Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Mitternacht, Internationaler Flughafen Nursultan Nazarbayev Astana. Die meisten Reisenden aus Deutschland, die hier ankommen, landen spät in der Nacht. Auch heute ist es dunkel als der Flieger aus Frankfurt den Landeanflug startet. „Das Wetter ist … bescheiden“, erklärt der Kapitän, „Eisnebel und – 24 Grad erwarten uns.“ Kurz verfluche ich, dass ich für meine Recherche nicht doch ein sonnigeres Land gewählt habe.

Nach einer gefühlten Ewigkeit setzt der Flieger auf der Landebahn auf. Das merke ich nur durch den heftigen Knall als die Rollen den Boden berühren. Sehen kann ich absolut nichts. Die anderen Passagiere klatschen und mir wird klar, dass wir gerade unter extremen Wetterbedingungen gelandet sind. Überall Nebel, dicht an dicht. Das ist also der berühmte Eisnebel oder doch nur verdammt viel Smog?

Im Flughafen über die Gangway angekommen, versuche ich vor der Passkontrolle noch einen Blick durchs Fenster zu erwischen. Schwarzes nichts. Mit mir steigen ca. 20 Businessmen in schwarzen Anzügen und dicken Jacken aus. Frauen Fehlanzeige. „Passt zu meinem Recherchethema Frauenbilder in Kasachstan“, denke ich. „In Astana, der Hauptstadt, werden Geschäfte gemacht. Bestimmt meist von Männern. Oder nur ein Vorurteil?“ Um das Herauszufinden begebe ich mich mehrere Wochen auf die Recherchereise quer durch Kasachstan.

Nach den zwei (absolut wichtig!!!) Stempeln auf der Migrationskarte und dem eingesammelten Koffer am Gepäckband geht es raus in Richtung Taxistand. Ich werde abgeholt, aber wie soll ich in dem Nebel irgendeinen Wagen erkennen? Zum Glück fährt das Auto direkt vor. Mein Taxifahrer ist ein freundlicher älterer Mann: „Zum ersten Mal in Kasachstan?“, fragt er. Ich bejahe. Da meine Russisch-Kenntnisse noch aus Schulzeiten stammen, bricht das Gespräch nach den üblichen Floskeln ab. Langsam kämpft sich das Taxi durch den dicken Nebel und über die eisigen Straßen. „Na das kann dauern“, denke ich und versuche irgendetwas zu erkennen. Man kann die hell beleuchteten Gebäude an der Hauptstraße nur erahnen. Die Fahrt durch den Triumphbogen in das Zentrum der Stadt muss ich mir phantasievoll ausmalen. 

Plötzlich zeigt der Fahrer aufgeregt nach draußen. Leider kann ich nicht verstehen, was er sagt. Er redet weiter beharrlich auf Russisch auf mich ein und zeigt nach draußen. „Wie Tomaten, wie Tomaten.“ Habe ich das richtig aufgeschnappt? Er formt beide Hände zur Faust und hält sie vor die Augen. Dann endlich verstehe ich, was er sagen will. „Wie Tomaten auf den Augen!“ Er kann auch nichts sehen und erzählt, dass das nicht normal sei. Ich bin schon ein wenig froh als wir vor der Hoteltür halten.

10 Uhr, nächster Tag. Vorsichtig schiebe ich den Vorhang des Hotelfensters zur Seite. Trotz Tageslicht immer noch „wie Tomaten.“ Der Spruch wird mir in den nächsten Wochen wohl noch öfters einfallen, wenn mal wieder Smog über der Stadt liegt. Und trotzdem mache ich mich auf, die Gegend zu Fuß zu erkunden und ganz vielleicht hebt sich der Tomaten-Schleier dann irgendwann. 

Blick aus dem Hotelfenster am Morgen! Smog überall.

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