Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Während meiner Recherche bin ich auf ein besonderes und einzigartiges Projekt von der Schweizerin Ruth Schürmann gestoßen, die seit fünf Jahren auf Bali lebt. Seit 2012 errichtet sie in Zusammenarbeit mit dem Indonesier Made Kusuma Jaya im Dorf Gunung Kangin im Norden Balis eine Anlage, die großes Potential für Bali haben könnte. Es geht unter anderem um die Herstellung hochwertigen Kompostes durch aerobische Kompostierung kombiniert mit der Black- Soldier-Fly-Methode.

Aerobische Kompostierung

Made und seine Mitarbeiter sammeln täglich zirka 500 Kilo Müll in der Umgebung bei Hotels, Resorts und Restaurants ein. Der erste Schritt ist die Trennung in organischen und nicht-organischen Müll. Drei bis sechs Indonesier separieren täglich den Müll mit dem Ziel, möglichst viel davon abzubauen, damit möglichst wenig übrigbleibt. Es funktioniert: Zirka 90 Prozent des Mülls kann weiterverwertet werden. Die restlichen zehn Prozent landen auf der Müllhalde im Süden Balis, werden dort verkauft und wiederverwertet.

Das Spannende ist, was mit dem Biomüll passiert. Wie ist es möglich, den organischen Müll weiterzuverwerten? Auf dem Hof gibt es zwei Anlagen. Die erste funktioniert mit dem aerobischen Prinzip, das heißt, dem organischen Müll wird über Tage Sauerstoff zugeführt. Der Vorteil: es kann kein giftiges Methan entstehen. Bakterien oder Ungeziefer haben keine Chance, zu überleben. Um sicherzustellen, dass die Qualität des Kompostes gut ist, werden in regelmäßigen Abständen sogenannte NPK-Werte gemessen worden. Diese geben Auskunft über die Nährstoffverteilung.

600.000 bis 800.000 Larven zersetzen eine Tonne Biomüll

Die zweite Art, den Biomüll weiterzuverarbeiten, gelingt mit Hilfe der „Black Soldier Fly“ (BSF), bekannt als schwarze Soldatenfliege. Mit Hilfe der Fliegen können organisches Futtermittel und organischer Kompost produziert werden. Der Prozess ist einfach: Hunderte Fliegen werden in Netzen gehalten, wo sie sich fortpflanzen. Die winzigen Eier – pro Brut sind das etwa 900 – werden entnommen. Es schlüpfen Larven, die dem organischen Abfall beigemischt werden. Diese fressen so lange (zirka 14 Tage), bis sie gesättigt sind. In der Regel können 600.000 bis 800.000 Larven eine Tonne Biomüll zersetzen.

Da Black Soldier Flies nach Paarung innerhalb weniger Tage sterben, werden 30 Prozent der Larven nach Entpuppung für die Fliegennachzucht verwendet. Die verbliebenen 70 Prozent werden als hochwertiges Tierfutter verwendet. Made verfüttert es überwiegend an die Enten auf dem Hof, dessen Kot anschließend als Bio-Dünger für die eigenen Plantagen eingesetzt wird.
Der durch die Larven entstandene Kompost, ist hochwertig, da er reich an Proteinen und Nährstoffen ist. Der gesamte Prozess – vom Schlüpfen der Larve bis zur Verwendung des Futters/Kompost – geschieht in einem Zeitraum von etwa 30 bis 40 Tagen. Zum Vergleich: In Deutschland dauert der Reifeprozess von Kompost in den Sommermonaten vier bis sechs Monate, im Winter etwa sechs bis zwölf Monate.

Indonesische Regierung subventioniert chemischen Dünger

Das Besondere an der Anlage ist die Kombination beider Methoden, denn die Mischung der Komposte macht diesen noch nährstoffhaltiger und hochwertiger.
Der Hof ist durch Eigenfinanzierung von Ruth mit rund 20.000 Schweizer Franken entstanden. Sie arbeitet momentan an einem Konzept, ihre Anlage öffentlich zugänglich zu machen und Menschen für ihr Projekt zu gewinnen. Das Problem ist, dass der Großteil lokaler Farmer keine Notwendigkeit sieht, Bio-Dünger für ihr Land zu nutzen. Seit den 1970er Jahren subventioniert die Regierung chemischen Dünger für Bauern. Warum also umsatteln?

Ruth ist bewusst, dass kein Bauer die Summe aufbringen kann, ein solches System einzurichten. Allerdings ist die Kombination der beiden Methoden in Indonesien bisher einzigartig. Der Einsatz einer solchen Anlage kann einen enormen Fortschritt für die Zukunft Balis bedeuten: ein angemessenes Abfallsystem gekoppelt mit einer Methode, organischen Dünger sowie Futtermittel innerhalb kurzer Zeit zu erzeugen. Ruth erhofft sich, Unterstützung von Regierung, Unternehmern oder Organisationen zu erhalten.
Langfristig könnte diese Anlage eine Lösung für das Plastik- bzw. Müllproblem der Insel bedeuten.

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