Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Mülltrennung auf Bali? Fast unmöglich. Die übliche Müllbeseitigung läuft so: Man schmeißt den Abfall auf die Straße, hinter den Tempel oder in einen Container. Eventuell holt ihn irgendwann ein Lastwagen ab. Wenn nicht, verfault er oder die Locals verbrennen ihn irgendwann.

Etwas anders machen heißt: sein Gesicht zu verlieren

Umweltbewusstsein haben hier die wenigsten locals. Leider. Edi zum Beispiel lebt in einem Bergdorf. Plastik, Essensreste, egal was, er und seine 15-köpfige Familie schmeißen den Müll hinter ihren Tempel. Seit 20 Jahren. Ihre Tiere essen alle Müllreste, die Organisch sind, der Rest bleibt liegen und versickert in der Erde. Es stinkt bestialisch. Edi arbeitet unter anderem für einen organischen Farmer, der sich auf Mülltrennung und die Herstellung von organischem Dünger spezialisiert hat. Es scheint mir so, als habe er das Problem erkannt.

Ich frage ihn, warum er nichts ändere. Er kenne es nicht anders und habe Angst, dass seine Cousins ihn verurteilen, wenn er plötzlich anfange, Müll zu trennen. Familie sei das Wichtigste.
Ich versuche ihn dazu zu bringen, seinen Müll zumindest zu dem organischen Farmer zu bringen, wenn er sowieso regelmäßig dorthin fahre. Edi lacht und gibt mir sein Wort. Ich bin mir nicht sicher, ob er es macht, aber ich bleibe dran for sure!

„Wir brauchen massive Veränderungen“

Der Potato Head Beach Club hat das Problem lange erkannt. In Kooperation mit der Umweltorganisation Eco Mantra hat das Team um Sustainability Director Scott Price ein Konzept entwickelt, das sich nachhaltig und umweltbewusst mit „Waste Managment“ und „Recycling“ auseinandersetzt.

Am Eingang des riesigen Eventclubs sind 5000 Flip-Flops zu einem Kunstwerk verarbeitet, die an Balis Küste angespült worden sind. Daneben ein Bambushaus mit 1000 Plastikflaschen, die am Strand aufgelesen wurden. Sie sollen uns Menschen aufrütteln, unser Konsumverhalten und die Nutzung von Einwegplastik zu hinterfragen.

„Es ist nie zu spät“

Der Beachclub ist aus Bambus gebaut. Im Restaurant werden ausschließlich Speisen serviert, die von lokalen Bauern stammen. Ich nehme heute an einem Recycling Workshop von Scott teil, der eine Aufklärungskampagne startet. Für Touristen, aber auch für locals. Nicht Plastik an sich sei das Problem, sondern der Einmalgebrauch von Plastik, referiert er. Jeder könne dazu beitragen, das Problem einzudämmen. Die Trennung von Organischen und Nicht-Organischen Müll sei eine erste, simple Lösung. Viel wichtiger sei es allerdings, das Thema in die Schulen zu bringen und mit den lokalen communities zusammenzuarbeiten. Deren Bewusstsein schärfen. „Es ist nie zu spät. Aber die kleinen Schritte reichen nicht mehr aus. Wir brauchen massive Veränderungen.“

Scott zeigt einen Stein, der aus 30 Plastiktüten hergestellt wurde. Es gebe noch viel mehr Möglichkeiten, Müll wiederzuverwerten, „aber wir müssen anfangen. Jetzt“, betont er.

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