Parken in Baku ist ein kompliziertes Verfahren. Während man sich beim Auto-Fahren im Großen und Ganzen an eine südosteuropäisch-geprägte Straßenverkehrsordnung hält, werden beim Auto-Parken sämtliche Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt. Zumindest aus meinem, in diesem Kontext fast naiv kindlich wirkendem, deutschen Sinn für „Ordnung“.

Baku Innenstadt: Typische Verkehrssituation

An jedem Werktag von morgens bis spätnachmittags werden ganze Bürgersteige zu Parkplätzen für die Gefährte der Berufstätigen ausgewiesen. Straßenzüge und Nebenstraßen, die nachts und am Sonntag als formidable Zubringer der großen Verkehrspunkte dienen, werden unter der Woche zu bloßen Abstellflächen degradiert, mit Fahrzeugen unterschiedlichster Größen, Formen und Farben regelrecht „zugeknallt“.

Eldorado-Parkkultur
Das Problem ist offensichtlich: Zu viele Menschen drängen mit zu vielen Fahrzeugen jeden Tag in die Büro- und Geschäftsviertel der Innenstadt.

Parken: Überall und irgendwie 1

Die Folge: Eine Eldorado-Parkkultur, die von der ständigen Nachfrage der Businesselite nach freiem, viel zu knappem Park-Raum und dem scheinbar nicht-enden wollenden Erfindungsgeist lokaler Auto-Parker genährt wird.

Da rauscht die gestresste Geschäftsfrau morgens im spritschluckenden Geländewagenden an, wirft dem – offenbar schon länger bekannten – älteren Herrn an der Straßenecke die Autoschlüssel zu und entschwindet ohne weitere Erklärungen ins nahe gelegene Büro. Dem mit dieser Aufgabe betrauten Auto-Parker obliegt es nun, einen geeigneten Park-Platz zu finden. Gar nicht so einfach, denn in der Zwischenzeit sind auch schon andere gestresste Geschäftsfrauen und -Männer angerauscht gekommen, haben den – ihnen offenbar schon länger bekannten – anderen älteren Herren an den anderen Straßenecken ohne weitere Erklärung ihre Autoschlüssel zugeworfen und sind in ihre nahe gelegenen Büros entschwunden.
Zwischen Wettbewerb und Kameradschaft

Parken: Überall und irgendwie 2

Unter den Auto-Parkern entwickelt sich nun eine Mischung aus Kameradschaft und Wettbewerb. Zum einen will die am besten zu erreichende Park-Position für das Gefährt des eigenen Kunden gefunden werden. Zum anderen ist man – aufgrund des vollkommenen Überangebots an Fahrzeugen in Kombination mit hoffnungslos zu wenig Stellfläche – dringend auf die Mithilfe und Kooperationsbereitschaft der anderen Auto-Parker angewiesen.

Zu irgendeinem Zeitpunkt dieser Interaktion muss wohl auch eine finanzielle Kompensation stattfinden. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass die zahlreichen Auto-Parker jeden Tag aufs Neue dieses schier unmögliche Unterfangen meistern.

Den ganzen Morgen werden also Autos umrangiert, umgeparkt, an den unmöglichsten Stellen abgestellt. Am frühen Vormittag ist das halbe Tagwerk vollbracht, bis zum späteren Nachmittag kann in diesem wohlfeil austarierten Park-Biotop erst einmal Ruhe einkehren.
Chaos  beim Ausparken
Dass einzelne Fahrzeuge, komplett umringt von anderen geparkten Fahrzeugen, mitten auf eigentlich zu benutzenden Verkehrsstraßen geparkt sind, scheint niemanden zu irritieren.
Wehe aber, der Besitzer eines solch mittig geparkten Fahrzeugs entschließt sich, früher aus dem Büro nach Hause zu fahren. Das Resultat: Absolutes Chaos, Geschimpfe, wildes Herumrangiere auf, in, über allerlei Bürgersteige und Gassen.

Das Ganze endet nicht selten in einem Rückstau der zurückzusetzenden Autos auf „tatsächliche“ Straßen am Rande des Biotops. Das Resultat: Noch mehr Chaos, noch mehr Geschimpfe und Gehupe und noch wildere Herumrangiererei. Parken in Baku: Es ist ein kompliziertes Verfahren.

Ausparken: In der Mitte wirds schwierig

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