Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Es ist drückend heiß. Die Haut klebt von Sonnencreme, Mückenspray und Schweiß. Als ich mich für eine Pause in einem Restaurant an einem Arm des Mekong in Can Tho niederlasse, scheint die Sonne. Ich bestelle ein Wasser und beobachte das Treiben auf dem Fluss. Das Wasser ist braun. In der Mittagszeit bringen nur wenige Boote Menschen ans andere Ufer. Plötzlich innerhalb weniger Minuten ziehen die Wolken zu. Der Kellner läuft zur anderen Seite des Restaurants und lässt den Rolladen herunter. Es beginnt zu regnen und winden. „Flut“, ruft der Kellner und lässt den nächsten Rolladen herunter. Es regnet mittlerweile stark. Ich beobachte einen Pfahl nahe des Ufers. Innerhalb weniger Minuten steigt das Wasser um einige Zentimeter. Nach einer halben Stunde lässt der Regen nach und ein Polizist kehrt mit einem einfachen Besen das Wasser von der Promenade in den Fluss.

Schnell wechselndes Wetter, extremer Regen oder lange Trockenzeiten sind Realität im Mekongdelta. In den vergangenen Jahren wurden diese Phänomene immer öfter beobachtet in der Region. Forscher führen das auf den Klimawandel zurück. Ich bin nach Vietnam gekommen, um zu sehen, wie sich der Klimawandel bereits jetzt auf das Leben der Menschen im Delta auswirkt.

Fahrt nach Can Tho auf Umwegen

Am Dienstagmorgen bin ich in Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden von Vietnam gelandet. Vier Stunden bin ich mit verschiedenen Bussen durch die Stadt gefahren, bis ich am richtigen Busbahnhof war. So einfach war es dann doch nicht den richtigen Weg zu finden. Vom Busbahnhof aus ging es nach Can Tho, die heimliche Hauptstadt des Mekongdelta. 1,52 Millionen wohnen am Ufer des „Unteren Mekong“.

Auf den Straßen wimmelt es von Rollern. Wer die Straße überqueren will, muss entschlossen und mutig sein. Am Rand reihen sich kleine Garküchen aneinander, dort wird Reis, Gemüse und die traditionelle Suppe „Pho“ angeboten. Es riecht nach gegrilltem Fleisch.

Vietnamesin, die am Straßenrand von Can Tho unter anderem die Frucht Mangostane verkauft.

Die Frauen an den Ecken bieten frische Früchte an. Das Mekongdelta ist einer der fruchtbarsten Flecken der Erde. Besonders südlich von Can Tho werden Melonen, Mangos und viele andere Früchte angebaut. Insgesamt produzieren die Landwirte im Mekongdelta 50 Prozent des Obstes, das Vietnam exportiert – auch nach Europa.

So schmeckt das Mekongdelta

Viele Vietnamesen aus den umliegenden Regionen bieten ihr Obst auf dem schwimmenden Markt Cai Rang an. Boote vollgeladen mit Ananas, Kürbissen und vielen anderen Produkten treffen sich dort. Oben am Mast hängt das Gemüse, das verkauft wird, denn Marktgeschrei würde untergehen im Rattern der Motoren.

Schon um 5 Uhr morgens beginnt der Verkauf von Obst und Gemüse auf dem Cai Rang Markt.

Bei so viel frischem Obst habe ich mich natürlich durchprobiert. Besonders schmeckt mir eine purpurfarbene Frucht, die etwas kleiner wie eine Mandarine ist. Sie heißt Mangostane. Erst muss man die etwa zwei Zentimeter dicke Schale entfernen, bevor man das weiße Fruchtfleisch genießen kann. Dieses Jahr gibt es weniger Mangostane wie sonst, erzählt mir die Straßenverkäuferin Thanh Ha (50). Denn es sei heißer gewesen als sonst in den vergangenen Wochen. Das hat das Wachstum der Frucht nicht begünstigt.

Viele Marktfrauen bieten Mangostane an. Derzeit hat die Frucht Saison.

Meine zweite Lieblingsfrucht ist Rambutan. Sie ist etwas größer als eine Walnuss. Auf ihrer Schale sind viele kleine rote Haare. Die innere Frucht ist glitschig und erinnert an eine Litschi.

Die Frucht Rambutan wird auch „falsche Litschi“ genannt.

Am Samstagabend bin ich mit dem Bus von Can Tho weiter nach Dalat in Zentralvietnam gefahren. Dort treffe ich am Montag Landwirte, um zu erfahren, wie sich der Klimawandel auf ihre Arbeit auswirkt. Ich bin gespannt, welche Früchte ich dort probieren kann.

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