Dass Vietnam ein Müllproblem hat, habe ich auf meiner Reise schon öfter bemerkt. Aber nirgends ist es so offensichtlich wie auf Phu Quoc. Vietnams größte Insel liegt im Golf von Thailand, nur einen Katzensprung vom kambodschanischen Festland entfernt, und entwickelt sich gerade im Zeitraffer zum Touristenmagneten. Die holprigen Schotterpisten weichen asphaltierten Straßen, an der Küste entstehen gigantische Hotelanlagen und der internationale Flughafen sorgt seit einigen Jahren für steigende Besucherzahlen.

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Mit dem Ausbau der touristischen Infrastruktur wachsen allerdings auch die Müllberge. Als ich mit dem Roller die Insel erkunde, komme ich an schier endlosen Müllkippen vorbei. Der Gestank ist so unerträglich wie der Anblick: Die ehemalige Trauminsel droht im Müll zu ersticken.

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Es ist ein trauriges, fast schon gewohntes Bild: Am Straßenrand und an den weniger touristischen Stränden sammelt sich der Dreck. Beim Anblick der zahllosen Plastikflaschen bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Mindestens drei Wasserflaschen verbrauche ich bei der Hitze selbst jeden Tag. Auch wenn ich sie in die Mülltonne werfe, heißt das nicht, dass sie fachgerecht entsorgt werden. Die Mülldeponien in Vietnam sind oft veraltet und überlastet, sie können die wachsenden Abfallmengen nicht bewältigen. So landet ein erheblicher Teil des Mülls in der Umwelt. Auf einer Insel mag sich dieses Problem potenzieren, aber es betrifft das ganze Land.

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Die Vietnamesen tragen dazu bei, indem sie ihren Abfall mitunter einfach vor die Tür werfen oder am Straßenrand verbrennen. Am Mekong habe ich erlebt, dass auch der lebenswichtige Fluss als Mülltonne dient. Dabei sind sich die Anwohner der Problematik offenbar nicht bewusst. Jedenfalls lächelten sie mich freundlich an und pfefferten im nächsten Moment ihren Müll ins Wasser. Schwer zu ertragen, wenn man mit dem grünen Punkt aufgewachsen ist. Aber es tut sich was, das Umweltbewusstsein der Vietnamesen wächst. Im Kampf gegen die Vermüllung setzt die Regierung unter anderem auf Bildung. In den Schulen sollen die Kinder lernen, was es mit dem Umweltschutz auf sich hat.

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Glücklicherweise ist es nicht überall so dreckig wie auf Phu Quoc. In Hanoi läuft es schon besser. Morgens und abends ist in der Hauptstadt die Müllabfuhr unterwegs – und kündigt sich schon von Weitem an. Das immer gleiche Lied ertönt, wenn der Müllwagen sich nähert. (Beim ersten Mal dachte ich noch, es sei ein Kinderchor. So ähnlich klingt der Müllabfuhr-Song, den ich möglicherweise als Ohrwurm mit nach Hause nehmen werde.) Die Leute holen daraufhin ihre Mülltüten raus und der Müllwagen nimmt sie mit. So sind die Straßen in Hanoi, jedenfalls im Zentrum, angenehm sauber.

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Zur Sauberkeit trägt übrigens auch die Leidenschaft der Vietnamesen fürs Kehren bei. Ihre typischen Besen aus Bambus und Stroh scheinen niemals stillzustehen. Das Haus, der Vorgarten, die Straße – ja, sogar der Strand – alles wird feinsäuberlich gefegt. Für mich ist Vietnam daher auch das Land der Besen. Und das ist doch hoffentlich eine gute Voraussetzung dafür, die dängenden Müllprobleme in den Griff zu bekommen.

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