Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Stipendiaten 2010

Stipendiaten der Generation 2010

Der schrille Pfiff lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Mit Trillerpfeife im Mund und einer herrischen Handbewegung weist der uniformierte Aufpasser die wartenden Fahrgäste an der Haltestelle Rajiv Chowk im Stadtzentrum zurecht. Den Blick gesenkt, stellen sich die Männer umgehend in mehreren Reihen entlang der Markierungen auf dem Bahnsteig an. Ordentlich Schlange stehen hat im indischen Nahverkehr nicht unbedingt Tradition. Üblicherweise muss man schubsen und drängeln, wenn man mit dem Zug oder Bus fahren will. Doch in der U-Bahn von Delhi ist das anders. Auf jedem Bahnsteig sorgen Sicherheitskräfte in schwarzer Uniform für Ordnung. Besonders zu den Hauptverkehrszeiten ist dies auch nötig. Obwohl die U-Bahn im Zwei-Minuten-Takt fährt, drängen sich die Fahrgäste auf den Bahnsteigen.

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Informal Area

Claudia bremst ab und fährt langsam weiter. Eine Staubwolke steigt auf. Die Asphaltstraße bricht jäh ab. Die Leiterin eines Waisenhauses in Katutura will mir die „informal area“ zeigen, das Armenhaus der Hauptstadt. Wellblechhütte reiht sich an Wellblechhütte –… Weiterlesen

Die grüne Pest hat einen klangvollen Namen: Wasserhyazinthen. Tatsächlich lässt die Landschaft an eine Idylle denken: Sanfte Dünen begrenzen das Ufer des Yamuna, des heiligen Flusses in Delhi. Der ist mehr als dreimal so breit wie der Rhein und fließt mitten durch die Stadt. Doch vom Wasser ist kaum noch etwas zu sehen – es ist überwachsen mit Wasserhyazinthen – kleinen, fleischigen, harmlos aussehenden grünen Wasserpflanzen.

Wasser-Hyazinthen - Zeichen für überdüngte Gewässer

Der heilige Fluss ist klinisch tot

Doch dieses Gewächs mit dem schönen Namen ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass mit der Wasserqualität etwas nicht stimmt. Denn Wasserhyazinthen lieben überdüngten Nährboden – mit Fäkalien überdüngten Nährboden. Weiterlesen

Gemüse. Ich brauche Gemüse. Ich kann kein Fleisch mehr sehen.Chile ist kein Land für Gourmets. Und schon gar kein Land für Leute, die sich gesund ernähren wollen. Ich hatte ja schon vor meiner Reise davon gehört, dass die chilenische Küche nicht für ihre Kreativität berühmt ist. Und das hat sich bis auf einige Ausnahmen auch bestätigt.

Es fängt schon beim Frühstück an: mit Nescafe!!!! Ich sitze in Südamerika und trinke löslichen Kaffee. Ich konnte es kaum glauben. Dazu gibt es überall das Gleiche: Brötchen, Gouda und Kochschinken. Ende.

Man sollte ja meinen, am Meer kann man mit Fisch nicht viel falsch machen. Zum Teil ist das auch so, aber das Angebot ist doch recht begrenzt und dass schlimmste ist, sie panieren den Fisch zu Tode! Oder legen ein Ei oben drauf. Also doch zurück zum Fleisch. So ein Steak ist hier immer groß und blutig. Doch wehe man versucht mal eine andere Variante, dann gibt es eine Käse-Sahne-Matsche dazu. Oder mit Ei obendrauf.  Gemüsebeilage? Fehlanzeige. Vegetarier gibt es hier wohl keine. Auch das Angebot an pflanzlicher Nahrung im Supermarkt ist eher bescheiden. Tomaten, Paprika, Möhren – das war’s.

Naja, zumindest schmecken die Getränke. Der Wein ist großartig, der Pisco Sour sowieso und auch das Bier schmeckt. Die Deutschen Wurzeln…..Aber man kann sich auch nicht jeden Abend das Essen schön saufen..

Bis vor kurzem habe ich ja zumindest die Meeresfrüchte genossen, von denen es unglaublich viele Varianten gibt. Das ist nun aber auch vorbei. Schuld ist Matthias Gorny. Er ist Meeresbiologe und arbeitet als wissenschaftlicher Leiter bei „Oceana“ – einer amerikanischen NGO, die sich dem Schutz der Meere verschrieben hat.

