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	<title>Heinz Kühn Blog</title>
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	<description>Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.</description>
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		<title>Kein Grund, unglücklich zu sein</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 08:53:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dirk Gilson - Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[In den Blechhütten-Siedlungen am Rande Windhoeks leben die Ärmsten der Armen. Fünf Wellblechwände, gestützt durch ein Holzgerüst, ein kleiner Eingang, keine Fenster – und weder Strom noch fließendes Wasser. Fast alle hier kamen vom Land, um ihr Glück in der Hauptstadt zu finden – die meisten bleiben für immer. &#160; Ich bin unterwegs mit Stephanie, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Blechhütten-Siedlungen am Rande Windhoeks leben die Ärmsten der Armen. Fünf Wellblechwände, gestützt durch ein Holzgerüst, ein kleiner Eingang, keine Fenster – und weder Strom noch fließendes Wasser. Fast alle hier kamen vom Land, um ihr Glück in der Hauptstadt zu finden – die meisten bleiben für immer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2805" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2804/wellblechsiedlung" rel="attachment wp-att-2805"><img class="size-medium wp-image-2805" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/03/Wellblechsiedlung-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Die Wellblechsiedlung von Windhoek</p></div>
<p>Ich bin unterwegs mit Stephanie, einer Studentin aus den Niederlanden, die in Namibia zum Einfluss des Tourismus auf Townships recherchiert, und mit Reinhilde, einer Namibierin, die hier lebt. Sie nimmt uns mit, um uns zu zeigen, wie die Menschen hier leben. Eigentlich arbeitet sie für eine Hilfsorganisation, die vor allem HIV-positive Frauen und deren Kinder unterstützt. AIDS ist eines der größten Probleme in Namibia. Knapp 20 Prozent der Bevölkerung sind HIV-positiv, in den Townships ist der Anteil noch deutlich höher. Auch Reinhilde selbst ist HIV-positiv &#8211; genauso wie ihre drei Kinder.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sie kennt fast jeden in dieser Gegend, sie ist hier groß geworden und gehört zu den wenigen, die einen Job haben. Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt bei über 50 Prozent. Inoffizielle Schätzungen reichen bis über 80 Prozent. „Alleine sollte man hier als Weißer nicht herumlaufen“, sagt Reinhilde. Das liegt allerdings nicht daran, dass es hier besonders viele schlechte Menschen gäbe. „Viele hier haben nicht mal genug für eine tägliche Mahlzeit. Wenn der Hunger zu groß wird, sinken die Skrupel, kriminell zu werden.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unser erstes Ziel ist der Mahangu-Laden von Erasmus und seiner Familie. Mahangu ist eine Hirseart, die auf extrem trockenen und nährstoffarmen Böden wachsen kann. Man kann Brei, Brot und Bier daraus machen. Die Zubereitung ist allerdings zeit- und kraftraubend. Die Maiskolben ähnelnden Mahangu-Kolben müssen zu einem feinen Pulver zermahlen werden, bevor sie verarbeitet werden können. In Erasmus&#8217; Laden ist das Handarbeit. Gut vier Stunden dauert es, um etwa ein Kilogramm Mahangu-Mehl zu gewinnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2806" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2804/mahangu-stampfen" rel="attachment wp-att-2806"><img class="size-medium wp-image-2806" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/03/Mahangu-Stampfen-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Wie anstrengend Mahangu-Stampfen ist, teste ich selbst. Knapp zehn Kilogramm wiegen die Stößel.</p></div>
<p>Vor allem für die Kinder hier ist Mahangu das wichtigste Grundnahrungsmittel. Ein 200 Milliliter-Becher Mehl kostet 5 Namibia-Dollar (50 Cent) und reicht, um eine Woche lang Brei für ein Kleinkind zuzubereiten. Mein Blick fällt auf den Kühlschrank in Erasmus&#8217; Laden. „Ich dachte hier gibt es keinen Strom?“, frage ich ihn. „Nicht offiziell. Aber ohne Strom können wir den Laden nicht betreiben. Wir brauchen einen Kühlschrank.“ Wo der Strom genau herkommt, sagt Erasmus nicht. Das Problem: Der illegale Strom ist eben nicht kostenlos, sondern teurer als Strom über einen legalen Anschluss. Die Zwischenhändler lassen sich ihre Dienste gut bezahlen. „Es gibt Monate, da müssen wir 500 Namibia-Dollar (50 Euro) für den Strom zahlen“, sagt Erasmus. Ich frage zweimal nach, aber es bleibt bei dem Betrag. Als ich ihm sage, dass ich in Deutschland weniger bezahle, schüttelt er nur mit dem Kopf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir fahren weiter zur Hütte von Angala. Die 22-Jährige lebt seit 4 Jahren hier mit ihrem Mann und ihrem Kind. Ihre Hütte ist liebevoll eingerichtet, mit bunten Tüchern an den Blechwänden, einer Art Theke, die den Kochbereich vom Schlafbereich abtrennt und Fotos von ihrem Mann und dem 3-jährigen Sohn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2807" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2804/angalahaus" rel="attachment wp-att-2807"><img class="size-medium wp-image-2807" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/03/AngalaHaus-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Angalas Hütte in Windhoeks Township - jedes Haus hier hat einie Hausnummer.</p></div>
<p>„Kommen hier manchmal Touristen vorbei?“, will Stephanie wissen. „So gut wie nie.“ „Und fändest Du es gut, wenn das häufiger passieren würde?“ „Ja, ich glaube, es wäre gut, wenn mehr Touristen kämen, uns besuchen und mit uns sprechen würden.“ Angala glaubt, dass das positiven Einfluss auf die Infrastruktur haben könnte. „Durch ein erhöhtes Interesse der Touristen an den Townships würde automatisch auch das Interesse der Regierung steigen.“ Bislang hören die geteerten Straßen und die Stromleitungen dort auf, wo die Wellblech-Siedlungen anfangen. Die letzte staatliche Unterstützung ist schon eine Weile her: Eine neue Wasserstelle – jetzt muss Angala nur noch zehn Minuten laufen, um an Wasser zu kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2808" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2804/angala" rel="attachment wp-att-2808"><img class="size-medium wp-image-2808" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/03/Angala-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Manchmal reicht das Geld nicht für eine warme Mahlzeit am Tag. Ein Grund traurig zu sein ist das für Angala nicht.</p></div>
