Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Stipendiaten 2010

Stipendiaten der Generation 2010

 

Ein XO mit "Hasenohren"

In Ruanda gibt es ein Entwicklungshilfeprojekt, das zunächst etwas absurd anmutet. Es heißt „One Laptop Per Child (OLPC)“. Die amerikanische OLPC-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst vielen Kindern in Entwicklungsländern einen eigenen Computer zur Verfügung zu stellen. Den Kindern sollen sich so Bildungschancen eröffnen, die sie ohne Computer nie bekämen. Langfristig soll so die digitale Kluft zwischen der Ersten und der Dritten Welt verkleinert werden.

Die Stiftung wurde anfangs belächelt, denn sie wollte für ihr Vorhaben einen eigenen billigen Computer bauen. Sie haben es gegen alle Widerstände tatsächlich geschafft. Der Kinder-PC heißt XO, ist aber besser bekannt unter dem Namen „100-Dollar-Laptop“. Allerdings kostet er 200 Dollar pro Stück, aber dazu später mehr.

Ein zugeklappter XO

Bis Januar 2011 hat OLPC weltweit zwei Millionen Laptops verteilt. Ein riesiger Erfolg, mit dem anfangs niemand gerechnet hat. Die Stiftung ist weltweit, aber hauptsächlich in den Schwellenländern Südamerikas aktiv. Nun besuchte vor nunmehr fast sechs Jahren der ruandische Präsident Paul Kagame während eines USA-Aufenthaltes eine Präsentation des Stiftungsgründers, auf der dieser die Computer und seine Vision vorstellte. Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, hat der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt. Kagame ging aber nicht zum Arzt sondern zurück nach Ruanda und verordnete seinem Land eine Bildungsoffensive. Er hatte die einmalige Chance und das riesige Potential von OLPC für sein Land erkannt. Seitdem ist Ruanda das mit Abstand größte OLPC-Projekt in Afrika. Weiterlesen

Phoun und Maicy stehen unter einem Blumenbogen, ein Plakat mit ihren Namen flattert im Wind. Sie lächeln schüchtern. Manchmal schaut Maicy Phoun von der Seite an, aber der guckt unfokussiert starr geradeaus, oder alternativ auf seine Schuhspitzen. Der schönste Tag im Leben sieht anders aus, sollte man meinen. Aber heute ist Phoun und Maicys Hochzeitstag.

Phoun ist 26 Jahre alt, seine Braut 25. Die Familien sind erleichtert. Für eine Eheschließung in Laos sind die beiden schon ziemlich alt. Am glücklichsten von allen strahlt der Brautvater in rotem Hemd und schwarzer Stoffhose. Er muss zwar das ganze Fest bezahlen und es kostet ihn ein Vermögen. Dafür hat er seine Tochter endlich an den Mann gebracht. Immerhin haben sich Phoun und Maicy selbst für einander entschieden.

Das war vor allem in den ländlichen Regionen von Laos nicht immer so.

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Mein Rekord-Minibus: 19 Personen

Nach nunmehr einigen Wochen habe mich an Afrika gewöhnt. Die Armut in Ruanda ist für mich inzwischen Alltag. Das Mitleid und Erschrecken ist der Erkenntnis gewichen, dass diese Menschen ihr Leben so gewöhnt sind. Sie sind arm aber glücklich. Sie leiden nicht unter ihrer Armut, weil sie etwa einmal reich waren.

Trotzdem kann man natürlich einiges tun, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Daran arbeiten hier auch viele Leute jeden Tag sehr hart. Fährt man durch die Straßen von Kigali, dann sieht man das „Who is who“ der internationalen Entwicklungsorganisationen: World Vision, US Aid, UNICEF, UNHCR, World Food Program, World Relief, GIZ, OLPC und viele anderen haben hier ihre Büros. Sie alle haben Hilfsprojekte in praktischen allen Regionen des Landes.

