Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Eine umweltbewusste Hauswand

Tagesziel heute: Mit dem Roller quer durch die Benoa Bucht fahren, einmal komplett von Süd nach Nord. Natur auf einer Fläche von fast 2000 Fußballfeldern: 1400 Hektar maritimes Ökosystem, Lebensraum für etliche Tier- und Pflanzenarten. Beinahe unberührte Natur, wäre da nicht die 12,7 Kilometer lange Mautstraße. Einige meiner Gesprächspartner sehen in der 2013 eröffneten Bali Mandara Toll Road einen düsteren Vorboten des zu dieser Zeit noch nicht offiziell bekannt gegebenen Tourismusprojekts in der Benoa Bucht.

Mein erster längerer Roller-Ausflug hier in Bali. Das Verkehrssystem kenne ich schon aus meiner Zeit in Vietnam. Nur der Linksverkehr stellt meine bisherigen Verkehrsansichten auf den Kopf. Je weiter ich mich vom Touristenort Nusa Dua entferne, desto dichter und wilder wird der Verkehr. Mit meinen käseweißen Armen und Beinen werde ich Teil der mumifizierten Menge. Durchschnittstemperatur jetzt im Oktober: 32 Grad. Flip Flops mit Socken, Jeans, Langarm, hier und da auch mal Handschuhe und Daunenjacke. Hauptsache die Haut ist geschützt vor Sonne und Abgasen. Neugierige Blicke bleiben auf meiner exponierten Käsehaut kleben. Verständlich. An lange Klamotte ist bei mir nicht zu denken. Erstens ist mir heiß und zweitens ist mir heiß. Auch erstaunlich: Das Rollergeschick einzelner. Neben scheinbar vollständigen Familien auf einem Zweirad begegnen mir während meiner Zeit auf Bali fahrende Standventilatoren, Leitern und Vogelkäfige. Vor allem letzteres scheint ein begehrtes Transportobjekt zu sein, fast immer mysteriös verhüllt. Wie ich später erfahre, verbergen sich darunter Hähne. 

Für die Mautstraße braucht es ein Ticket. Laut Reiseführer erhältlich in jedem Indomaret, einer der populärsten Supermärkte in Bali. Ich gucke in drei leere Gesichter in blauer Uniform, als ich nach einem Ticket frage. Auf den Köpfen der drei Angestellten sitzt jeweils ein Papphütchen, das mit aufgedruckten Geldscheinen und Autos auf ein Gewinnspiel hinzuweisen scheint. „No Ticket.“ Leider spreche ich kein balinesisch, um herauszufinden, warum mich mein Reiseführer belogen hat. Als ich nach einer alternativen Verkaufsstelle frage, leider eben nur auf Englisch, scheine ich die drei mit unserer Sprachbarriere in Verlegenheit zu bringen. Köpfe zusammen, tuscheln, verlegenes Grinsen. „Mandari Bank?“ knirscht Einer von den Dreien. Die Vorstellung, dass mir die Bank ein Mautticket verkauft, finde ich absurd. Fünf Minuten später verlasse ich den Supermarkt, der  direkt gegenüber liegt. Mit einem Mautticket. 

Allmählich wird aus der Straße eine Brücke. Für Zweiräder gibt es am äußeren Rand eine separate Spur, etwas breiter als ein gut ausgebauter Fahrradweg. Obwohl nicht viel los ist auf der Straße werde ich immer wieder überholt. Ich bin noch nie mit dem Roller durch eine Bucht gefahren, 12,7 Kilometer Strecke, und muss mir das alles genau angucken. Die Wasseroberfläche der Benoa Bucht sieht an manchen Stellen grün, an manchen blau, mal hell und mal dunkel aus. Ich entdecke einen Vogelschwarm im Sturzflug ganz in der Nähe von ein paar Fischerbooten. Am westlichen Küstenrand der Bucht wuchert es grün. Das müssen die Mangroven sein. Als ich die Bucht fast durchquert habe, genieße ich nochmal den frischen Fahrtwind, bevor ich wieder in die beißenden Abgase der Stadt fahre. Es riecht nach Meer. Schön ist es hier.

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