In einer Tokioter U-Bahnstation steigen Menschen ein und aus.

11,2 Milliarden –

so viele Menschen werden laut UN-Statistik im Jahr 2100 die Erde bewohnen, falls die Bevölkerung so weiterwächst wie bisher. Einen Eindruck davon, wie sich die Welt dann anfühlen könnte, bekommt man morgens um acht Uhr in der Tokioter U-Bahn. Schon im knapp anderthalb Stunden außerhalb des Zentrums gelegenen Tsudanuma, wo ich untergekommen bin, drängen sich die Pendler dicht an dicht. Danach herrscht an jeder Haltestelle Ebbe und Flut. Am schönsten ist der kurze Moment, wenn ein großer Pulk Anzugträger durch die Türen dem jeweiligen Arbeitstag entgegenströmt und mir kurz keine Handtasche mehr ins Kreuz drückt.

Fast unglaublich finde ich, wie leise und geordnet das alles abläuft. Auch dank der weiß behandschuhten Bahnhofsvorsteher, die sanft den Verkehr regeln und sich mit ausgebreiteten Armen vor der Tür aufstellen, wenn wirklich niemand mehr in den Wagen passt. Mit ihren Micky Maus-Handschuhhänden aktiv drücken, tun sie allerdings nicht. Im Inneren der Abteile ertragen meine Mitreisenden das Gedränge gleichmütig und scheinbar entspannt – manche nutzen die Fahrt sogar für ein kleines Nickerchen im Stehen.

Ich dagegen stolpere nach einer guten Stunde Fahrt verschwitzt und erleichtert auf den Bahnsteig. Die nötige U-Bahn-Gleichmut muss ich mir wohl erst noch antrainieren – vielleicht suche ich mir aber künftig lieber Reisezeiten jenseits der Rush Hour aus.

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