Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ramzi will mich vom Hotel abholen. Sein Büro ist zwar in Bogor, aber es sei nicht leicht zu finden, sagt er am Telefon. Ich stimme zu. Wir verabreden uns für morgen früh um 8 Uhr. Ramzi ist ein Händler für Gaharu. Händler wie ihn soll es in der eine Stunde entfernten Megacity Jakarta viele geben. Die Stadt ist das Drehkreuz des begehrten Duftholzes. Indonesien ist heute der Exporteur Nummer eins weltweit. Früher waren Vietnam und Myanmar groß im Geschäft. Doch die riesen Nachfrage, das massenhafte Fällen der Bäume hat dazu geführt, dass heute kaum mehr Adlerholz in den Wäldern der beiden Länder zu finden ist. Dafür hat der Markt das Potential Indonesiens entdeckt.

Ramzi kommt mich tatsächlich selbst abholen. Ich hatte einen Fahrer erwartet. Statt dessen macht er mir persönlich die Tür seines geräumigen SUVs auf. Ich nehme Platz und freue mich über die Kühle, die mir entgegen strömt. Schickes Auto, teure Uhr am Handgelenk. Ramzi ist in Indonesien aufgewachsen, hat aber auch arabische Wurzeln. Seine Vorfahren stammen aus dem Jemen. Hier leben auch die meisten seiner Kunden im Nahen Osten. Deswegen hat er auch gleich zwei Handys in der Hosentasche, eines für Indonesien und eines für Saudi Arabien.

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Er erklärt mir, dass Gaharu in der arabischen Welt das Symbol für Wohlstand und Luxus ist. Könige, Reiche, wer immer etwas auf sich und hält, und das zeigen möchte, hat Gaharu im Haus. Der Duft empfängt den Gast, noch bevor Essen oder Kaffee gereicht wird. Adlerholz in der Luft heißt soviel wie: willkommen. Schön, dass du da bist.

Ramzi ist ein exzellenter Gesprächspartner. Er erklärt, nennt Zahlen, spricht sehr anschaulich. Ich merke schnell Adlerholz ist für ihn mehr als ein Geschäft, es ist seine große Leidenschaft. Und: er ist eben doch ein besonderer Adlerholzhändler unter den vielen. Er arbeitet eng mit Forschern und mit dem Wirtschaftsministerium zusammen. Schließlich ist Adlerholz für Indonesien ein bedeutendes Exportgut. Ich bin nicht die erste, die er zu seinem Geschäft fährt. Ramzi ist sozusagen der „Vorzeige-Händler“. Ob Journalisten, Besucher oder Forscher. Wann immer das Ministerium einen Experten zum Thema Adlerholz ausweisen soll, fällt Ramzi’s Name.

Als wie sein Geschäft betreten verstehe ich warum. Ein ganzer Raum gefüllt mit Figuren aus Adlerholz. Fein, säuberlich in den Regalen links und rechts, aber auch der ganze Fußboden ist voll gestellt. Es handelt sich um Adlerholz, welches auf Grund der schönen Form als Dekorationsgegenstand in der Wohnung platziert werden kann, erklärt Ramzi. Eigentlich nutzt man das Adlerholz, um es zu verbrennen und so den betörenden Duft zu gewinnen. Das gilt für das qualitativ hochwertigste Adlerholz. Weniger Hochwertiges nutzt Ramzi, um Öl daraus zu machen. Wenn das aus dem gesunden Baum herausgearbeitete Adlerholz aber eine originelle schöne Form angenommen hat, dann wird es nicht verbrannt und nicht zu Öl – sondern so verkauft, wie es ist.

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Bei meiner Recherche im Internet hatte ich Adlerholz bisher immer nur als kleine Splitter gesehen. Die Sache mit den Figuren ist mir neu. Ob Ramzi überhaut das ganz kostbare Adlerholz verkauft? Und während ich noch überlege, wie ich Ramzi danach frage und mich umdrehe, sehe ich plötzlich drei Kisten im Flur stehen. Ramzi hat einen Mitarbeiter beauftragt, sie für mich herzuholen. Da steht er also vor mir: ein kleines Vermögen in Pappkartons. „Super“ ist eine Preiskategorie legt Ramzi los und zeigt auf den ersten gefüllten Karton vor uns. Dieses Adlerholz kommt aus Kalimantan. Es bringt gut 2500 US-Dollar das Kilo. Danach kommt „Double Super“ hier muss man 2000 – 7000 US-Dollar auf den Tisch legen. Schließlich gibt es noch „King Super“ oder „Triple Super“ da liegt der Preis bei unvorstellbaren 15.000 US-Dollar das Kilo. Das Adlerholz dieser höchsten Preisklasse sein aber sehr selten, erzählt Ramzi.

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Ich tue mir schwer mit Worten zu erklären, wie genau er denn nun riecht, der Duft, dem so viele hinterherjagen. Also nutze ich die Chance und frage den Experten. „Es ist ein sehr schwerer Duft. Er wird nicht nur von der Nase aufgenommen sondern weit darüber hinaus,“ führt der Händler aus. „Wenn du schlecht drauf bist und den Duft des Adlerholzes riecht, macht er dich glücklich.“

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Die Adlerholzfiguren und das unverschämt teure Adlerholz zum Verbrennen sind nämlich noch lange nicht alles. Von Gebetsketten, über Armbänder bis Manchettenknöpfen und Spangen oder Ringen gibt es kaum etwas, was Ramzis nicht zu bieten hat. Ramzi hat in Jakarta noch einen großen Laden. Er lädt mich ein, vor meinem Abflug, dort vorbei zu kommen. Zum Einkaufen von Souveniers. Ich soll ihn anrufen, dann organisiert er einen Mitarbeiter, der mich begleitet und in den anderen Geschäften für mich handelt. Denn so lacht er, mit meiner Hautfarbe, ist es ehr unwahrscheinlich, dass ich einen guten Preis bekomme. Handeln ist in Indonesien selbstverständlich. Auch wenn ich es oft vergesse oder mich manchmal zu sehr schäme, nach einen billigeren Preis zu fragen. Handeln gehört hier zum alltäglichen Leben einfach dazu. Ramzi verhandelt hart und gerne. Ihm macht das einfach Spaß und er liefert mir auch gleich eine Begründung, warum ihm nicht nur der Handel mit Adlerholz so viel Freude bereitet: „money always tells the truth.“

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