führt den Machthabern die wirtschaftlichen Vorteile einer offenen Gesellschaft vor, schafft im besten Fall Anreize für demokratische Reformen.

Ein Boykott straft nicht bloß das Regime, sondern ebenso die Mehrheit der Bevölkerung, die ihre ausländischen Gäste nach Jahren der Abschottung herzlich und offen empfängt – und in diesem Jahr so viele wie nie. Während im Jahr 2011 nicht mal 400.000 Touristen ins Land reisten, erwartet die Regierung in diesem Jahr erstmals über fünf Millionen. Wie zuverlässig diese Zahlen sind, ist fraglich. Denn während genau erfasst wird, wie viele Ausländer über die großen Flughäfen und Häfen einreisen, sei die Anzahl der über Land Reisenden weitaus schwieriger zu erfassen.

Eine Pferdestärke: Per Kutsche erkunden diese Touristen das Tempel-Tal Bagan.  Foto: Lindekamp

Eine Pferdestärke: Per Kutsche erkunden diese Touristen das Tempel-Tal Bagan. Foto: Lindekamp

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