Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Oktober ist, so scheint es mir, wettertechnisch nicht gerade der Lieblingsmonat vieler Simbabwer: Kein anderer Monat ist so heiß, und am Ende der Trockenzeit ist das Land regelrecht ausgemergelt. Der Wind nimmt die Sandkörner vom trockenen Boden mit, und auf Überlandfahrten sieht man immer wieder Flächen, die kürzlich in Flammen gestanden haben müssen. Genauso sieht man am Horizont auch immer wieder die Rauchsäulen ferner Buschfeuer. Und dann ist da noch das Grundwasser, das im Oktober seinen niedrigsten Stand erreicht, und, so höre ich es immer wieder, von Jahr zu Jahr tiefer absackt.

Man kann sich vorstellen, wie sehnlichst in jedem Jahr die Vorboten der Regenzeit erwartet werden. In der Sprache der Shona gibt es sogar ein eigenes Wort für den ersten Schauer, der anzeigt, dass die Trockenzeit bald zu Ende ist: „Bumharutsva“ – der Regen, der die Feuer kühlt. Gestern war es so weit, und Bumharutsva benetzte die Hauptstadt Harare, vielleicht 20-30 Minuten lang.

Da war der Regen schon wieder vorbei: Harare am späten Nachmittag

Auf den niedrigen Grundwasserspiegel hat der erste Regen keine allzu großen Auswirkungen. Noch ist die  Wasserkrise längst nicht gebannt: Seit Wochen fließt kein Tropfen mehr durch viele kommunale Wasserleitungen, was mit fehlenden Chemikalien zur Aufbereitung begründet wird. Besonders in den „high density suburbs“, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, steht der Ausbruch von Krankheiten wie Cholera zu befürchten.

In den bürgerlichen und den reichen Wohnvierteln stellt sich die Frage schon deshalb nicht, weil viele Menschen weitgehend autark sind: Genau so, wie viele mit Solarzellen, Batterien und Generatoren die Engpässe beim Strom überbrücken, verlassen sich viele Menschen, die es sich leisten können, schon lange nicht mehr auf die öffentliche Wasserversorgung. Viele haben auf ihrem Grundstück ein privates Bohrloch anlegen lassen (oder wenigstens einen Tank befüllen lassen), um sich ganzjährig den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu sichern. Ich habe schon mehrfach die smalltalk-artige Unterhaltungen über die Tiefe von Bohrlöchern gehört – wobei mehr als 50 Meter ein ähnlich anerkennendes Raunen hervorrufen, wie es in anderen Kreisen ein neues Auto, Smartphone oder Induktionskochfeld auslöst.

Recht nebensächlich erscheint aber, ob man mit diesen Konsumgütern ein bisschen besser fahren, smartphonieren oder kochen kann. Beim Bohrloch kann es zum Ende der Trockenzeit wirklich auf jeden Meter ankommen, ob man weiter Trinkwasser hat.

Menschen, die keine private Wasserquelle anzapfen können, müssen an öffentlichen Entnahmestellen anstehen – oft stundenlang, zum Beispiel wenn jemand einen größeren Tank per Auto angekarrt hat und mit einer Handpumpe füllen muss. So ist Wasser eines der vielen Gebrauchsgüter, die gerade nur den Reichen und mit gewissen Einschränkungen den Geduldigen vorbehalten sind.

Ab November, so hoffen viele, sollte die Regenzeit die Engpässe beim Wasser, und etwas zeitverzögert auch beim durch Wasserkraft gewonnenen Strom, verringern. In den südlichen Sommermonaten Dezember, Januar und Februar fällt in großen Teilen des Landes weit mehr als die Hälfte der jährlichen Niederschläge. Der erste wirklich ergiebige, kräftige Regenguss nach Bumharutsva hat übrigens auch einen eigenen Shona-Namen: „Gukurahundi“, der Regen, der die Spreu wegspült. Nachdem die Buschfeuer gelöscht sind, hat auch dieser Regen einen sehr konkreten Nutzen für die Landwirte, die mit der beginnenden Regenzeit in die neue Saison starten. In der Geschichte Simbabwes steht Gukurahundi allerdings auch für Gräueltaten, die Robert Mugabes sogenannte Fünfte Brigade Anfang der Achtzigerjahre verübte: Historiker schätzen die Zahl der Ermordeten auf mindestens 10.000 Menschen, zum überwiegenden Teil Ndebele.

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