<p>„Bereust Du es, dass Du vom Land hierher gezogen bist?“, frage ich. „Überhaupt nicht. Dort hatte ich gar nichts, wir haben von dem gelebt, was wir selbst angebaut haben, das hat aber selten für alle gereicht. Hier habe ich meine eigenen vier Wände und kann arbeiten gehen.“ Arbeiten gehen heißt in ihrem Fall, ins Taxi zu steigen und etwa eine halbe Stunde bis in die Innenstadt zu fahren. Dort hilft sie dann beispielsweise in Restaurants aus. Ob sie Arbeit bekommt, erfährt sie immer erst, wenn sie da ist. „Wenn es nicht klappt, habe ich zwar das Geld fürs Taxi umsonst ausgegeben. Aber ich habe es wenigsten versucht.“ Ich bin erstaunt, wie positiv Angala eingestellt ist. Und das nicht etwa, weil sie weltfremd wäre. Angala ist sich bewusst, dass es schwer werden wird, jemals aus der Siedlung rauszukommen. Ihre Fröhlichkeit endet auch nicht, als sie uns erzählt, dass sie nicht genug Geld habe, um heute Essen zu kaufen. „Wenn ich euch besser kennen würde, würde ich euch um 2 Dollar (20 Cent) anhauen“, sagt sie mit einem Lächeln. Ein Grund unglücklich zu sein, ist das für Angala nicht&#8230;</p>
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		<title>Ort, an dem wir nicht leben möchten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 08:53:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dirk Gilson - Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Gegen 21.30 fällt der erste Schuss. Willem Cloete ist sofort tot und in den folgenden Stunden sterben neun weitere Menschen, 44 werden verletzt. Es ist die Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1959. Eine Gruppe schwarzer Namibier hat sich in Windhoek versammelt, um gegen die Pläne der Stadtverwaltung zu protestieren, aus Windhoek eine „weiße“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gegen 21.30 fällt der erste Schuss. Willem Cloete ist sofort tot und in den folgenden Stunden sterben neun weitere Menschen, 44 werden verletzt. Es ist die Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1959. Eine Gruppe schwarzer Namibier hat sich in Windhoek versammelt, um gegen die Pläne der Stadtverwaltung zu protestieren, aus Windhoek eine „weiße“ Stadt zu machen.</p>
<div id="attachment_2800" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2799/friedhof" rel="attachment wp-att-2800"><img class="size-medium wp-image-2800  " src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/03/Friedhof-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Friedhof erinnert an das Massaker vom 10. Dezember 1959</p></div>
<p>Der Widerstand ist zwecklos. Genauso skrupellos, wie der Protest beendet wurde, wird in der Folge auch die Zwangsumsiedlung durchgesetzt. Bislang lebt der Großteil der schwarzen Bevölkerung nahe des Stadtzentrums im Gebiet „Alte Werft“ (heute Hochland Park) und kann am Stadtleben teilnehmen. Das ändert sich jetzt. Zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, durch Ödland getrennt, entsteht Windhoeks Township Katutura – der Name stammt aus der Sprache der Herero (Otjiherero) und bedeutet übersetzt etwa „Ort, an dem wir nicht leben möchten“. Die Verwaltungspläne sehen auch eine Trennung der in Namibia heimischen Stämme Ovambo, Herero und Damara vor. Jedem Stamm wird ein Bezirk in der neuen Siedlung zugeteilt – jahrelange Nachbarschaften werden getrennt, Familien teilweise auseinander gerissen. „Die Apartheids-Regierung wollte damit Spannungen unter den Gruppen schüren“, erklärt Willy, während wir auf der Hans-Dietrich Genscher Street durch Katutura fahren. Er ist hier groß geworden und lebt heute noch hier. Mehrmals die Woche führt Willy Touristen durch seine Heimat. „Solange die Stämme untereinander streiten, lehnen sie sich nicht gemeinsam gegen die Regierung auf, war der Gedanke“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Plan geht nicht auf. Es dauert zwar bis 1990, aber letztendlich erkämpfen sich die Stämme gemeinsam die Unabhängigkeit von der Mandatsmacht Südafrika und beenden die Apartheid. Seither ist der 10. Dezember gesetzlicher Feiertag in Namibia und ein Grab im Hochland Park erinnert an das Massaker. Katutura ist so schnell gewachsen, dass es inzwischen nahtlos ins Stadtzentrum übergeht. Das ehemalige Armenhaus der Stadt hat sich zu einem der lebendigsten Stadtteile Windhoeks entwickelt – es gibt Schulen, ein Krankenhaus und seit 2005 ein Fußballstadion. Viele Bewohner haben sich einen bescheidenen Wohlstand erarbeiten und sind Teil der Mittelschicht geworden. Sie sind stolz auf ihren Stadtteil. Willy erklärt, dass seit einiger Zeit auch Pläne existieren, ihn umzubennen: Aus Katutura soll Matutura werden &#8211; &#8220;Ort, an dem wir leben möchten.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich freue mich noch über diese Erfolgsgeschichte, als ich bemerke, dass sich die Umgebung um uns plötzlich ändert. Wir erreichen den nordwestlichen Rand Katuturas. Eben noch säumten kleine Steinhäuser die Straße, jetzt sind es eher Steinruinen, in denen die Menschen leben. Und kurz darauf beginnt das, was ich bislang nur aus Nachrichten kannte: Wellblechhütten – so weit das Auge reicht. „Wie viele Menschen hier leben, weiß niemand. Die Schätzungen reichen von Zehn- bis Hunderttausend. Die meisten sind aus ländlichen Teilen des Landes gekommen, in der Hoffnung, ihr Glück in der Stadt zu finden. Die allerwenigsten schaffen es“, erklärt Willy. Die offizielle Touristen-Tour endet hier&#8230;</p>
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		<title>Alles beginnt mit einer Explosion</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 08:52:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dirk Gilson - Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Alkoholtest zeigt Null Komma Null Promille an. „Okay, Sie dürfen durch.“ Die Schranke öffnet sich. Wer die Rössing-Uranmine in Namibia besichtigen will, muss nüchtern sein, egal, ob er selbst fährt oder, wie ich, nur auf dem Beifahrersitz mitfährt. Der Test ist der Abschluss einer knapp halbstündigen Sicherheitseinweisung, die mit einem Film beginnt, der bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Alkoholtest zeigt Null Komma Null Promille an. „Okay, Sie dürfen durch.“ Die Schranke öffnet sich. Wer die Rössing-Uranmine in Namibia besichtigen will, muss nüchtern sein, egal, ob er selbst fährt oder, wie ich, nur auf dem Beifahrersitz mitfährt. Der Test ist der Abschluss einer knapp halbstündigen Sicherheitseinweisung, die mit einem Film beginnt, der bei mir Erinnerungen an „Der 7. Sinn“ weckt. Inhalt sind Verkehrsregeln auf dem Minengelände und wie ich mich verhalten muss, wenn beispielsweise Ammonikgas aus einem der Tanks strömt. Dass meine Gedanken während des Films hin und wieder abschweifen, soll mich gleich einholen. Am Ende des Films bekomme ich einen Fragebogen in die Hand gedrückt. „Damit wollen wir kontrollieren, ob Sie alles verstanden haben.