Deutsche Kirche in Puerto Varas

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Die großzügige Empfangshalle des Flughafens Hosea Kutako ist voll – voll von Deutschen. Und ich mitten drin. Schon im Flugzeug dachte ich im ersten Moment: Fliegt die Maschine etwa nach Teneriffa? Aber der entscheidende Beweis, dass die Reise dann doch… Weiterlesen

Deutsche Spuren

Ich bin jetzt seit über einer Woche in Puerto Montt und mir reicht es. Der Regen kam und brachte Trübsal. In dieser Stadt kann man depressiv werden. Nun gut, für mich geht es bald weiter nach Patagonien und… Weiterlesen

Acht Jahre sind vergangen, nun hat es mich mit der Heinz-Kühn-Stiftung wieder in Indiens Hauptstadt verschlagen. In diesen unglaublich faszinierenden, lauten, grellen, dreckigen, stinkenden 14-Millionen-Moloch. Damals, im Februar 2003, war ich auch auf Recherchereise unterwegs. Das war kurz nach meinem Studium und kurz vor meinem Volontariat beim Deutschlandfunk – ich war 25 und hatte ein halbes Jahr freie Zeit, in der ich nur ein wenig Geld verdienen musste. Es war das große Abenteuer vor dem endgültigen Einstieg ins Berufsleben. Inzwischen sind acht Jahre vergangen, ich bin ich 33 und frage mich, warum ich solange gebraucht habe, mal wieder nach Indien zu reisen. Vermutlich war vor allem meine eigene Bequemlichkeit daran Schuld…

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Müde und ausgehungert starre ich auf die Karte des Restaurants in Santiago. Lachs gegrillt, Lachs frittiert, Lachs gedünstet, Lachs in Whiskey-Soße, Lachs mit Lachs. Nach 20 Stunden Flug inklusive Aufenthalt in Sao Paulo will ich nur noch essen und schlafen. Na gut, das ein oder andere Glas chilenischen Rotweines darf natürlich auch dabei sein. Oder doch lieber ein Pisco Sour? Ich entscheide mich für beides. Nur was soll ich essen? Ich frage den Kellner, wo denn der Lachs herkommt? “Natürlich aus Chile”, antwortet er stolz. “Der beste Lachs der Welt!” Leider weiß ich schon zu viel und nehme das Steak. Und das war eine gute Wahl. Ich bekomme ein Stück Fleisch, so groß wie der Teller, blutig und dick. Die beiden blonden Skandinavierinnen am Nachbartisch mit ihren gedünsteten Lachshäppchen schauen angewidert zu mir rüber. Ich lächle zurück. Wenn ihr wüsstet…

Der chilenische Lachs begegnete mir also schon am ersten Tag meiner Reise. Trotzdem verlasse ich Santiago de Chile am nächsten Tag wieder. Eigentlich wollte ich hier der NGO “Terram” einen Besuch abstatten, die sich mit der Lachszucht in Chile beschäftigt und scharfe Kritik in Richtung Lachsindustrie sendet. Doch kurz bevor meine Reise beginnt, teilt man mir mit, ich solle doch besser erst im März vorbeikommen. Im Februar sei das Büro in Santiago geschlossen. Urlaubszeit. Den ganzen Monat. Ok, das hätten sie mir auch früher sagen können aber ich komme ja nochmal zurück in die Hauptstadt. Überhaupt entpuppt sich meine Reisezeit als nicht ganz so clever ausgewählt. Der Februar ist die Haupturlaubszeit der Chilenen und ich musste meine Reiseplanung mehrfach umwerfen, um alle Leute treffen zu können, mit denen ich reden wollte. Die Chilenen sind ganz entspannte Menschen, als ich mich vor einigen Monaten ankündigte, hieß es immer “kein Problem, komm einfach vorbei”.

Nun bin ich also schon am dritten Tag meiner Reise, nach 15 Stunden Busfahrt, in Puerto Montt gelandet. Dem Zentrum der Lachsindustrie in Chile und wohl auch das größte Ballungsgebiet dieser Industrie weltweit. 60 000 Menschen verdienen in dieser Region ihr Geld direkt mit dem Lachs, wahrscheinlich deutlich mehr indirekt. Von Zulieferbetrieben bis zu den Prostituierten im Hafenviertel.

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Grazil und anmutig tanzen vier Laotinnen in traditionellem Sin im Park. Sie haben ihre Haare alle zum gleichen Dutt hochgesteckt und bewegen sich absolut synchron. Sie tanzen tatsächlich so, wie man das aus asiatischen Werbevideos kennt: Tippelschritte, Arme und Finger schweben vor dem Gesicht hin und her, Dauerlächeln. Dazu scheppert Musik aus einem tragbaren Ghettoblaster. Ein junger Mann in Jeans und Karohemd steht dahinter und schmachtet den Liedtext in eine kleine Video-Kamera.

In einer der wenigen Grünanlagen Vientianes läuft ein wichtiger Dreh für ein Karaoke-Video. Wenn der karierte Held fertig ist, wechselt die Besetzung. Eine bildschöne Laotin betritt die Kulisse, ebenfalls von vier quasi geklonten Tänzerinnen flankiert. Das traditionelle Kostüm ist viel zu groß für die schmale Gestalt. Eine Maskenbildnerin muss das Oberteil hinten mit Stecknadeln deutlich enger stecken. Da kann die junge Künstlerin noch richtig hineinwachsen – ebenso wie in ihre Karriere.

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