Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Der Alltag in Myanmar spinnt sich um die Mahlzeiten und Essen. Mit der traditionellen Begrüßungsfloskel „Sa pi bi la?“ verleihen die Burmesen dem schon im Sprachgebrauch Ausdruck; wörtlich übersetzt bedeutet diese so viel wie „Hast du schon gegessen?“.  Für Fast Food scheint in so einer Kultur kein Platz, doch mit dem Öffnungsprozess des Landes entdecken auch KFC und Co. das Land als Absatzmarkt.

„To go“ ist in Myanmar ein Fremdwort. Auch wer hier nur mal kurz eine Kleinigkeit zwischendurch isst, erledigt das nicht im Vorbeigehen. Die unzähligen Essensstände und Eckrestaurants belegen das mit ihren kleinen Plastikstühlen und Tischchen. Am Straßenrand zwischen überfüllten Gehwegen auf der einen und lautem Verkehr auf der anderen Seite nehmen an ihnen die Einwohner Yangons Platz und blenden den Großstadttrubel aus – für eine heiße Suppe, einige Fondue-Spieße, gegrillten Fisch oder einen scharfen Eintopf mit Reis.

Zwischen Bürgersteig und Bus: "To go" scheint in Myanmar ein Fremdwort.

Zwischen Bürgersteig und Bus: „To go“ scheint in Myanmar ein Fremdwort.

Den besten Ruf unter den Küchen der verschiedenen ethischen Gruppen haben die Shan aus dem Osten des Landes, die mit rund vier Millionen zweitgrößte Gruppe des Landes. Eine Spezialität ist beispielsweise der Salat mit Teeblättern, nach Geschmack scharf mit Kohl und Tomaten gemischt und Erdnüssen oder gerösteten Bohnen als Croutons.

Im Shan-Restaurant: Slat mit Teeblättern und knusprigen Bohnen.

Im Shan-Restaurant: Salat mit Teeblättern und knusprigen Bohnen.

Shan-Restaurants sind vor allem in der zweitgrößten Stadt des Landes Mandalay populär, wo unter anderem das Straßen-Restaurant Mama Shan einige Kostproben bietet. Die freundliche Chefin besteht darauf, dass sich ihre Gäste an den offenen Töpfen durchs Angebot probieren, bevor sie bestellen.

So eine persönliche Note und noch einiges anderes fehlt den Fast-Food-Ketten, wie sie beinah in der ganzen Welt zu finden sind. Einheitlicher, massentauglicher Geschmack und schnelle Abfertigung sind die Kennzeichen beispielsweise von Kentucky Fried Chicken (KFC). Die frittierten Hühnchenteile amerikanischer Sorte werden seit kurzem auch in Downtown Yangon angeboten. In diesem Sommer hat der Restaurantkonzern Yum Brands gegenüber von dem berühmten Bogyoke Aung San Markt die erste Filiale im Land eröffnet – und damit einen der letzten weißen Flecken für die westliche Systemgastronomie besetzt. Andere Ketten werden bald folgen; beispielsweise hat Pizza Hut seinen Markteinstieg bereits angekündigt.

Welten treffen aufeinander: In Yangon nimmt man zum Essen an einem der vielen Straßenstände Platz (links). KFC bringt ein anderes Konzept nach Myanmar.

Welten treffen aufeinander: In Yangon nimmt man zum Essen an einem der vielen Straßenstände Platz (links). KFC bringt ein anderes Konzept nach Myanmar.

Vor der Eröffnung begleiteten Facebook- und Twittereinträge die Bauarbeiten des Schnellrestaurants mit rotem Logo. Nach den Jahren der Abschottung sei KFC ein weiteres Zeichen des lang ersehnten Wandels, kommentierte eine lokale Journalistin die Neueröffnung. Die Aussicht auf einen Geschmack wie er genauso in internationalen Metropolen wie Singapur oder New York über die Theke geht, lässt die Yangoner geduldig in langen Schlangen warten.

Geht damit die in Jahrzehnten gewachsene Küche der verschiedenen Ethnien verloren, weicht die entspannte Teehaus-Kultur der gewinnorientierten Massenabfertigung, fragt die Journalistin. Ohne Frage werden sich in den kommenden Jahren Ketten wie KFC von Yangon aus im Land verbreiten. Die Auszeit auf einem der kleinen Plastikstühle am Straßenrand werden sie nicht ersetzen können.

Wie beim Kindergeburtstag: Aufgereiht auf Mini-Höckerchen frühstücken die Marktbesucher am Inle See. Fotos: Lindekamp

Wie beim Kindergeburtstag: Aufgereiht auf Mini-Höckerchen frühstücken die Marktbesucher am Inle See. Fotos: Lindekamp

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