Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Nicht nur mein Recherchethema „Wasser“ ist hier in Lima für mich präsent. Sobald ich in mein derzeitiges Zuhause gehe, bin ich quasi mitten drin in einem Adoptionsprozess: der kleine Paco (den Namen habe ich geändert) hat neue Eltern gefunden – und die sind eben auch bei der peruanischen Familie untergekommen, bei der ich meine Tage in Lima verbringe. Jana und Jens sind aus Deutschland und haben sich für eine Auslandsadoption entschieden. Jana ist selbst adoptiert, ihre Eltern sind Peruaner. Als deutsch-peruanisches Ehepaar hatten die beiden gute Karten für die Adoption.
Ausländer können in Peru vor allem ältere, behinderte oder kranke Kinder adoptieren. Die Begriffe werden allerdings sehr weit gefasst. Denn auch Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Drogen genommen haben, regelmäßig Alkohol getrunken haben und schwere psychische Probleme hatten, zählen dazu. So soll möglichst vielen Kindern aus den Waisenhäusern die Möglichkeit gegeben werden, Eltern zu finden. Paco jedenfalls wirkt kerngesund. Er ist drei Jahre alt und gerade damit beschäftigt, das Leben in der Großstadt fernab von den Schwestern im Waisenhaus in den Bergen kennenzulernen. Das größte Abenteuer liegt wohl noch vor ihm: In Deutschland warten nicht nur neue Gesichter, sondern eine neue Sprache, ein ganz anderes Klima, andere Gewohnheiten. Bis es so weit ist und die Familie ausreisen darf, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Denn die Bürokratie ist in Peru kein bisschen kleiner als in Deutschland. Derzeitiges Problem: Paco bekommt keine Papiere, weil dort sein Name eingetragen werden muss, der sich wiederum aus dem Nachnamen der Mutter und dem Nachnamen des Vaters zusammensetzen sollte. In Peru behält jeder der Ehepartner bei der Hochzeit seinen Namen – wie es auch in anderen spanischsprachigen Ländern üblich ist. Der Name ist Teil der Identität und wird nicht abgelegt. Jana hat den Nachnamen von Jens angenommen, als die beiden geheiratet haben. Mit dem gemeinsamen Familiennamen sind die Behörden hier überfordert. Aber alle hier sind optimistisch, dass es dann doch recht schnell gehen kann – wenn finanziell ein bisschen nachgeholfen wird.

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