Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

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Die Kalahandi-Region umfasst 52 Dörfer, hier leben etwa 130.000 Menschen in 7000 Haushalten. 60 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze, die laut UN-Vorgaben bei etwa 22.000 Rupien liegt, also weniger als 1 Dollar pro Tag.

Unser erster Stopp heute ist ein Rama-Krishnan-Ashram mit angeschlossener Schule, Waisen- und Altenhaus. Der Garten ist wunderschön mit kleinen Teichen zum Fischen, bunten Blumen, Bananenbäumen und vielen Feldern. Nach dem Gebet treffen wir die Schüler. 130 Jungs leben hier, ein Viertel davon ist verwaist, die anderen sind von ihren Eltern hierhin geschickt worden, da diese sich nicht um sie kümmern können. Der Ashram finanziert die Schule, selbst wird er durch Spenden getragen.

Die große Halle hat Platz für 1000 Menschen und hier wird auch unterrichtet. Besonders einfallsreich: an den Decken sind Tonkrüge aufgehängt, die das Echo aus der riesigen Halle nehmen. Die Jungs sind neugierig über die Besucher und trauen sich schüchtern näher. Dann gongt es zum Mittagessen. Während alle minutenlang singend beten, wird das Essen ausgeschöpft (Reis, natürlich) und ich trage mich in das Besucherbuch ein. Alle sind so süß zu mir! Ein Junge schenkt mir zum Abschied eine Rose und performt einen Ritus, wobei er erst meine Hände berührt, dann vor mir auf den Boden fällt und dann meine Füße berührt.

Im nächsten Dorf, G. Karlakhunta, werden wir schon erwartet. Zur Zeit wird geerntet, deshalb sind die Bewohner nur zur Mittagszeit anzutreffen. Ein Mitarbeiter von Bijainee ist vorgefahren und hat die Frauen vorgewarnt.

Sie haben mir einen Willkommensgruß auf den Boden gemalt, weiter bekomme ich Blümchen überreicht, die obligatorische Blumenkette umgehängt und werde mit Reis beworfen. Ich fühle mich schon wieder wie ein Star. Zu meinen Ehren wurden Stühle ausgegraben, zu einem führt mich eine nette ältere Dame, die sich als Ratsdirektorin von Bijainee und Mitglied des Claim-Komitees entpuppt. Alle anderen setzen sich auf den Boden.

Jetzt machen sie mir vor, wie die Leute motiviert werden, eine Versicherung abzuschließen (eine Art Fragen-und-Antwort-Spiel). Leider habe ich davon nicht allzu viel, da ich kein Oriya spreche.

Dann lerne ich eine der Frauen näher kennen und interviewe sie zu ihren Erfahrungen mit der Versicherung Niramaya.

Die Ratschefin von Bijainee zeigt mir noch ihr Haus, dann verabschieden wir uns. Und ich bekomme schon wieder Essen!

Jampada ist wirklich am Arsch der Welt. Ohne Jeep würden wir da nicht hinkommen. Nach eine langen Fahrt über die schlecht betonierten Straßen, biegen wir ab und es geht auf Feldwegen weiter. Diese sind vom Monsun so ausgewaschen, dass wir ordentlich durchgeschüttelt werden und nur im Schritttempo vorwärts kommen. Landschaftlich ist das hier aber ein Traum! Sehr grün, rote Erde, im Hintergrund Hügel. Ab und zu begegnet uns eine Herde Rinder oder Inder auf Fahrrädern.

In Jampada leben etwa 900 Menschen, ein paar davon, vor allem Frauen und Kinder, erwarten uns im Schatten eines Baumes.  9 Frauen haben hier im Dorf eine Versicherung abgeschlossen, insgesamt sind 34 Menschen versichert. Das Kuriose hier: kein einziger Claim wurde eingereicht. Meine Begleiter von Bijainee versuchen herauszufinden, woran das liegt. Da stellt sich heraus, dass eine Frau, Diaja Parabhoi,  vor einigen Wochen eine Weile im Krankenhaus was. Da ihr die Ärzte aber nach ihrer Genesung die Auskunft zu ihrer Bettnummer verweigert haben, fehlen ihr die benötigten Dokumente zum Einreichen des Claims.

Dillip Ku Sephi, der Field Investigator der MIA, erklärt mir, dass das oft vorkommt: die Krankenhäuser und Ärzte verweigern die Zusammenarbeit. Man habe sich noch nicht mit denen zusammengesetzt, erklärt er.

Trotzdem scheinen die Menschen im Dorf begeistert von der Idee – zumindest die Anwesenden. Viele versichern mir, dass sie im kommenden Jahr beitreten werden.

Tulapada ist fast schon eine Stadt, es hat mehr als 6000 Einwohner und knapp 1000 Haushalte. Hiervon sind 12 versichert, also über 50 Versicherte Einwohner. Bezeichnend ist hier aber, dass nach nur 5 Tagen bereits der erste Claim aus Tulapata kam. Rani Bati hatte für sich und die anderen 4 Mitglieder ihres Haushaltes die Krankenversicherung bei Niramaya abgeschlossen. Dann bekam ihre Schiegertochter Malaria und musste ins 60 Kilometer entfernte Krankenhaus. Weil sie sich das nicht leisten konnte, ist sie nach nur 5 Tagen in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Krankenhaus abgehauen. Denn vorstrecken müssen die Versicherten ihre Krankengeld immer noch.

Bei Niraya eingereicht hat sie schließlich nur die Rechnungen für die Medikamente – der Krankenhausbeleg fehlte. Trotzdem erstattete Niramaya ihr nach 8 Tagen insgesamt 801 Rupien (14 Euro).

Malaria ist die häufigste Art der Erkrankung in Kalahandi. Die Projektmitarbeiter vor Ort versuchen deswegen auch, über die Gefahren und Ursachen aufzuklären.

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