Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Stipendiaten 2010

Stipendiaten der Generation 2010

Das Barbie-Bett mit Abendessen

Was genau die Mittelschicht ist, wird wohl eine Definitionsfrage bleiben. Über die man sich streiten muss. Fakt ist, dass sie Mittelschicht in Venezuela anders lebt als die deutsche. Und ich nun mit ihr lebe.

Sandra, ihr Mann Yorbis, und die kleine Mariel wohnen im Stadtteil La Limpia von Maracaibo. Limpia heißt sauber, was für die Wohnung zutrifft, auf den Stadtteil aber nicht.

Neonröhren beleuchten das Wohnzimmer, in dem man steht, sobald man die Wohnung betritt. Genutzt wird es nicht, denn die drei verbringen ihre Abende auf dem Bett vor den jeweiligen Fernsehern. Mariel muss am kleinen Tisch in der Küche zu Abend essen, Papa Yorbis ist Taxifahrer und bekommt das Abendessen von seiner Frau ans Bett gebracht.

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Die Sonne verstaubt hier auch, denn es ist heiß. So heiß, wie sonst nirgendwo im ganzen Land. Und trotzdem ist Maracaibo besser als man glaubt, denn es ist die Hauptstadt des reichsten Staates des Landes, Zulia.

Hier wurde 1914 zum ersten Mal Öl entdeckt und kurze Zeit später stürzte die ganze Welt auf Venezuela ein, um daran mitzuverdienen. Gefördert wird aus dem Lago Maracaibo, einem der größten Seen des Kontinents.

Der Maracaibo-See von oben

Dass ihm das nicht gut getan hat, kann man schon vom Flugzeug aus erkennen. Grüne Dreck- und Ölschlieren ziehen sich durchs Wasser. Umweltverschmutzung ist eines der Probleme, die meist einhergehen mit der massiven Ausbeutung von Bodenschätzen. Weil bisher das meisten Öl des Landes hier gefördert wurde, haben die Menschen in Zulia das Gefühl, sie würden das Geld verdienen, das in der Hauptstadt von der Regierung ausgegeben wird. Das mag auch tatsächlich so sein. Denn der informelle Sektor der Wirtschaft ist hier sehr klein im Vergleich zum Rest des Landes. In Caracas stehen an jeder Ecke Bananen- und Melonenverkäufer, sie weder irgendwo registriert sind, geschweige denn Steuern zahlen. Es gibt Frauen, die mit Telefonen auf dem Schoß nebeneinander an der Straße sitzen und einzelne Zigaretten verkaufen, wenn gerade niemand telefonieren will. In Zulia dagegen werden die großen Geschäfte gemacht. Man trifft sich im Yacht-Club am See, in klimaanlagengekühlten Räumen und spricht über das große Geld und wie man es vor dem Staat in Sicherheit bringen könnte. Man lebt hinter hohen Mauern mit Stacheldraht und erzählt sich, wer in den letzten Tagen wieder an welcher Ecke überfallen wurde. Weiterlesen

In Venezuela verursacht das ganze Öl eine ganze Menge Probleme. Hinzu kommen Auswirkungen des politischen Programms: der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Der hat zum einen viele Menschen aus der absoluten Armut in die relative Armut aufsteigen lassen und vielen Menschen zum ersten Mal einen Arztbesuch und eine höhere Schulbildung ermöglicht. Auf der anderen Seite stehen aber solche sozialistischen Platten, ist die Kriminalität sehr viel schlimmer geworden und das Währungssystem ein einziges Chaos.

Aber langsam komme ich ihr auf die Spur, der holländischen Krankheit. Sie heißt so, weil vor der holländischen Küste in den siebziger Jahren Erdgas gefunden und gefördert wurde, darunter aber alle anderen Industriezweige leiden mussten. Weil auf einmal durch den Verkauf des Erdgases ins Ausland sehr viele Devisen ins Land kamen, aber nicht mehr Güter produziert worden, entstand ein Ungleichgewicht. Holland  hat darauf schnell und gut reagiert, Venezuela hingegen hat mit diesem Problem schon lange zu tun. Eigentlich seit fast 100 Jahren, seit hier das Öl gefunden und gefördert wurde.

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Wer noch echte Gauchos sehen möchte, die nicht nur für Touristen auf einer Estancia (Rinderfarm) posieren, der sollte nach Tacuarembó fahren. Das 50.000-Einwohner-Städtchen liegt mitten in der uruguayanischen Pampas, die Grenze zu Brasilien (100 km) im Norden ist näher als… Weiterlesen

Venezuela hat unglaublich grosse Oelvorkommen. Das schwarze Gold hat dem Land aber nicht nur Reichtum, sondern auch viel Armut gebracht. So paradox es klingt, dies ist ein Aspekt der hollaendischen Krankheit, auf deren Spuren ich mich die naechsten Wochen durch das Land bewegen werde.

Doch zunaechst soll es hier um den sehr viel praktischeren Fall gehen: Das schwarze Geld. Praesident Hugo Chavez hat den Bolivar Fuerte eingefuehrt, der Staerke markieren sollte, aber allein 2009 eine Inflation von 30 Prozent hingelegt hat. Also versuchen sich viele Venezolaner auslaendische Waehrungen wie Euro und Dollar zu sichern, der Schwarzmarkt blueht.

Denn der offizielle Wechselkurs (man kann auch nur im Land tauschen) ist so schlecht, dass Caracas eine der teuersten Staedte der Welt waere, wuerden sich alle Auslaender an den offiziellen Kurs halten und ihr Geld von der Bank abheben. Ein Mittagessen kostet zwischen zehn und dreissig Euro, je nachdem welchen Kurs man zugrunde legt. Ein Cheeseburger (ja, McDonald`s gibt es noch) zwischen 50  Cent und drei Euro.

Noch ist nicht alles verstaatlicht

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Der Flughafen von Caracas ist naeher am Meer als an der Haupstadt selbst. Also habe ich die ersten Tage am Meer gewohnt und bin wieder unter die Pendler gegangen. Dauerte auch nicht laenger als von Bonn nach Frankfurt, dafuer fuhr aber ein Rumpelbus und kein ICE. Den man an der Strassenecke anhalten muss, wenn man mitfahren will. Buscards 100 gibt es auch nicht, dafuer kostet die einstuendige Reise etwas weniger als einen Euro.

Hinter diesem Berg liegt die Hauptstadt

Die Hauptstadt ist ein Moloch, ein einziger Auspuff mit Hupe. Kein Ort, wo man lange bleiben moechte, doch hier sitzen alle, die wichtig sind, und die ich jetzt nach und nach aufsuchen werde.

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