Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Die Sonne verstaubt hier auch, denn es ist heiß. So heiß, wie sonst nirgendwo im ganzen Land. Und trotzdem ist Maracaibo besser als man glaubt, denn es ist die Hauptstadt des reichsten Staates des Landes, Zulia.

Hier wurde 1914 zum ersten Mal Öl entdeckt und kurze Zeit später stürzte die ganze Welt auf Venezuela ein, um daran mitzuverdienen. Gefördert wird aus dem Lago Maracaibo, einem der größten Seen des Kontinents.

Der Maracaibo-See von oben

Dass ihm das nicht gut getan hat, kann man schon vom Flugzeug aus erkennen. Grüne Dreck- und Ölschlieren ziehen sich durchs Wasser. Umweltverschmutzung ist eines der Probleme, die meist einhergehen mit der massiven Ausbeutung von Bodenschätzen.
Weil bisher das meisten Öl des Landes hier gefördert wurde, haben die Menschen in Zulia das Gefühl, sie würden das Geld verdienen, das in der Hauptstadt von der Regierung ausgegeben wird. Das mag auch tatsächlich so sein. Denn der informelle Sektor der Wirtschaft ist hier sehr klein im Vergleich zum Rest des Landes.
In Caracas stehen an jeder Ecke Bananen- und Melonenverkäufer, sie weder irgendwo registriert sind, geschweige denn Steuern zahlen. Es gibt Frauen, die mit Telefonen auf dem Schoß nebeneinander an der Straße sitzen und einzelne Zigaretten verkaufen, wenn gerade niemand telefonieren will.
In Zulia dagegen werden die großen Geschäfte gemacht. Man trifft sich im Yacht-Club am See, in klimaanlagengekühlten Räumen und spricht über das große Geld und wie man es vor dem Staat in Sicherheit bringen könnte. Man lebt hinter hohen Mauern mit Stacheldraht und erzählt sich, wer in den letzten Tagen wieder an welcher Ecke überfallen wurde.

Man schützt sich mit Zäunen, Gittern und Mauern

Weil aber hier das Öl und das ganze Geld sitzt, sind auch die Ölexperten und Ökonomen hier, mit denen ich sprechen möchte. Was sie zu sagen haben, wird bald berichtet!
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