Wasser. Wir sehen es als selbstverständlich an. Wenn es plötzlich fehlt, steht das Leben still. Die einfachsten Dinge werden zur Herausforderung. Mitten im Urwald, am Ufer eines Flusses, habe ich erlebt, was Wassermangel bedeutet.

Trockener, gerissener Boden

Olinda dreht den Hahn auf. Drei Tropfen kommen heraus. Sie dreht ihn zu und wieder auf. Nichts. Sie schaut mich an, dann den Stapel schmutziger Töpfe neben dem Waschbecken, dann wieder mich. Fragend, verzweifelnd.

Ein Mann kniet und schaut auf eine kleine Pfütze Wasser.

Von dieser Quelle beziehen acht Familien ihr Wasser.

Seit Tagen wissen wir, dass das Wasser knapp ist. Es hat über drei Monate nicht geregnet. Der Boden ist trocken und rissig, Gräser und Blätter vertrocknen. Zwei Tage zuvor sind wir durch den dichten Urwald zu der Quelle gegangen von der acht Familien ihr Wasser beziehen. Sie war so gut wie versiegt. Und das im Schatten unter riesigen Bäumen.

Ich bin im Quilombo Porto Velho, mitten im Atlantischen Regenwald, im Bundesstaat São Paulo. Quilombos sind Dörfer von Nachfahren entflohener Sklaven. Sie haben sich zur Zeit der Sklaverei versteckt im Wald angesiedelt. In Porto Velho wohnen heute 30 Familien. Die meisten leben von der Landwirtschaft. Sie bewirtschaften ihre Felder noch mit der Hand – anstrengende körperliche Arbeit in gleißender Hitze.

Verschwitzt und durstig kommt Aparício von der Feldarbeit zurück. Olinda und ich haben in der Zwischenzeit Wasser bei einer Familie geholt, die es von einer anderen Quelle bezieht. Allerdings ist das Wasser salzig. Eigentlich benutzen sie es nur zum Putzen und Waschen, aber wenn das Süßwasser aufgebraucht ist, wird Salzwasser getrunken. Auch ich habe Durst. Der Weg war weit. Mein Hals ist trocken, die Sonne brennt und meine Zunge fühlt sich doppelt so groß an wie sonst – das Wasser tut gut, jedenfalls zuerst. Im Mund bleibt ein Salzgeschmack, der noch durstiger macht.

Ich sitze im Schatten vor dem einfachen Haus von Olinda und Aparício und höre den nahen Fluss rauschen. Es ist ein bisschen wie Folter. Das Flusswasser ist nämlich nicht trinkbar. Es ist nicht nur salzhaltig, sondern auch stark verschmutzt. In der Nähe des Quilombos ist ein Bergwerk, das seine giftigen Stoffe in den Fluss entsorgt, außerdem landen die Abwässer der nächstgelegenen Kleinstadt darin.

Ein Mann schaut in den Himmel. Zu seinen Füßen stehen Plastikflaschen

Wo bleibt der Regen? Aparício sammelt leere Plastikflaschen, um Wasser bei den Nachbarn zu holen.

Doch auch das Wasser, das die Familien trinken, wird nicht nur immer weniger, sondern auch immer schlechter. Viele Kinder haben Durchfall und ständig Bauchschmerzen. Eigentlich müsste das Wasser aufbereitet werden. Dafür muss es aber erst einmal vorhanden sein. Seit Monaten liegt der Landesregierung ein Antrag für einen Brunnen vor. Doch die Gelder für solche Projekte sind eingefroren.

Und so bleibt Porto Velho ohne Wasser. Am nächsten Tag fällt die Schule aus. Die Toiletten sind ohne Wasser unbenutzbar und das für die Kinder so wichtige Mittagessen kann auch nicht zubereitet werden. Auf die Hilferufe hat die zuständige Regierung bisher nicht reagiert. Dabei ist es ihre Pflicht, die Dörfer im Notfall mit Wasser zu beliefern.
Wenn es nicht bald regnet, sind auch die letzten Reserven aufgebraucht.

Ein Fluss im Grünen

Gemütlich plätschert der Fluss Ribeira an den Häusern vorbei. Sein Wasserstand ist niedrig, aber noch hoch genug, um neidisch zu werden.

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