Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Einige Orte in Myanmar haben sich längst als Hauptattraktionen für die Reisenden etabliert – etwa Bagan mit seinen rund 6000 Tempeln. Die roten Heißuftballons, von denen in der Saison allmorgendlich maximal 21 zum Sonnenaufgang über das Tal aufsteigen, sind wohl eines der bekanntesten Fotomotive. Der erste Anbieter neben mittlerweile mehreren war „Balloons over Bagan“, die ihr luftiges Geschäft im Jahr 1997 starteten.

Wird die UNESCO das Tempeltal in Bagan im zweiten Anlauf adeln?

Wird die UNESCO das Tempeltal in Bagan im zweiten Anlauf adeln?

Als ich in einem der großen Körbe Platz nahm, stiegen in Ballons neben mir Vertreter der Regierung und des UNESCO-Weltkulturerbe-Komitees auf. 1996 war das damalige Militärregime mit dem Versuch gescheitert, das gesamte Areal durch die UNESCO adeln zu lassen – unter anderem weil viele der Tempel nicht originalgetreu restauriert worden seien. Die aktuelle Regierung verfolgt eine neue Strategie und nominierte zunächst nur einzelne Pagoden statt das gesamte Tal.

Der Inle See ist die Reiseregion in Myanmar - und bereits in einem UNESCO-Programm. Foto: Lindekamp

Der Inle See ist die Reiseregion in Myanmar – und bereits in einem UNESCO-Programm. 

Eine Nominierung läuft zudem für den weniger bekannten Nationalpark Hkakabo Razi im nördlichen Kachim-Staat. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von 3.810 Quadratmeilen und umschließt Südostasiens höchsten Gipfel: Hkakaborazi mi 5889 Metern. Der Inle See hat es in diesem Jahr bereits in eine der renomierten UNESCO-Listen geschafft; die Region ist Teil des Man and Biosphere Programs (MBP).

Maximal 21 Ballons steigen in der Saison ab Oktober allmorgendlich über Bagan auf. Fotos: Lindekamp

Maximal 21 Ballons steigen in der Saison ab Oktober allmorgendlich über Bagan auf. Fotos: Lindekamp

Für Bagan sei es ein wichtiger Tag, erklärte mein Pilot mit Blick auf die roten Ballons der Gäste von Regierung und UNESCO. Und immerhin der Wind spiele mit.
Der Affenberg

Unter den Sprüngen der vielen Affen wird das Wellblechdach zu einer scheppernden Trommel.

Unter den Sprüngen der vielen Affen wird das Wellblechdach zu einer scheppernden Trommel.

Unweit von Bagan erhebt sich der Mount Popa, ein erloschener Vulkanberg, der mit seinen rund 1500 Metern die höchste Erhebung der Umgebung ist. Bekannter ist der kleine Bruder Popa Taung Kalat, dessen Schrein ein Pilgerort für Gläubige aus dem ganzen Land ist und dessen Spitze ein Aussichtspunkt für das Farbspiel des nächsten Sonnenuntergangs. Erklommen wird der Berg etwa ab seiner Mitte über viele Stufen. Wie viele genau? Ich habe gut 700 gezählt, angesichts meiner sicherlich zahlreichen Verzähler ist die Angabe „viele“ aber wahrscheinlich genauer als die absolute Zahl.

Viele Stufen, vielleicht gut 700 ging es jeweils rauf und runter zum und vom Berggipfel.

Viele Stufen, vielleicht gut 700 ging es jeweils rauf und runter zum und vom Berggipfel.

Schuhe bleiben wie hierzulande an heiligen und auch vielen anderen Orten üblich vorm Eingang. Barfuß geht es also über die vielen gefliesten Stufen und unter einem Wellblechdach gen Bergspitze – begleitet von einer Armee affiger Störenfriede. Die quirligen Tiere scheinen den Berg zu beherrschen und lenken den Blick von der weiten Aussicht über die Bagan-Ebene ab. Wachsam gehen die nackten Füßen an ihren Urin-Pfützen und Köttel vorbei. Süße Affenbabys oder besonders verspielte Tiere bieten sich immer wieder als Fotomotiv an, um im letzten Moment aus dem Sichtfeld der Kamera zu verschwinden.

Weite Aussicht vom Popa Taung Kalat.

Weite Aussicht vom Popa Taung Kalat.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Meistens sind die Affen schneller als der Finger am Auslöser.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Meistens sind die Affen schneller als der Finger am Auslöser.

Unter ihren Sprüngen wird das Wellblech regelmäßig zu einer lauten Trommel, mit dessen lärmendem Scheppern das Gekreische der Affen erklingt – eine Geräuschkulisse, die akustische Bühne für einen Horrorfilm sein könnte. Dass der Popa Taung Kalat als Geisterberg gilt, fügt sich nur in die Fiktion.

Sonnenuntergang halt.

Sonnenuntergang halt. Fotos: Lindekamp

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