“ Mein Ergebnis im Multiple-Choice-Test teilt mir niemand mit, aber offenbar reicht es, um die Mine besichtigen zu dürfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Rössing-Mine ist die älteste Uranmine in Namibia und war lange Zeit die einzige. Seit 1976 wird hier Uranerz im Tagebau gefördert. Betreiber ist die Rössing Uranium Limited, eine Tochterfirma des multinationalen Bergbaukonzerns Rio Tinto. Die Mine liegt in der Namib-Wüste, etwa 65 Kilometer von der Küstenstadt Swakopmund entfernt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es ist heiß, trocken und staubig. Wir verlassen die geteerte Hauptstraße und fahren auf einer Schotterstraße Richtung Abbaubereich weiter. „Die Wege werden immer wieder befeuchtet, um den Staub zu binden“, erklärt Botha. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und führt mich übers Minengelände. Staub ist eines der größten Probleme des Uranbergbaus, vor allem in der Wüste. Wer zu viel davon einatmet riskiert nicht nur eine Staublunge. Über den Staub können auch radioaktive Partikel in die Lungen der Arbeiter gelangen. Das mit der Radioaktivität habe man aber gut im Griff, betont Botha. Regelmäßige Messungen zeigten, dass die Belastung für Arbeiter und Umwelt deutlich unterhalb internationaler Grenzwerte liegen. Das liege zum einen daran, dass hier nicht in unterirdischen Stollen abgebaut würde, sondern im gut belüfteten Tagebau. „Außerdem ist die Urankonzentration in unserem Gestein sehr niedrig.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Urankonzentration in Namibias Lagerstätten liegt zwischen 0,01 und 0,06 Prozent, also zwischen 100 und 600 Gramm pro Tonne Erz. Die weltweit höchste Konzentration haben kanadische Lagerstätten, mit bis zu 20 Prozent. Tatsächlich könnte der wirtschaftliche Nachteil ein Vorteil für die Gesundheit der Arbeiter und für die Umwelt sein. Dass die Gefahr akuter Verstrahlung gering ist, bezweifeln auch Umweltorganisationen nicht. Strittig ist allerdings noch die Frage, welchen Einfluss die niedrig dosierte Strahlung langfristig auf Minenarbeiter und Umwelt hat. Dazu kann Botha nichts sagen, er verweist auf die Strahlenexpertin des Unternehmens.</p>
<p><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2821/rossing_pit" rel="attachment wp-att-2822"><img class="alignleft size-medium wp-image-2822" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/04/Rossing_Pit-300x224.jpg" alt="Open Pit" width="300" height="224" /></a></p>
<p>Kurz darauf erreichen wir die Abbaugrube. Grube klingt allerdings etwas harmlos. Der ovale Abbaubereich ist gut drei Kilometer lang und einen Kilometer breit. Nach unten verjüngt er sich stufenweise bis in 400 Meter Tiefe. Die Mine ist der größte Urantagebau der Welt. 2010 hat Rössing 3628 Tonnen Uranoxid produziert &#8211; rund fünf Prozent der Weltproduktion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In der Grube herrscht reges Treiben, auf den einzelnen Terrassen sind Kipper unterwegs und hier und da steigen Staubwolken auf. Die Entfernung ist so groß, dass die Kipper und Kräne wie Spielzeug-Autos aussehen. Tatsächlich sind es die größten Kipper, die auf der Welt unterwegs sind. Die Reifen der Trucks haben einen Durchmesser von rund drei Metern, die Fahrer erreichen ihren Arbeitsplatz nur über eine Leiter. 180 Tonnen pro Ladung transportieren die Kolosse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier beginnt sie also, die nukleare Kette. Genau genommen beginnt sie mit einer Explosion. Die Minenarbeiter sprengen Gesteinsbrocken aus dem Fels, Kräne verladen die tonnenschweren Brocken auf die Kipper. Messschranken, unter denen die Kipper durchfahren, bestimmen die Urankonzentration. Ist die zu gering, geht es weiter auf die Gesteins-&#8221;Müllhalde&#8221; – für jede Tonne Erz fallen rund fünf Tonnen unbrauchbares Gestein an. Wer genug Uran auf dem Kipper hat, darf weiterfahren zu den Aufbereitungsanlagen. Hier machen Erzbrecher und Mahlwerke aus den Gesteinsbrocken groben Erzsand. Der wird schließlich mit Wasser zu einem Brei vermischt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In haushohen Tanks wird das Uran mit Schwefelsäure aus dem Brei heraus gewaschen. Anschließend kommt das Ganze in den Ofen und wird bei etwa 600 Grad Celsius gebacken. Heraus kommt ein gelbes Puder, genannt Yellow Cake, gelber Kuchen. Um eine Tonne dieses Kuchens herzustellen, müssen die Minenarbeiter knapp 15 Tausend Tonnen Gestein bewegen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zum Transport wird der Kuchen noch mal erhitzt, bis ein grau-schwarzes Pulver entsteht – hochkonzentriertes Uranoxid. Das wird in Fässer verpackt und zu Aufbereitungsanlagen nach Europa und in die USA transportiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2849" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2821/rossing_drum" rel="attachment wp-att-2849"><img class="size-medium wp-image-2849" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/04/Rossing_Drum-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bis zu 450 Kilogramm Yellow Cake fassen Rössings Transporttonnen.</p></div>
<p>Die chemischen Prozesse finden hinter verschlossenen Türen statt, davon bekomme ich nichts zu sehen – „aus Sicherheitsgründen“, erklärt Botha.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber er zeigt mir, was mit den Abfällen passiert, die bei der Verarbeitung entstehen. Die so genannten Tailings, eine rotbrauner Schlamm, werden in Absetzbecken gepumpt. An der Luft verdunstet das Wasser. Übrig bleibt grobkörniger Sand, den Bagger zu meterhohen Dämmen aufschütten. Die Dämme enthalten Reste aller Chemikalien, die bei der Verarbeitung eingesetzt werden. Und sie strahlen: Zum einen erreicht die Uran-Ausbeutung nie 100 Prozent. Zum anderen sind in den Tailings die radioaktiven Zerfallsprodukte des Uran enthalten, wie Thorium, Radium und das daraus entstehende Radon-Gas, das aus den Dämmen austritt.</p>
<p>Umweltschützer sehen in den Tailings eine der größten Gefahren des Uranbergbaus. Sickert der Chemiecocktail in den Boden, kann das das Grundwasser verseuchen. Die starken Winde in der Wüste können die Dämme abtragen und so die Abfälle in der Umgebung verbreiten.</p>
<p>Auch da gebe es keine Probleme, erklärt Botha. Tatsächlich sickere Tailing-Wasser in den Boden. „Aber das fangen wir mit Pumpensystemen, die unter den Dämmen verlaufen, wieder auf.“ Das klappt angeblich vollständig. Botha erklärt, dass Wasser und Umgebung regelmäßig auf Chemikalien und Strahlung geprüft würde und bislang sei alles sauber.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein Problem sieht allerdings auch Botha: „Wenn in ein paar Jahren die vierte Mine aufmacht, reicht das Frischwasser vermutlich nicht mehr, um Minen und die Bevölkerung zu versorgen.“ Die Mine hat 2010 rund drei Millionen Kubikmeter Frischwasser verbraucht, in etwa so viel wie die nahegelegene Küstenstadt Swakopmund mit ihren 35 Tausend Einwohnern. Der französische Atomkonzern Areva hat 2010 eine Meerwasserentsalzungsanlage in der Nähe in Betrieb genommen. Die Anlage soll vor allem die Wasserversorgung der Areva Uranmine in Trekkopje sicherstellen. Überschüssiges Wasser werde man an den staatliches Wasserversorger Namwater verkaufen, so dass es ins öffentliche Netz kommt und auch die anderen Minen entsalztes Wasser nutzen können, hieß es bei Inbetriebnahme der Anlage. Das scheitert aber bis heute, gut zwei Jahre später, an Preisverhandlungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zum Abschluss der Führung frage ich, ob es möglich ist, mit Arbeitern zu sprechen und ob ich sehen darf, wie Rössing die Strahlenbelastung des Personals und der Umgebung kontrolliert. Weder das eine noch das andere ist möglich -  „aus Sicherheitsgründen.</p>