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Outh David Phabmixay sitzt auf der Terrasse seiner Eco-Lodge etwa 80 Kilometer nördlich von Vientiane am Nam Lik Fluss. Er trägt Freizeitlook: weites Hawaii-Hemd statt Anzug, schließlich ist Wochenende und er zum Entspannen hier. Endlich. Denn der Weg zur Lodge ist alles andere als entspannt: 2 Stunden mit dem Pickup über die Nationalstraße 13, die asiatische Panamericana. Dann querfeldein über einen holperigen Feldweg und schließlich noch mal 15 Minuten mit dem Roller auf einem schmalen Sandpfad. Die letzten Meter sind nur zu Fuß zurückzulegen – hinein in den Dschungel.

Dort hat Outh David Phabmixay sein Glück gefunden und seine innere Ruhe „schließlich bin ich Buddhist“ lacht er und blickt ins Grüne und auf den Fluss. Das ganze Gelände gehört ihm. 86 Hektar Dschungel, vor 4 Jahren gekauft, samt Feldwegen Flora, Fauna und einem eigenen See. Outh David Phabmixay bezeichnet sich selbst als Naturalisten. Die Übersetzung Umweltaktivist würde es wohl besser treffen. Und das macht in ihn Laos zu einer raren Spezies.

Lange schlummerte das Land hinter dem Bambus-Vorhang ohne größere Umwelteinflüsse.

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Das Einsteigerset für den Tempelbesuch umfasst 12 dünne lange Kerzen in gelb oder weiß, Räucherstäbchen, meist schon im Bündel und Blumen oder Blumengestecke – alles schön auf einem Tablett angerichtet. Alles ohne Festpreis sondern auf Spendenbasis an den Ständen am Eingang zum Vat zu bekommen. Fortgeschrittene bringen Bananen oder Kokosnüsse.

Aber so weit bin ich noch nicht, als ich mich in die Warteschlange einreihe, zwischen Frauen aus allen Gesellschaftsschichten: Dünne, dicke, junge, alte, überschminkte und runzelige, im traditionellen Sin auf hohen Hacken oder im ausgeleierten T-Shirt, in Schuluniformen. Und vor allem schwangere. Sie alle stehen vor dem Vat Simuang Schlange, um zu beten.

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24 Kilometer südöstlich von Vientiane am Mekong liegt die wohl schrägste Sehenswürdigkeit des Landes: Xieng Khouan – der Buddha Park. Der Ausflug dorthin ist eine Tagesreise mit Erlebnis-Charakter. Knapp eine Stunde dauert die holprige Fahrt in einem überfüllten Kleinbus vom Busbahnhof aus. Die Anschlagstafeln sind so verblichen, dass sie ohnehin keiner mehr lesen kann. Dafür fahren die Busse so lange es hell ist sehr zuverlässig im 20 Minuten-Takt.

Und trotz der engen Taktung sind die Gefährte immer voll. Regulär gibt es in solch einem Bus 20 Sitzplätze plus Fahrer. Machbar sind aber auch drei statt zwei Personen pro Sitzreihe. Vorausgesetzt man hat keine europäischen Hüften und lange Beine…. Außerdem locker 10 Stehplätze und Stauraum für alles Mögliche inklusive noch lebender Tiere. Berührungsängste sind ohnehin was für Farang, Ausländer, da darf man nicht zimperlich sein.

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30 Ausländer umrunden im Zeitlupentempo im Storchengang einen Tempel in Vientiane. Eigentlich braucht man sich nicht wundern, wenn die Laoten die Farang komisch beäugen, sie hin und wieder fotografieren, ihre Haare anfassen wollen und oft lachend den Kopf schütteln. Wahrscheinlich halten sie uns alle für Aliens – vom anderen Ende des Universums. Dabei ist das, was die Aliens da tun Völkerverständigung par excellence! Eine Vipassana-Meditation aus dem buddhistischen Kulturkreis und kein alter Opferritus.

Einmal in der Woche lädt das Kloster Sokpaluang zur Vipassana-Mediation. Eineinhalb Stunden mit anschließender Fragerunde. Vipassana ist eine der ältesten Meditationstechniken bedeutet so viel wie „die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind“. Ursprünglich kommt das ganze aus Indien und dient als universelles Heilmittel gegen universelle Krankheiten. Der Leiter des Klosters schwört darauf und für seine Mitmönche ist die tägliche Meditation deshalb Pflicht. Wenn die Zeit reif ist, schlägt ein Mönch den Gong. Oder in diesem Fall besser eine alte Flugabwehrrakete. Kreatives Ressourcen-Management.

