OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Für meine Recherche möchte ich eine Anfrage an ein brasilianisches Ministerium stellen. In seinem Onlineformular will das Ministerium alles wissen. Als ich nun aber im Onlineportal nach meinem Geschlecht auch noch meine Rasse und Farbe angeben soll, wird es mir zu bunt.

Zur Auswahl stehen: branca (weiß), negra (schwarz) , amarela (gelb), parda (gemischt) und indigena (indianisch).

In Brasilien wurde auf meine Sorge um Privatsphäre und Datenschutz in den letzten Wochen immer mit großer Verwunderung reagiert. „Ihr Deutschen seid da wohl besonders besorgt, was?“, habe ich deshalb schon öfters gehört. Meine brasilianischen Freunde teilen in den sozialen Netzwerken von den Bildern der frisch verstorbenen Oma bis zur Liveschaltung in den Kreissaal auch sowieso schon unbekümmert alles.

„Hm, verstehe, du findest das komisch, ja ihr seid da ja eh etwas speziell.“ Ist dann auch der Kommentar eines Freundes zu meiner Empörung. Er hat aber doch noch eine Erklärung für die Neugierde des Onlineportals: „Ich denke, in diesem Fall hat das mit den Quoten zutun, die es hier für bestimmte Rassen gibt.

Die Sklaverei wurde in Brasilien offiziell 1888 abgeschafft. Bis heute ist der Einfluss der meist schwarzafrikanischen Sklaven in der Kultur Brasiliens, aber auch in den Gesichtern der Menschen deutlich zu erkennen. Die Chancen auf höhere Bildung und bessere Jobs sind bei dem schwarzen Teil der Bevölkerung aber bis heute deutlich geringer als bei weißen Brasilianern. Das Onlinenachrichtenportal UOL zitiert in seinem Artikel Daten des brasilianischen Statistikinstitutes IBGE, wonach 54% der Population sich als schwarz bezeichnen. In dem 1% der Reichsten des Landes waren 2014 79% Weiße und 17,4 % Schwarze (negro und pardo). In der Gruppe der ärmsten 10% der Population (mit einem Durchschnittseinkommen von 130 Rais bzw. 37 Euro im Monat) sind die Schwarzen die am stärksten vertretene Gruppe. 2014 waren 76% in dieser Gruppe Schwarze, während nur 22,8% der Ärmsten sich als weiß bezeichneten.

Um dieser Ungerechtigkeit etwas entgegenzusetzen gibt es die so genannten cotas raciais. Diese Rassenquoten sollen  in öffentlichen Institutionen (zum Beispiel Jobs im öffentlichen Dienst oder Plätze an öffentlichen Unis) bestimmten Ethnien eine Anzahl von Plätzen garantieren.  Im Dezember 2000 trat das Gesetz in Kraft, dass 45% der Plätze an öffentlichen Universitäten der Bundesländer (Universidade Federal im Gegensatz zu öffentlichen Universitäten der Städte, oder Gemeinden) für Schwarze garantiert. Es folgten Quotenregeln für zahlreiche andere Bereiche des öffentlichen Lebens.

Ein Argument der Kritiker der Quotenregelung ist, dass diese Andersartigkeit von Gesellschaftsschichten offiziell schriftlich festgehalten, die Kluft zwischen Schwarz und Weiß nur noch verstärken werde. Andere Kritiker sagen, dass die Schwarzen einfach gleiche Leistungen zeigen sollten, dann würden sie auch gleich entlohnt werden, eine Argumentation die an die Deutsche Diskussion über Frauenquoten erinnert.

„Aber wie wird festgestellt wer schwarz, indigen oder gemischt ist?“, möchte ich wissen und stelle mir einen Beamten mit diversen Farbpaletten beim Vorstellungsgespräch vor. „Hahaha das wird per Selbsterklärung geregelt. Du selbst sagst, ob du dich als Schwarze fühlst, das muss dann akzeptiert werden.“

Das kommt mir komisch vor, darum frage ich einen anderen Studenten nach dem Vorgehen: „Meinst du, selbst ich könnte mich als schwarz bezeichnen um leichter in die Uni kommen?“ kurzes Nachdenken: „Das ginge vielleicht schon, aber das würde niemand machen. Auf dem Ticket „Schwarzenquote fahren um einen Platz zu ergattern, stellt auch in gewisser Weise eine Brandmarkung dar. Ich zum Beispiel könnte problemlos als Schwarzer durchgehen, aber ich habe mich lieber als Weißer beworben.““ zu

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Archive