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		<title>Uran-Rausch in Namibia</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 08:33:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dirk Gilson - Namibia]]></category>
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		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Damit hatte niemand gerechnet. Knapp 30 Jahre verlief der Uranbergbau in Namibia gemächlich. Die einzige Mine war die seit 1976 produzierende Rössing-Mine. Die Urankonzentration in Namibias Lagerstätten ist so gering, dass sich der großflächige Abbau nicht lohnte. &#160; Das änderte sich Anfang dieses Jahrtausends. Mehrere Studien kamen zu dem Schluss, dass, aufgrund des weltweit gestiegenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit hatte niemand gerechnet. Knapp 30 Jahre verlief der Uranbergbau in Namibia gemächlich. Die einzige Mine war die seit 1976 produzierende Rössing-Mine. Die Urankonzentration in Namibias Lagerstätten ist so gering, dass sich der großflächige Abbau nicht lohnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das änderte sich Anfang dieses Jahrtausends. Mehrere Studien kamen zu dem Schluss, dass, aufgrund des weltweit gestiegenen Interesses an Atomenergie, die Nachfrage nach Uran schon bald das Angebot übersteigen wird. In der Folge schoss der Uranpreis in die Höhe – lange Zeit dümpelte er um die zehn US Dollar pro Pfund, 2007 stieg er auf ein Allzeithoch von rund 140 US Dollar pro Pfund. Plötzlich wurde Namibias Uran interessant für die Bergbaukonzerne der Welt, die sich jetzt wie im Rausch auf das afrikanische Land stürzten.</p>
<div id="attachment_2817" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2816/gabi_schneider" rel="attachment wp-att-2817"><img class="size-medium wp-image-2817" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/04/Gabi_Schneider-300x224.jpg" alt="Gabi Schneider" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Gabi Schneider ist Direktorin des Geologischen Landesamtes von Namibia.</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Wir wurden regelrecht überrollt von Anträgen auf Bohrlizenzen“, erinnert sich Gabi Schneider, die Direktorin des Geologischen Landesamtes von Namibia. In der Folge nahm zum Einen die zweite Uranmine ihre Produktion auf. Zum Anderen vergab das Land 36 neue so genannte Explorationslizenzen, also die Lizenz zum Bohren und Suchen nach Uran. Allein 34 davon im westlichen Erongo-Gebiet, in der Wüste Namib.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Problem: Es gab keinerlei gesetzliche Regelungen, die sich konkret auf den Abbau des radioaktiven Rohstoffs bezogen – die Unternehmen konnten mehr oder weniger tun und lassen was sie wollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Der Regierung wurde bewusst, dass uns die Sache über den Kopf wachsen könnte und man beschloss, die Notbremse zu ziehen.“ Ein 2006 verhängtes Moratorium verhindert, dass weitere Lizenzen vergeben werden. Kritiker bemängeln, dass das viel zu spät gekommen sei. Tatsächlich ist in der Region mit den Hauptvorkommen jetzt schon kaum noch Platz für weitere Bohrvorhaben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Seither entwickelt Namibia Gesetze, Kontroll- und Beratungsmechanismen, die sicherstellen sollen, dass der wachsende Uranbergbau ein Segen und kein Fluch für das Land und seine Menschen wird. Das bisherige Ergebnis sind weniger gesetzliche Regelungen, sondern vor allem ist es ein Dickicht aus Arbeitsgruppen, Strategiepapieren, Richtlinien auf freiwilliger Basis und jede Menge Empfehlungen. Dieses Dickicht zu durchblicken und auf Substanz abzuklopfen, wird eine der größten Herausforderungen meiner Recherche in Namibia.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bevor ich mich von Frau Schneider verabschiede und das Geologische Landesamt verlasse, kommen wir noch auf Deutschland – Gabi Schneider hat deutsche Vorfahren – und die Entscheidung der Bundesregierung, aus der Atomenergie auszusteigen, zu sprechen. „Für mich ist die Politik, die Deutschland betreibt, ein Schildbürger-Streich. Deutschland schließt zwar die Kraftwerke, aber spart keine Elektrizität ein, sondern kauft den Strom in Frankreich. Und dort ist es auch Atomstrom“, meint sie. Dieses Thema will ich nicht weiter vertiefen, denn es geht ja hier um Namibia. Aber es bringt mich zur Frage, wie es denn mit Atomstrom für Namibia aussieht. „Können Sie sich das vorstellen?“</p>
<div id="attachment_2818" class="wp-caption alignleft" style="width: 234px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2816/mme" rel="attachment wp-att-2818"><img class="size-medium wp-image-2818" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/04/MME-224x300.jpg" alt="Ministry of Mines and Energy " width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Das Geologische Landesamt von Namibia ist Teil des Ministeriums für Bergbau und Energie.</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gabi Schneider erklärt, dass ihr Institut gerade ein Regelwerk erarbeitet, das die komplette atomare Kette abdeckt, inklusive Anreicherungsprozesse und Erzeugung von Atomstrom. Ein Atomkraftwerk in Namibia? „Warum nicht. Wir haben hier einen Elektrizitätsmangel. Es ist doch ein bisschen verrückt, dass Namibia der viertgrößte Uranproduzent der Welt ist, aber die Lichter ausgehen.“ Atomenergie könnte aus ihrer Sicht ein Fortschritt auf dem Weg sein, die so genannte „Vision 2030“ zu verwirklichen. Geht es nach dem Willen der Regierung, soll sich Namibia bis zum Jahr 2030 zu einer Industrienation entwickelt haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Geologin betont, dass es noch keine konkreten Pläne gebe. Aber man schaue, ob sich die Atomenergie für das Land rechnen könnte. Gabi Schneider wäre jedenfalls dafür.</p>
