Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Landeanflug, fast da. Blick aus dem Fenster. Man könnte meinen, unten sei alles mit Kakaopulver überzogen. Heißt: viel Braun, wenig Grün. Inzwischen weißt ich: Botswana sieht nur von oben aus, wie man sich Afrika vorstellt.

Schon bei der Einreise überrascht die preußisch-sorgfältige Prüfung des Visums und Reisepasses. Weiter geht es mit Taxifahrern, die einen standardisierten Preis verlangen – und ahnungslose Journalisten nicht maßlos übervorteilen. (Glaube ich jedenfalls.) Auf der Fahrt in die Stadt fallen einem Sportwagen, US-amerikanische Fastfood-Ketten und perfekt ausgebaute Straßen auf. Die zersiedelte Hauptstadt, Gaborone, erinnert eher an ein seltsames Los Angeles als an eine afrikanische Metropole. Und wer kein Auto hat, hat vor allem eines: ein Problem. Das Leben findet hier in der Wohnung, dem Büro oder einer der vielen Shoppingmalls statt. Alles klimatisiert, versteht sich. Besucht man den Straßenbasar an der Main Mall, hat man den Eindruck, dass »Cottbus seine Afrikanischen Tage abhält«, wie es in einem Reisebericht von GEO heißt.

Ich bin hier, um etwas über die Erfolgsgeschichte des Landes zu lernen. Einige Wissenschaftler sprechen gar von einem Wunder. Die Fakten dazu sind beeindruckend:

  • Im Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist belegt Botswana den 28. Platz – vor Frankreich, Belgien und Italien. Berücksichtigt werden Wahlprozesse, die Funktionsweise der Regierung, politische Teilhabe, die politische Kultur sowie Bürgerrechte.
  • Im Corruption Perception Index 2018 von Transparency International belegt Botswana den 34. Platz – vor Polen, Spanien und Italien.
  • 1966 noch gab es in Botswana nur sechs weiterführende Schulen, die von drei Prozent der Kinder besucht wurden. Landesweit verfügten 30 Personen über einen Hochschulabschluss. 2009 besuchten 84 Prozent der Kinder eine Schule, was heute ebenso gratis ist wie ein Hochschulstudium. Schüler und Studenten werden zwei Mal täglich gratis in Kantinen mit Essen versorgt. Studenten erhalten zudem eine Unterkunft sowie finanzielle Zuwendungen. Die Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen stieg zwischen 1950 und 2013 von 30 auf 87 Prozent. Die Ausgaben für Bildung und Forschung belaufen sich aktuell auf 29 Prozent der Staatsausgaben – der mit Abstand größte Anteil und deutlich mehr als in den meisten anderen Staaten.
  • Das Gesundheitssystem ist für die Bevölkerung ebenfalls gratis. Für 84 Prozent der Bevölkerung befindet sich der nächste Gesundheitsposten in einem Radius von fünf Kilometern. Eine große Leistung, denn das Land ist relativ groß und nur spärlich besiedelt. Bis zum Alter von fünf Jahren übernimmt der Staat die Kosten für monatliche Gesundheitschecks von Kindern.
  • Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt lag 1966 bei etwa 90 US-Dollar. Damit gehörte Botswana weltweit zu den ärmsten Ländern. Heute beträgt das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt 8.250 US-Dollar und Botswana zählt zu den sogenannten Middle-Income-Countries.
  • 1966 gab es im Land 25 Kilometer asphaltierte Straßen. 2005 waren es 8.410 Kilometer. Zudem gibt es ein vergleichsweise gut ausgebautes Schienennetz.
  • Die letzte kriegerische Auseinandersetzung in Botswana fand 1852 statt. Seither: Frieden.

Die große Frage: Wie kann man diesen Erfolg erklären? Warum steht Botswana so viel besser da als seine Nachbarländer? Klare Antworten habe ich bisher noch nicht – aber einige Vermutungen.

So weit erst einmal. Updates folgen.

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