Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ich wusste, dass die Dinge in Israel und Palästina ein bisschen anders laufen. Ich war ja schon ein paar Mal hier. Also anders in vielerlei Hinsicht. Ein Bereich ist das Kontakte knüpfen. Wenn man Kontakte knüpfen will oder Kontakt zu jemandem aufnehmen will, ist das oft das einfachste von der Welt. Datenschutz? Come on. Im Zuge meiner Recherche las ich im Tagesspiegel einen mehrere Jahre alten Artikel über Buma. Buma, ehemaliger israelischer Soldat, 73 Jahre alt, wurde in dem Artikel wie so etwas wie eine Ein-Mann-NGO dargestellt: Er bezeichnet sich selbst als „Man of Peace“, hilft den Menschen, die Hilfe brauchen – ganz egal ob Palästinensern oder Israelis. Seit Jahren kümmert Buma sich um Kinder aus dem Gazastreifen und hilft ihnen, eine Erlaubnis für eine Behandlung in israelischen Krankenhäusern zu bekommen.

Ich dachte: spannend, den sollte ich mal anschreiben. Da ich keinen Kontakt von ihm im Netz fand, kontaktierte ich die Facebook-Seite eines Film, in dem Buma mitgewirkt hatte und bat um Kontaktaufnahme. Zwei Minuten später hatte ich seine Email-Adresse und Handynummer. Ich schrieb Buma auf WhatsApp. Fünf Minuten später rief er mich an.

Unterwegs mit Buma

Am Dienstag bin ich in Tel Aviv gelandet, Mittwoch saß ich in Bumas Auto und fuhr den ganzen Tag mit ihm durch die Gegend. Ich bekam einen typischen Tag in seinem Leben mit: Erst versuchte er, ein Medikament für einen palästinensischen Freund zu bekommen (leider vergeblich). Diesen trafen wir dann Nahe Nablus, wo Buma ihm den Inhalt seines Autos überreichte: Kinderklamotten, Rucksäcke, ein alter Rollstuhl – Dinge, die sein Freund in der Westbank an Bedürftige verteilt. Dann holten wir Visa für palästinensische Jugendliche ab – sie sollten am Wochenende nach Tel Aviv kommen, um dort mit israelischen Jugendlichen Fußball zu spielen. (Eine von vielen Dingen, die Buma in seiner freien Zeit organisiert).

Ich saß in Bumas Auto und beobachtete, stellte viele Fragen. Sein Englisch ist etwas holprig, aber so gut, dass wir uns gut unterhalten können. Jeder zweite Satz begann mit: „Listen, you need to unterstand…“ – Aber nicht in belehrendem Tonfall, sondern einfach nach dem Motto: Es ist kompliziert, einfache Antworten gibt’s hier nicht.

Aus seinem Auto holt Buma einen Rollstuhl und übergibt ihn an einen palästinensischen Freund, der ihn dorthin weiterleitet, wo er gebraucht wird.

Das fängt bei den unterschiedlichen Zonen an (A, B, C), die von Israelis oder Palästinensern kontrolliert werden, geht über die Checkpoints, die man ständig passieren muss, und die manchmal offen und manchmal zu sind und hört dort längst nicht auf. Israel, Palästina – das ist ein kompliziertes Land, ein kompliziertes Gebiet und je nachdem, wen man fragt, bekommt man natürlich ganz unterschiedliche Antworten.

Während unserer Fahrt durch die West Bank wird Buma ständig angerufen, weil noch jemand Schuhe hat, die er nach Gaza bringen lassen könnte. Weil er ein Treffen für mich organisieren will (Er kennt fast jeden – auf palästinensischer und israelischer Seite – und fast jeder kennt ihn) oder weil er Übergabeorte für Spenden koordiniert. Zwischendurch wirft er ein, dass er an dieser Stelle mal 2000 Bäume gepflanzt hat – zusammen mit ein paar anderen Leuten. Ich persönlich habe bisher einen Baum in meinem Leben gepflanzt.

„Ich bin nicht politisch, deshalb können sie mich nicht aufhalten“

Buma ist kein Teil einer Organisation, er arbeitet unabhängig, allein, aber mit viel Unterstützung. „Ich bin kein Politiker, ich bin nicht politisch, ich bin ein humanitärer Helfer, deshalb können sie mich nicht aufhalten“, sagt er im Auto. Am Ende des Tages bringt er mich zu einem Freund, ein Palästinenser, verheiratet mit einer Israelin. Ich sprach mit ihm – darüber, was er über den „Deal des Jahrhunderts“ von Trump denkt, wie er auf die Siedler um ihn herum blickt und welche Rolle seiner Meinung nach Religion in diesem ganzen Konflikt spielt. Am Ende unserer Tour bin ich voller Eindrücke, neuer Fragen und viel Dankbarkeit. Die Offenheit und Hilfsbereitschaft hier – die ist einfach schön. Toda, shukran, Danke.

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