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		<title>Der Gott des kleinen Dorfes</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 14:52:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederic Spohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frederic Spohr - Indien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die vergangenen drei Tage habe ich in einem kleinen Dorf verbracht, etwa 250 Kilometer von Mumbai entfernt. Kein normales Dorf, sondern das Vorbild aller Dörfer in Indien. Ralegan Siddhi ist hier das &#8220;ideal village&#8221;. Manche finden sogar, ganz Indien sollte ein riesiges Ralegan werden. Das will auch der Schöpfer dieses kleinen, vermeintlichen Paradieses. Er ist das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2780/img_2647" rel="attachment wp-att-2787"><img class="alignnone size-medium wp-image-2787" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_2647-300x199.jpg" alt="Anna Hazare spricht zu seinen Anhängern" width="300" height="199" /></a></p>
<p>Die vergangenen drei Tage habe ich in einem kleinen Dorf verbracht, etwa 250 Kilometer von Mumbai entfernt. Kein normales Dorf, sondern das Vorbild aller Dörfer in Indien. Ralegan Siddhi ist hier das &#8220;ideal village&#8221;. Manche finden sogar, ganz Indien sollte ein riesiges Ralegan werden.</p>
<p>Das will auch der Schöpfer dieses kleinen, vermeintlichen Paradieses. Er ist das derzeitige moralische Oberhaupt Indiens: Anna Hazare. Im vergangenen Jahr hat Hazare der Korruption den Kampf angesagt und angefangen aus Protest zu fasten. Zwei Wochen hat er nichts gegessen. In der Zeit entwickelte er sich zum nationalen Held; die Inder erklärten ihn zum neuen Gandhi. Erst als Politiker sich bereit zeigten, auf seine Forderungen einzugehen, nahm er ein bisschen Kokosnussmilch zu sich. Außerdem brach er das Fasten, weil die Bewohner seines Heimatdorfes sich um Hazares Gesundheit sorgten.</p>
<p>Denn dieses Heimatdorf hat ihm viel zu verdanken.  Als Hazare nach seiner Armeezeit zurückkehrte, übernahm er inoffiziell die Führung und riss das Dorf aus der Lethargie. Etwa 35 Jahre später ist  Ralegan deutlich wohlhabender als vergleichbare Dörfer  in Indien. Es gibt es ein Biogas-Kraftwerk, Solarlaternen und eine bekannte Schule. Außerdem feste Straßen, 24 Stunden Strom und fließend Wasser. Für indische Verhältnisse ist das der absolute Luxus. Dank eines cleveren Wassermanagements, das Hazare initiiert hat, grünt das ganze Dorf in einer recht kargen Landschaft &#8211; einer der wichtigsten Faktoren für den Aufstieg des Dorfes.</p>
<p>Doch der Erfolg des Dorfes basiert auch auf extremer Disziplin, manche sagen auch einem Regime der Angst. Hazare hat fünf feste Prinzipien eingeführt, darunter ein striktes Alkoholverbot, eine rigide Familienplanung und eine Verpflichtung zum Arbeitsdienst. Wer nicht spurte, den verprügelte er öffentlich auf dem Dorfplatz. Oder ließ ihn verprügeln durch eine von ihm aufgestellte Wächtertruppe. Heute spuren alle. Deswegen ist das nicht mehr nötig.</p>
<p>Die Bewohner sind ihm deswegen merkwürdigerweise nicht böse. Sie lieben ihn. Angeblich sogar jene, die er damals demütigte.  Denn mit der Diszplin begann der Aufschwung des Dorfes.</p>
<p>Recht schnell nach meiner Ankunft in dem Dorf habe ich glücklicherweise Yogesh getroffen. Yogesh ist einer der vielleicht fünf Menschen in dem 2500-Einwohner-Dorf, der gutes Englisch spricht. Obwohl er gerade in Prüfungsvorbereitungen steckt, hat er sich die Zeit genommen, mich durchs Dorf zu führen und zwischen den Dorfbewohnern und mir zu übersetzen. Keiner stellte Hazare in Frage und was er sagt, das ist Gesetz. Selbst der eigentliche, gewählte Dorfvorsteher, hat mir das bestätigt. Hazare selbst würde nie zu einer Wahl antreten. Er schwebt über der eigentlichen politischen Verfassung des Dorfes.</p>
<p>Während meinen drei Tagen konnte ich auch etwa eine Stunde mit Hazare selbst sprechen. Yogesh hat übersetzt. Wir haben uns in einem kleinen Zimmer getroffen, das Hazare als Konferenzzimmer dient.</p>
<p>Ich habe ihn für sein Dorf gratuliert, aber auch gefragt, ob er nicht ein bisschen zu streng mit den Bewohnern war. Außerdem interessierte mich, ob ihm Vergötterung nicht langsam ein bisschen zu viel wird. Aber Hazare hat mit nichts von dem ein Problem. Er sagt, dass die Leute einen starken Führer brauchen.  Er habe eine Mission und die müsse er erfüllen. So spricht einer, der denkt, er sei ein Prophet.</p>
<p>Die kulturellen Unterschiede sind mir nie so klar geworden, wie in diesen drei Tagen. Ich kann es zwar verstehen: Hazare hat den Dorfbewohnern ein sicheres Einkommen gegeben und die Angst vor dem Hunger genommen.  Die Menschen haben einfach andere Probleme, als sich um ihre Freiheit zu sorgen. Die Hingabe zu einer Person verwirrt mich trotzdem. Und es sind ja auch nicht nur die Dorfbewohner. Aus ganz Indien reisen derzeit junge Menschen in das kleine Dorf, auch gut ausgebildete, um Hazare zumindest einmal kurz zu sehen.</p>
<p>Der Mann hat sicherlich viel geleistet, und sein Engagement gegen die Korruption ist heldenhaft. Aber sein Dorf als Modell für ein ganzes Land, so wie es hier viele sehen? Ich glaube, das funktioniert nicht. Und ich hoffe es auch nicht. Würde mein Menschenbild ziemlich durcheinander bringen.</p>
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		<title>Dunkel in Nepal</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 18:59:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederic Spohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiaten]]></category>

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		<description><![CDATA[In Nepal habe ich mich mit Klima- und Gletscherforschern getroffen. Denn wenn die Gletscher des Himalaya abtauen, ist das eine große Gefahr für die Wasserversorgung Indiens. Hier will ich aber kurz beschreiben, was ich auf den Straßen Nepals beobachten konnte:  Vor den Tankstellen reihen sich die Autos in endlosen Warteschlangen, ständig fällt der Strom aus. Das Land [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p lang="zxx">In Nepal habe ich mich mit Klima- und Gletscherforschern getroffen. Denn wenn die Gletscher des Himalaya abtauen, ist das eine große Gefahr für die Wasserversorgung Indiens. Hier will ich aber kurz beschreiben, was ich auf den Straßen Nepals beobachten konnte:  Vor den Tankstellen reihen sich die Autos in endlosen Warteschlangen, ständig fällt der Strom aus. Das Land ist mitten in einer Energiekrise.</p>
<p lang="zxx">Indien ist mit Abstand der wichtigste Zulieferer Nepals für Gas und Öl. Aber derzeit liefern die Inder nicht mehr. Das ist sogar verständlich, denn Nepal zahlt seine Rechnungen nicht. Dem Land fehlt dazu das Geld, sagen manche. Andere glauben, die Zahlungen kommen einfach nicht in Indien an. Stattdessen verschwindet es in den Taschen korrupter nepalesischer Beamter.</p>
<p lang="zxx">Der Taxifahrer erzählt mir, dass er mehrere Stunden warten musste, bis er endlich an die Zapfsäule durfte. Dort muss er für nepalesische Verhältnisse auch noch horrende Preise bezahlen. Ein Liter Spritt kostet in Nepal deutlich mehr als einen Euro.</p>
