Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Während ich umher reise wird mir klar, dass Traditionen in Kasachstan eine große Bedeutung haben und Orientierung geben. Zwei kleine Anekdoten sind mir besonders in Erinnerung geblieben. 

Eine junge Frau erzählt mir, dass eine ganz wichtige Währung in Kasachstan „Bata“ seien. Das sind eine Art gute Wünsche, die laut ausgesprochen werden müssen. Man gibt der Person eine Art Segen mit. Solche „Bata“ mit auf den Weg geben, können aber nur erfahrene, ältere Männer. 

Sie hat ein schönes Beispiel: „Neulich war das Auto meines Vaters kaputt und dann kam ein junger Mann, um es zu reparieren. Es hat ziemlich lange gedauert und am Ende des Tages wollte mein Vater bezahlen. Aber der junge Mann wollte kein Geld. Stattdessen sollte mein Vater „Bata“ für ihn sprechen.“ Diese „Bata“ kann man nämlich im Laufe seines Lebens sammeln. Für gutes Kharma. Ich finde eine schöne Idee.

Ein weiterer Brauch begegnet mir auf dem Schreibtisch einer Businessfrau. Überall liegen ordentlich sortierte Akten und dazwischen eine hellblaue Box mit vielen bunten Süßigkeiten drin. Obendrauf eine weiße Schleife und auf der Seite steht die Aufschrift „Baby“. Nun sieht, mit Verlaub,  die Besitzerin des Schreibtisches nicht gerade aus wie eine junge stolze Mutter. Nein, sie ist die Großtante und erklärt mir: „Mit so einer Box feiern wir die ersten 40 Tage eines Babys. Jeder in der Familie bekommt so eine. Aber nur, wenn das Baby seinen ersten Haarschnitt, sein erstes Mal Fingernägel schneiden und sein erstes ‚großes Geschäft‘ erledigt hat. Früher galten die ersten 40 Tage als wichtig, damit das Baby überlebt und deshalb freut man sich so über die erste Babykacke. Das heißt, dass das Kind gesund ist. Heute machen sie aus den Souvenirs für diesen Tag natürlich ein Geschäft.“ 

Dies sind nur zwei Beispiele. In vielen Begegnungen mit den Menschen hier erzählen sie mir von solchen Bräuchen und Traditionen. Die Kasachen sind sehr stolz auf diese Werte und geben gerne Auskunft. „Ich denke, dass ist gut in unserer Gesellschaft und die Menschen brauchen das“, ist sich die Businessfrau sicher. „Ohne Traditionen wären wir nichts.“ 

Und dann begegnet mir noch folgende Zeichnung: Die IKEA-Jurte. Sie hängt im Hausflur meiner Wohnung in Almaty. Die Kasachen können nämlich auch ganz gut über ihre Traditionen schmunzeln. 

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