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Golden glitzert der That Luang in der Sonne. Weithin sichtbar ragt eine der wichtigsten buddhistischen Pilgerstätten der Welt auf. Eine architektonische Mischung aus Obelisk, Stufenpyramide und buddhistischem Tempel. Der oberste buddhistische Führer des Landes wohnt im benachbarten Wat.

Einmal im Leben sollte man als Buddhist hier gewesen sein, bekomme ich erklärt. Und daran halten sich offenbar auch alle. Genau wie jeder Mann einmal im Leben als Mönch im Kloster gewesen sein soll, wenn seine Eltern sterben oder alternativ bevor er heiratet. 9 Tage sollten es mindestens sein. Meine Umfrage unter Laoten hat ergeben, dass nicht alle diese Zeitspanne schaffen. Dafür bleiben aber auch viele länger, wie Seang und sein Freund, die die Lehren Buddhas jetzt schon seit 4 Jahren studieren.

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Zu Besuch in einer laotischen Sauna mit Massage

Dicke Dampfschwaden steigen auf. Mitten in einem der ärmeren Viertel der Stadt, in der Nähe eines Klosters. Keine befestigten Wege, nur Sand und Staub, keine gemauerten oder betonierten Häuser, statt dessen die typischen Holzpfahlbauten, abenteuerlich zusammengezimmert. Drumherum Bäume, Bananen, exotische Pflanzen, streunende Hunde und Katzen und Müll.

Dort liegt Noys laotische Kräuter-Dampfsauna. Ohne Hilfe unauffindbar. Noy ist offenbar eine Institution in Vientiane. Eine Adresse, die als Geheimtipp weitergegeben wird. An sieben Tagen in der Woche empfängt sie die Kundschaft zum Schwitzen. Um sie herum wuseln ihre „Mitarbeiter“ – heizen ein, kochen unermüdlich neuen Tee und massieren die Gäste. Fast allesamt Cousins und Cousinen von Noy – Es ist ein Familienunternehmen. Aber ganz klar „I am the boss!“ lacht Noy über das ganze Gesicht.

Schon von weitem ruft sie einem aus dem ersten Stock des Pfahlbaus ein fröhliches Sabai Dee zu. „You come for sauna and massage?“ Weiterlesen

Wer Ruanda besucht, kommt am Völkermord nicht vorbei. Der Genozid von 1994 ist DAS Ereignis, das die Welt stets sofort in Verbindung mit dem Land bringt. Wo soll man anfangen, die Geschichte zu erzählen?

Eines der Massengräber der Gedenkstätte, in denen 250.000 Menschen liegen.

Am Besten auf dem dramatischen Höhepunkt der schrecklichen Ereignisse: Im Frühsommer 1994 tat sich in Ruanda das Tor zur Hölle auf. Die Menschen wurden zu Barbaren und haben sich gegenseitig – es gibt kein anderes Wort dafür – abgeschlachtet. In nur drei Monaten starben in einem Blutbad 800.000 bis 1.000.000 Millionen Menschen. Wie es zu so einem Exzess kommen konnte, ist für den Außenstehenden nur schwer nachzuvollziehen. Zu begreifen ist es eigentlich gar nicht.

Damit der Völkermord nicht in Vergessenheit gerät, gibt es in der Hauptstadt Kigali eine zentrale Gedenkstätte mit Museum. Die Geschichte, die dort erzählt wird, beginnt vor ein paar hundert Jahren, als ein Stamm aus dem Norden nach Ruanda einwandert. Die Tutsi sind Viehzüchter. Sie kommen in das Gebiet der Hutu, die Bauern sind. Die beiden Volksstämme vermischen sich, entwickeln eine gemeinsame Sprache und kommen jahrhundertelang gut miteinander aus. Anfangs sind die Tutsi – weil Viehzüchter – im Allgemeinen etwas wohlhabender und viele Hutu als Bauern arbeiten für sie. Es bildet sich eine klassische archaische Gesellschaftsform mit einer herrschenden und einer dienenden Schicht, wie es sie in der Geschichte hunderte Male gegeben hat.

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