<p lang="zxx">Auch die Stromversorgung ist zusammengebrochen. Selbst in Kathmandu, in dem die Stromversorgung üblicherweise noch einigermaßen verlässlich ist, fällt fast jede halbe Stunde kurz der Strom aus. Manchmal auch länger. Die Konferenz, die ich besuche, wird ständig unterbrochen und nachts laufe ich manchmal durch vollkommen dunkle Straßen. Selbst wenn ich mitten im Zentrum bin. Die einzigen Lichtquellen sind dann kleine Feuerchen von Obdachlosen oder die Scheinwerfer von provisorischen Polizeistützpunkten. Die Ausfälle können nicht durch Generatoren kompensiert werden. Den Diesel dafür können die Menschen nicht bezahlen.</p>
<p lang="zxx">Besonders bitter sind die Engpässe, weil Nepal die perfekten Bedingungen für günstige Wasserkraft hätte und auf Importe leicht verzichten könnte. Schätzungen gehen davon aus, dass Nepal derzeit nur 1,5 Prozent des Potentials ausnutzt.</p>
<p lang="zxx">Was für mich nach einer absoluten Ausnahmesituation aussieht, sind die Nepalesen leider gewohnt: Die Krise im Land ist chronisch. In den vergangenen Jahren kam es in den Wintermonaten bereits zu ähnlich starken Ausfällen. Die Medien reagieren mit humorvollen Protest: Seine Nachrichten trug der Moderatoran einem Abend bei Kerzenlicht vor.</p>
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		<title>Licht in Notki</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 18:59:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederic Spohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiaten]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn die Bauern von Notki früher nachts auf die Felder mussten, war ihre Arbeit lebensgefährlich. Denn auf den Feldern rund um das Dorf wimmelt es von Schlangen, erzählen die Dorfbewohner. In der Dunkelheit traten die Menschen häufig auf die Tiere. Für viele kam das Gegengift zu spät – wenn überhaupt welches verfügbar war. Mittlerweile sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p lang="zxx">Wenn die Bauern von Notki früher nachts auf die Felder mussten, war ihre Arbeit lebensgefährlich. Denn auf den Feldern rund um das Dorf wimmelt es von Schlangen, erzählen die Dorfbewohner. In der Dunkelheit traten die Menschen häufig auf die Tiere. Für viele kam das Gegengift zu spät – wenn überhaupt welches verfügbar war.</p>
<p lang="zxx">Mittlerweile sind solche Unfälle seltener. Wenn die Bauern heute nachts ihre Senffelder bearbeiten müssen, nehmen sie kleine Lampen mit, die tagsüber per Solarzellen aufgeladen worden sind. Es ist eine von vielen Veränderungen, die das Leben in dem kleinen Dorf zumindest ein kleines bisschen verbessert haben.</p>
<p lang="zxx">Notki liegt nur etwa 100 Kilometer entfernt von Delhi. Doch die Fahrt aus der Hauptstadt dauert fast fünf Stunden. Zuerst verzögern riesige Staus die Anfahrt, dann Schlaglöcher und Kamele. Wer sich auf den Weg macht, begibt sich auch auf eine Zeitreise. Von Delhi aus geht es erst durch die Boomstadt Gurgaon, in der westliche IT-Unternehmen ihre Glastürme hochziehen: ein Ausblick auf die vielversprechende Zukunft Indiens. Doch nur wenige Kilometer hinter dem aufstrebenden Stadtteil reihen sich Baracken und Strohhütten an der Straße. Schließlich biegt man ab und humpelt noch mehrere Kilometer über einen Feldweg.</p>
<p lang="zxx">Notki gehört zu einem der ärmsten Distrikte im Bundestaat Haryana. Bei fast allen Kennzahlen schneidet die Region ganz schlecht ab: Arbeitslosigkeit, Kindersterblichkeit Analphabetismus. Es ist das Indien, wie man es auf dem Land findet. Von Dörfern wie Notki gibt es in Indien etwa 700.000.</p>
<p lang="zxx">Doch seit einigen Jahren hebt sich das Dorf zumindest ein bisschen ab. Das Institute of Rural Research and Developement und das Energy and Resources Institute (TERI) haben es zu einem Modelldorf erklärt und unterstützen die Dorfbewohner jetzt mit unterschiedlichen Projekten. Dabei wird auch die klassische Energieversorgung des Dorfes auf den Kopf gestellt. Solarlaternen erhellen die Dorfwege, die Menschen kochen mit hocheffizienten Kochern und über Nacht können sie mit Solarzellen aufgeladene Lampen in ihre Hütten oder auf das Feld nehmen.</p>
<p lang="zxx">Trotzdem hatten die Dorfbewohner zunächst lange gezögert, ob sie die Hilfe der Entwicklungshelfer wirklich annehmen sollen. &#8220;Wir hatten Angst vor den Veränderungen und wollten keine Fremden ins Dorf lassen&#8221;, sagt der Dorfvorsteher. Entsprechend lange hat der Dorfrat über die Frage getagt. Mittlerweile bereut keiner mehr, die Unterstützung angenommen zu haben. &#8220;Die anderen Dörfer sind neidisch auf uns&#8221;, sagt der Ortsvorsteher.</p>
<p lang="zxx">Eine der sichtbarsten Verändeungen in dem Dorf ist eine kleine Hütte, mit den modernen Solarzellen auf dem Dach. Tagsüber werden hier 50 handliche Solarlampen aufgeladen. Über Nacht können die Bewohner Notkis die Lampen dann ausleihen. Am Anfang war die Nachfrage noch gering. Mittlerweile ist sie deutlich größer als das Angebot und TERI versucht neue Lampen zu organisieren.</p>
<p lang="zxx">Die Investitionskosten wurden von den NGOs komplett übernommen. Trotzdem müssen die Dorfbewohner etwas für die Lampen bezahlen. Die drei Rupien (4 Cent) pro Nacht und Lampe gehen größtenteils an Janshed: Der junge Mann wurde vom Dorfrat ausgewählt, die Lampen zu warten und den Verleih zu organisieren. Etwa 3000 Rupien verdient er so monatlich, das sind umgerechnet etwa 50 Euro. Ein Zusatzverdienst, den er sehr gut gebrauchen kann. Janshed wurde ausgewählt, weil er etwas krank ist, damals arbeitslos war und relativ gut ausgebildet. Gute Ausbildung in Notki bedeutet, dass er lesen und schreiben kann.</p>
<p lang="zxx">Doch auch für die Dorfbewohner rechnet sich die Solarlampe: Früher nutzten viele von ihnen Kerosinlampen. Doch der Brennstoff war deutlich teurer als die Leihgebühr für die neuen Lichter.</p>
<p lang="zxx">In früheren Projekten wurden die Lampen ohne kostenlos ausgegeben. Außerdem wurde niemand für Instandhaltung verantwortlich gemacht und auch dafür bezahlt. Die Folge: Sobald die Lampen kaputt gingen, wurden sie einfach nicht mehr genutzt. Niemand hatte den Willen, aber auch das Wissen, sie wieder zu reparieren. Jetzt prüft Janshed jeden Tag, ob noch alles in Ordnung ist. Außerdem hat er in einem Workshop gelernt, typische Macken schnell zu reparieren.</p>
<p lang="zxx">Notki ist damit Teil eines riesigen Projekts: Insgesamt knapp 50000 Lampen hat TERI und seine Partner NGOs schon an Dorfgemeinden verteilt. Schätzungsweise mehr als 2 Millionen Inder profitieren mittlerweile von dem Projekt. Das Geld für das Projekt stammt hauptsächlich aus Spenden und staatlichen Subventionen. Wieviel die Menschen für die Lampen bezahlen müssen, richtet sich nach ihrer Bedürftigkeit.</p>
