Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

So sehen sie aus, die Konsequenzen des Ölreichtums

In Venezuela verursacht das ganze Öl eine ganze Menge Probleme. Hinzu kommen Auswirkungen des politischen Programms: der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Der hat zum einen viele Menschen aus der absoluten Armut in die relative Armut aufsteigen lassen und vielen Menschen zum ersten Mal einen Arztbesuch und eine höhere Schulbildung ermöglicht. Auf der anderen Seite stehen aber solche sozialistischen Platten, ist die Kriminalität sehr viel schlimmer geworden und das Währungssystem ein einziges Chaos.

Aber langsam komme ich ihr auf die Spur, der holländischen Krankheit. Sie heißt so, weil vor der holländischen Küste in den siebziger Jahren Erdgas gefunden und gefördert wurde, darunter aber alle anderen Industriezweige leiden mussten. Weil auf einmal durch den Verkauf des Erdgases ins Ausland sehr viele Devisen ins Land kamen, aber nicht mehr Güter produziert worden, entstand ein Ungleichgewicht. Holland  hat darauf schnell und gut reagiert, Venezuela hingegen hat mit diesem Problem schon lange zu tun. Eigentlich seit fast 100 Jahren, seit hier das Öl gefunden und gefördert wurde.

Volksheld Simon Bolivar

Was heißt das für die Venezolaner, dass ein Liter Wasser an der Tankstelle teurer ist als ein Liter Benin? Außer, dass sehr viel Geld in die Subventionen des billigen Benzins fließt? Es heißt, dass ihnen das billige Benzin so wichtig ist, dass keine Regierung sich traut, etwas daran zu ändern. Auch wenn das heißt, dass jeder Bewohner von Caracas ein Auto besitzt und damit jeden Tag ein paar Stunden im Stau steht.

22 Liter Benzin kosten 22 Bolivares. Das sind, bei günstigem Wechselkurs, 2,20 Euro.

Um aber zu verstehen, wo diese holländische Krankheit in Venezuela ihren Ursprung hat, muss man ganz in den Westen des Landes fahren: nach Maracaibo, an die kolumbianische Grenze. Denn hier sprudelt der vermeintliche Reichtum des Landes aus dem Boden eines der größten Seen des Kontinents.

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