Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ein Rausch an bunten, grellen Lichtern. Mittig das Umherirren von Front- und Rücklichtern der zwei-, vier-, sechsrädigen Gefährten. Am Rand die vorbeifliegenden Reklametafeln. „Suites and Resort Bali“, „Craft Beer“, „Rice Bowl and Tattoo“, „Mini Mart“. Shop reiht sich an Bar reiht sich an Baustelle reiht sich Shop. Zwischen den wilden Leuchtklötzen ist es dunkel. Kurz vor Mitternacht vom Flughafen in Denpasar, Balis Hauptstadt, Richtung Nusa Dua in meine erste Unterkunft. Der Blick durch die Windschutzscheibe auf die Straße erinnert an Tetris, letztes Level, Highspeed. 

„Vor 10 Jahren waren hier viel mehr Reisfelder“, erzählt Putu Nuartha mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Strecke vom Flughafen in die touristischen Zentren der Insel kennt er gut. Als Fahrer legt der 43-Jährige die verkehrsdichte Strecke manchmal mehrmals am Tag zurück. Vor allem in den letzten zehn Jahren habe sich seine Heimat stark verändert. „Viele Geschäfte sind von Touristen“, fügt er noch hinzu. Und: „Entschuldige mein schlechtes Englisch!“ Soweit kann ich alles verstehen. Richtig begreifen dann später.

„Der Tourismus ist gut für Bali! Wegen des Geldes. Früher war ich Gärtner, da habe ich nicht viel verdient.“ Putu lacht herzlich. Macht er sowieso häufig. Sein 19-jähriger Sohn soll nur vorübergehend als Fahrer arbeiten. Dann, im Gegensatz zu Putu, an der Universität studieren. „Fahren und Roller vermieten – damit können wir uns das leisten.“ Nur in diesem Jahr hatte er Pech. Vor einigen Monaten nahm ihm ein Tourist die Vorfahrt, beide auf dem Roller unterwegs. „Der Linksverkehr ist nicht gut für einige Touristen.“ Krankenhausaufenthalt, Operation am gebrochenen Arm, Rollerreperatur. Eine kostspielige Angelegenheit für Putu. Mittlerweile hat er die Hoffnung auf Schadensersatz vom Verursacher aufgegeben. Wenige Wochen später verleiht er drei Roller an einen Touristen, einen bekommt er zurück. Wieder kein Schadensersatz. Kürzlich brach jemand in sein Haus ein. Familienschmuck weg. Laut Putu ein kleines Vermögen. „Kein gutes Jahr!“ lächelt er und und kneift mit Blick auf die wild leuchtende Straße die Augen zusammen.

Wilde Leuchtklötzchen fliegen über die Windschutzscheibe

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