<p lang="zxx">Die Arbeit der NGOs wird dazu beitragen, dass ein typisches Merkmal indischer Dörfer in Notki bald nicht mehr zu sehen sein wird. Wer durch Notki läuft, bemerkt schnell die tellergroße Scheiben aus Kuhdung, die überall herumliegen. In Indien nennt man sie liebevoll &#8220;Kuhfladen-Kuchen&#8221;. Den Dorfbewohnern dienen sie als Brennstoff zum Kochen und Heizen. Hierfür vermischen sie den Kuhdung mit Urin und legen ihn anschließend bis zu drei Tage in die Sonne. Doch das Heizen und Kochen mit dem Bio-Brennstoff ist schlecht für die Gesundheit. Problematisch dabei nicht einmal die Hygiene – die Kuhfladen-Kuchen sollen sogar eine antiseptische Wirkung haben. Gefährlich ist vielmehr der Ruß, der bei der Verbrennung entsteht: Er begünstigt Krankheiten wie Lungenkrebs und Asthma. Wer in eines der Häuser geht, erkennt die Kochecke sofort an den schwarzen Stellen an der Wand. Ruß, der auch in den Lungen der Hausbewohner eindringt.</p>
<p lang="zxx">Viele von Notkis Bewohnern bleibt das jetzt ersparrt. Dank Subventionen von Hilfsorganisitionen konnten sie sich moderne Kocher kaufen. Die neuen Geräte arbeiten um ein Vielfaches effizienter, indem sie die Flamme durch einen Ventilator mit zusätzlichem Sauerstoff versorgen. Die Dorfbewohner müssen jetzt viel seltener Brennstoff sammeln &#8211; und können freier atmen.</p>
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		<title>Die Geschichte einer Farm in Afrika</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 04:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias Peer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mathias Peer - Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Stephen Njuguna hat ein halbes Leben gebraucht, um ein Rezept gegen die Armut zu finden. Die Zutaten: fünf Euro, ein Hektar Land und viel harte Arbeit. Der Tag begann wie jeder andere, doch als er zu Ende ging, sollte das Leben von Stephen Njuguna nicht mehr so sein, wie er es kannte. An das Datum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Stephen Njuguna hat ein halbes Leben gebraucht, um ein Rezept gegen die Armut zu finden. Die Zutaten: fünf Euro, ein Hektar Land und viel harte Arbeit.</strong></p>
<p><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2735/stephen1" rel="attachment wp-att-2737"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-2737" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/stephen1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Der Tag begann wie jeder andere, doch als er zu Ende ging, sollte das Leben von Stephen Njuguna nicht mehr so sein, wie er es kannte. An das Datum erinnert er sich bis heute: Es war der 14. Dezember 1998, ein Montag. Um fünf Uhr morgens stand er auf, draußen war es noch dunkel. Er musste leise sein, um die Kinder nicht aufzuwecken, mit denen er sich das Schlafzimmer seiner 30-Quadratmeter großen Wellblechhütte teilte. Stephen aß ein paar Löffel Ugali vom Vortag, zog seine Arbeitskleidung an und marschierte die 20 Minuten zur Bushaltestelle. Der Verkehr stockte, die Fahrt in die Stadt dauerte fast eine Stunde und Stephen hatte noch einmal Zeit darüber nachzudenken, worüber er schon das ganze Wochenende gegrübelt hatte. Kann er es sich wirklich leisten, seinen Job hinzuwerfen? Was würde seine Frau dazu sagen? Wovon soll er seine Familie künftig ernähren? Eine überzeugende Antwort hatte der damals 40-Jährige auf diese Fragen noch nicht. Er wusste nur: So wie bisher kann es kaum weitergehen.</p>
<p>Seit acht Jahren arbeitete Stephen als Reinigungskraft im Bürogebäude der staatlichen Post- und Telefongesellschaft KPTC. 7000 kenianische Schilling bekam er dafür im Monat, umgerechnet rund 70 Euro. Wenn er das Gehalt ausgezahlt bekam, reichte es gerade einmal um die Schulden aus dem Vormonat zu begleichen. Das bisschen Mais und die paar Bohnen, die seine Familie auf den Tisch bekam, musste er sich dann wieder bei Freunden und Bekannten zusammenschnorren, oder beim benachbarten Bauern auf Pump einkaufen. Sein ältester Sohn würde bald in die Schule kommen, doch für die Uniform und die Bücher hatte Stephen beim besten Willen kein Geld übrig. Während er wie jeden Tag seine Flure auf und ab wischte, kam er zu der Überzeugung, die ihm allen Mut abverlangte. Er dachte: Nur wenn er sein Leben radikal ändert, hat er die Chance, der prekären Situation zu entkommen.</p>
<p><strong>Arbeitslos aber frei</strong></p>
<p>Stephen ging zu seinem Chef, es war bereits vier Uhr nachmittags, und sagte ihm, dass er kündigen wolle. Seinem Arbeitgeber ging es zu der Zeit finanziell auch nicht viel besser als Stephen. Um Kosten einzusparen, bot das Unternehmen deshalb Mitarbeitern, die ihren Job freiwillig aufgaben, eine kleine Abfindung an. Ein Angebot, das er gerne annahm. Als er an diesem Dezembertag seinen langjährigen Arbeitsplatz verließ, war er zwar arbeitslos, aber hatte fast einen Jahresgehalt in der Tasche und außerdem seine Freiheit wieder.</p>
<div id="attachment_2740" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2735/strasse-2" rel="attachment wp-att-2740"><img class="size-medium wp-image-2740" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/strasse-300x200.jpg" alt="Der Weg vom Bauernhof ins Dorf" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Der Weg vom Bauernhof ins Dorf</p></div>
<p>Seine Frau Felecia erfuhr erst mehrere Tage später, dass Stephen keinen Job mehr hatte. Sie war zu dieser Zeit auf Besuch bei ihrer Familie, die richtungsweisende Entscheidung traf Stephen deshalb in aller Einsamkeit. „Ich hätte das niemals gemacht, wenn meine Frau hier gewesen wäre“, sagt Stephen heute. „Sie hätte mir den Kopf abgerissen.“ Tatsächlich sei sie wütend, verzweifelt und voller Zukunftsängste gewesen, als ihr Stephen von seiner Kündigung erzählte, sagt Felecia. Wovon sollten sie und ihre vier Kinder künftig leben? Von Stephens Idee hielt sie nur wenig: Er hatte vor, auf dem gerade einmal einen Hektar großen Grund, den er von seinen Eltern geerbt hatte, Gemüse anzupflanzen. „Er sagte, die Büsche, die Wiesen und der Bach hätten jeden Tag auf seinem Weg zur Arbeit zu ihm gesprochen und ihm gesagt, er müsse hier bleiben, er müsse hier arbeiten“, erzählt Felecia. „Ich habe das für Unsinn gehalten.“</p>
<div id="attachment_2741" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2735/haus" rel="attachment wp-att-2741"><img class="size-thumbnail wp-image-2741" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/haus-150x150.jpg" alt="Poster in Stephens Haus" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Poster in Stephens Haus</p></div>
