Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

In Kamerun werden knapp 300 verschiedene Sprachen gesprochen. Wer hier das Gymnasium abschließt, spricht neben seiner Muttersprache Französisch und Englisch, die beiden offiziellen Sprachen des Landes. Vielen Kamerunern ist das aber noch nicht genug: Sie lernen Deutsch.

Es sei seit den 90er Jahren so etwas wie eine Modeerscheinung, begründet vor allem durch die hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit im eigenen Land, berichtet Margit Djiango, die Leiterin der Sprachabteilung am Goethe-Institut in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Rund 3000 junge Menschen drücken hier jedes Jahr die Schulbank. Ihr Ziel: In Deutschland studieren. „Ich habe mir immer gewünscht, in Deutschland Chemie zu studieren“, sagt Sinclair Jontzo. Seit neun Monaten besucht er den Sprachkurs. Er ist Voraussetzung für das Studentenvisum – eine der wenigen Möglichkeiten für Kameruner, legal nach Deutschland einzureisen. Sinclair Jontzo hat bereits seine Zulassung: Im Februar will der 18-Jährige nach Gießen ziehen. Warum gerade Deutschland? „Dort hat man die Möglichkeit, Praxis und Theorie zusammen zu lernen. Und der Abschluss wird weltweit anerkannt.“

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In Deutschland gibt es keine Studiengebühren (mehr) und es ist im Gegensatz zu anderen Ländern leicht, parallel zum Studium zu jobben. Das macht das Land für Kameruner attraktiv. Im Moment sind rund 6.000 kamerunische Studenten an deutschen Universitäten eingeschrieben, mehr als aus jedem anderen afrikanischen Land südlich der Sahara. Die Gründe dafür liegen weit in der Vergangenheit:

Kamerun war von 1884 bis 1916 deutsche Kolonie und im Gegensatz zu der nachfolgenden Verwaltung durch die Franzosen und die Engländer wird die Zeit unter den Deutschen in Kamerun zum Teil regelrecht glorifiziert. Neben Straßen, Schulen, Krankenhäusern und Friedhöfen haben die Deutschen dem Land auch ihre Sprache vermacht: Bis heute ist Deutsch Wahlpflichtfach an der Sekundarschule (neben Spanisch), rund 230.000 Schüler lernen unsere Sprache im Moment.

Daneben gibt es zahlreiche private Institute, die, wie das Goethe-Institut, Deutschkurse anbieten. Am Goethe-Institut wird neben Grammatik und Vokabular auch ganz praktisches Wissen zum Alltag und zum Leben im deutschsprachigen Raum vermittelt. Angefangen bei „In Rostock sagt man ‘Tach’ und in der Schweiz ‘Grüezi mitnand’“, bis hin zu Merkels Rolle in der Flüchtlingspolitik.

Als Deutscher in Kamerun passiert es schnell, dass man auf seiner Muttersprache angesprochen wird: „Kann ich Ihnen helfen?“, wurde ich vor wenigen Tagen im Supermarkt gefragt. Es gibt zahlreiche deutsch-kamerunische Pärchen in der Stadt – zumeist eine deutsche Frau, die einen Kameruner geheiratet hat und mit ihm hier lebt. Auch die Schüler am Goethe-Institut sagen, dass sie nach dem Studium auf jeden Fall zurück nach Kamerun wollen. In der Realität sieht das aber oft anders aus: Mangels Perspektiven in der Heimat bleiben viele der gut ausgebildeten Kameruner nach dem Studium in Deutschland, um dort zu arbeiten.

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