Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ich brauche Obst und Gemüse und schaue mich auf einem lokalen Markt um. Schon am Eingang kommt mir ein nicht definierbarer Geruch von altem Fleisch, Benzin und Müll entgegen. Kein Wunder, rechts vom Tor zum Markt befindet sich eine Müllhalde. Der Duft von frischem Obst oder Gemüse? Fehlanzeige.

Ich schlendere gemächlich von einem Stand zum anderen und schaue mich um. Gestresst ist hier niemand. Innerlich bin ich nicht so entspannt. Es ist erschreckend: Viele Einheimische haben fast alles in Plastik abgepackt – selbst die Kartoffeln! Andere haben keine in Plastik verpackte Waren, dafür aber Plastiktüten.

Kein Bewusstsein im Umgang mit Plastik

Ich spreche einen Händler an, der mit seiner Familie am Stand seinen Lebensunterhalt verdient und frage ihn, warum er alles in Plastik abgepackt habe. Er lacht und antwortet, er nutze bereits weniger Plastik. Ich habe wie immer meinen Jutebeutel dabei und kaufe hier nichts, was abgepackt ist. Ich erkläre ihm das, doch ob das sein Bewusstsein schärft? Ich bin mir nicht sicher. Er lacht nur.

Eine Verkäuferin am Nachbarstand hat wenig abgepackte Waren. Als ich etwas kaufe, bietet sie mir aber auch eine Plastiktüte an. Ich verweigere und sage, dass Plastiktüten verboten seien. Ihre Antwort: Sie habe noch so viele übrig.
Auf dem Weg zurück sind zahlreiche tote Hühner und undefinierbare Rinderstücke aufgereiht – von Kühlung keine Sicht. Stattdessen Fliegen über Fliegen. Ich muss hier weg.

„Stop Kantong Plastik“

Als ich meinen Roller suche, steht vor einem Marktstand ein großes Schild: „Stop Kantong Plastik“. Das bedeutet: „Verwenden Sie keine Plastiktüten mehr“. Wie absurd, denn hinter dem Schild liegt in Plastik abgepacktes Gemüse. Geht es tatsächlich nur darum, Plastiktüten zu verbieten, aber für alles andere weiter Plastik zu verwenden?

Ich habe genug gesehen. Sprachlos verlasse ich den Markt. Meine Suche geht weiter – ich möchte Menschen treffen, die mehr Bewusstsein haben. Die Dinge hinterfragen und etwas bewirken. Heute bin ich leider nicht fündig geworden.

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