Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ich schwitze. Mein Hemd klebt, mein Haar tropft, mein Rücken wird von ungezählten, salzigen Tropfen überrannt. Dabei brennt die Sonne nicht einmal, es ist nur schweißtreibend schwül – und gerade einmal halb zehn am Morgen. Wie soll ich es zumindest einigermaßen vorzeigbar durch die Meetings des Tages schaffen?

Same same but different. So beschreiben die Tuk-Tuk-Fahrer Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas. Und das scheint sie auch irgendwie zu sein: ein bisschen Thailand, ein bisschen Vietnam – und doch etwas anderes. Die Speisekarte zeigt es, die Geschichte zeigt es, die Reiseroute der Backpacker zeigt es: Kambodscha ist irgendwie eingequetscht zwischen dem großen Nachbarn Vietnam und dem noch größeren Bruder Thailand.

Und auch mein Thema hat damit zu tun. Seit knapp zwei Wochen bin ich in Phnom Penh und knüpfe Kontakte, stelle mich vor, lächele und versuche in vielen Meetings und Interviews Vertrauen aufzubauen. Ich möchte mehr herausfinden über „Human Trafficking“, über Menschenhandel. Menschenhandel hat auch immer etwas mit Ausbeutung zu tun und häufig auch mit Verschleppung: manchmal innerhalb einer Stadt oder innerhalb Kambodschas, oft aber auch über Grenzen hinweg – insbesondere nach Thailand und Vietnam oder auch nach China oder Malaysia. Kambodscha ist ein internationaler Hotspot von Menschenhandel und moderner Sklaverei.

International Organization of Migration: „Migration is not a bad thing“

Aber wer spricht darüber? Wer erzählt seine Geschichte? Wer öffnet sich einem ausländischen Journalisten? Wer riskiert möglicherweise Schande und Scham in der Community – oder Schlimmeres?

Es ist leicht NGOs zu dem Thema zu befragen. Es ist auch leicht mit

Phanith Meas recherchiert häufig mit verdeckten Kameras im Rotlichtviertel

Sozialarbeitern und Journalisten ins Gespräch zu kommen.

 

 

 

Bei kritischen Fragen blockt schon die Polizei ab.

Wie erkennt man Menschenhandel?

Keine Antwort bisher von offiziellen Regierungsstellen und „Arbeitsvermittlungsagenturen“, die oft als Schleuser verdächtigt werden. Und noch kniffliger: Interviews mit Opfern. Erlebnisse aus erster Hand. Die NGOs und Sozialarbeiter schützen sie vor der Öffentlichkeit – zurecht. Für einen Journalisten sind sie trotzdem spannend.

Dafür muss Vertrauen aufgebaut werden, viel Vertrauen. Es muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Es muss gelächelt werden. Es muss Ausdauer, Detailkenntnis und aufrichtiges Interesse gezeigt werden – zum Beispiel in mehrstündigen Sitzungen in den schwül-heißen Morgenstunden von Phnom Penh. Das ist meine aktuelle Aufgabe. Anders geht es nicht weiter, anders kann

Phnom Penh bei Nacht, Street 51

ich den NGOs und Helfern mein ehrliches Interesse nicht beweisen. Für mich selbst habe ich einen eigenen Beweis: die Salzkrusten in meinen Hosen, die Spuren des Tages. Aktueller Plan: Sie werde ich erst als allerletztes Überzeugungsmittel vorzeigen, falls ich nicht glaubhaft genug erscheine. Bis dahin bleiben sie mein Geheimnis.

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