<p>Felecias Urteil sollte sich bald bestätigen: Bereits zwei Monate später stand die Familie vor dem Nichts. Von seiner Abfindung hatte Stephen ein etwas größeres Haus für seine Familie gebaut. Das Geld war fast komplett aufgebraucht – übrig waren nur noch 500 Schilling, gut fünf Euro. Davon solle sie am Großmarkt Gemüse einkaufen und es an der Hauptstraße des Dorfes an die Arbeiter aus Nairobi weiterverkaufen, trug Stephen seiner Frau auf. „Das Geschäft war kein großes Risiko“, sagt Stephen. „Wenn niemand das Gemüse haben wollte, konnten wir es einfach selber essen.“ Der  Betrieb warf zwar fast jeden Tag einen kleinen Gewinn ab, mit dem Stephen das Saatgut für sein Feld kaufen konnte. Die prekäre Finanzlage von Familie Njuguna änderte sich dadurch aber nur unwesentlich. Die Ackerflächen brachten kaum Ertrag. Spinat und Kohl baute er an. Wenn die Regenzeiten ihn nicht im Stich ließen, konnte er drei Mal im Jahr ernten und bekam am Markt umgerechnet 100 bis 200 Euro für sein Gemüse. Obwohl er deutlich mehr arbeitete, hatte die Familie insgesamt weniger Geld zur Verfügung, als früher – als Stephen noch Büroflure schrubbte. „Ich dachte oft: Ich hätte besser weiter putzen sollen“, sagt Stephen.</p>
<p><strong>Verheißungsvolles Versprechen</strong></p>
<p>Doch aufgeben wollte er nicht: Er experimentierte mit anderen Gemüsesorten, versuchte die Erntezeiten zu optimieren und leitete den Bach quer über die Ackerfläche, was aber nur dazu führte, dass er alle Nährstoffe aus dem Boden spülte. Die Folge: Die Einnahmen blieben dürftig, das Abendessen auch.</p>
<p>Stephens Ausflug in die Freiheit stand vor dem Scheitern. Doch ein letztes Mal wollte er noch einmal etwas riskieren. Er weigerte sich zu akzeptieren, dass es nicht möglich sein soll, von der Natur und seiner Hände Arbeit zu leben. Knapp 100 Euro, den Ertrag von fast einer kompletten Ernte, nahm mit in die Stadt und kaufte sich dafür eine Maschine, die fast Unglaubliches versprach: besseres Gemüse, Ernten zu jeder Jahreszeit, dreifache Einnahmen auf dem Markt. Stephen war bereit, dem zu glauben und kaufte sich das blau lackierte Metallteil, das einen verheißungsvollen Namen trug: Moneymaker.</p>
<p><strong>Zucchinis finanzieren das Studium des Sohns</strong></p>
<p>Moneymaker, so nennt das kenianische Sozialunternehmen Kickstart seine Low-cost-Wasserpumpe, die es kleinen Landwirtschaftsbetrieben in Afrika erlauben soll, ihren Gemüseanbau ein Stück weit zu industrialisieren. <a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2631">Das Bewässerungssystem macht Bauern unabhängig von den Regenzyklen und ermöglicht den Anbau teurerer Gemüsesorten, die konstanten Wasserzufluss brauchen. Damit ließe sich die Ineffizienz der kenianischen Landwirtschaft, die Hauptursache für die Verarmung der Bauern ist, weitgehend beheben. </a></p>
<div id="attachment_2742" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2735/pumpen" rel="attachment wp-att-2742"><img class="size-thumbnail wp-image-2742" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/pumpen-150x150.jpg" alt="Bewässerungssystem" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Bewässerungssystem</p></div>
<p>Auf Stephens Farm ging das Konzept auf: Heute hat er sogar einen Angestellten, der für ihn jeden zweiten Tag auf die Pedale der mechanischen Pumpe tritt, während Stephen selbst den Schlauch in die Saatgruben hält. Einen Liter Wasser pumpt der „Moneymaker“ pro Sekunde auf den Acker. Bewässern könnte man das Feld theoretisch natürlich auch mit Eimern und Gieskannen, aber dafür würde die Zeit nicht reichen: „Für die Fläche, die ich jetzt in drei Minuten schaffe, würde ich sonst 40 Minuten brauchen“, sagt Stephen. Er zieht eine fast reife Zucchini aus dem Boden und beißt einmal ab. „Schmeckt so auch besser“, sagt er lapidar.</p>
<div id="attachment_2743" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2735/zucchini" rel="attachment wp-att-2743"><img class="size-thumbnail wp-image-2743" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/zucchini-150x150.jpg" alt="Zucchinis" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Zucchinis</p></div>
<p>Sieben Wochen brauchen die Zucchinis bis sie die optimale Länge von rund 15 Zentimetern erreicht haben. Weil Stephen die Teile seines Feldes zu unterschiedlichen Zeiten gesät hat, erreicht er neuerdings einen konstanten Einkommensstrom. 50.000 Schilling, also rund 500 Euro verdient er mittlerweile im Monat. Weil er keine Miete bezahlen muss und das Essen großteils ohnehin auf seinen Feldern wächst, reicht das locker zum Leben. „90 Prozent der Geldes gebe ich für die Bildung meiner Kinder aus“, sagt er. Der älteste Sohn, der damals gerade an die Grundschule kam, als Stephen seinen Putzjob kündigte, ist mittlerweile 20 und will an der Universität studieren. „Ich hab zwar keine Ahnung, was er dort machen will, aber ich unterstütze ihn dabei“, sagt Stephen.</p>
<p>Dass eines seiner Kinder irgendwann einmal die Farm übernehmen wird, glaubt er nicht. „Die finden sich sicher etwas Besseres.“ Für seine eigene Zukunft sorgt er deshalb anders vor. Von den Ersparnissen der vergangenen Jahre will er fünf bis sechs kleine Häuser am Rand der Dorfstraße bauen und sie vermieten. Wenn die Zeit gekommen ist und ihm die Kraft zur täglichen Arbeit am Feld fehlt, will er hier Obstbäume pflanzen. Die brauchen dann nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit. „Bis es soweit ist wird es noch ein paar Jahre dauern, hoffe ich“, sagt der 54-Jährige. Um das Alter zumindest ein wenig hinauszuzögern, isst er jeden Tag Koriander. Das sei gut für die Knie.</p>
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		<title>Geht ja gut los</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 21:46:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dirk Gilson - Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Wachmann kommt mit strengem Blick auf mich zu. Ich stecke den Fotoapparat weg. Vermutlich hat man es nicht so gerne, wenn neugierige Besucher vorm Sitz des Premierministers herumlaufen und Fotos machen. Ich bin gestern in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, angekommen und das Gebäude liegt auf dem Weg meiner ersten Besichtigungs-Tour. Geht ja gut los. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Wachmann kommt mit strengem Blick auf mich zu. Ich stecke den Fotoapparat weg. Vermutlich hat man es nicht so gerne, wenn neugierige Besucher vorm Sitz des Premierministers herumlaufen und Fotos machen. Ich bin gestern in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, angekommen und das Gebäude liegt auf dem Weg meiner ersten Besichtigungs-Tour. Geht ja gut los.</p>
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<p>„Sie können gerne reingehen und sich umschauen“, sagt der Wachmann und lächelt. So kann man sich täuschen, denke ich und lächle zurück.</p>
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<p>Was folgt ist eine kleine Privatführung durch einen der Hauptsitze der namibischen Regierung – den Job des Guides übernimmt Wachmann Lloyd persönlich. Höhepunkt der Führung sind große Wandgemälde in der zweiten Etage des Gebäudes. Sie zeigen die Geschichte Namibias von der ersten Besetzung des Landes durch portugiesische und englische Seefahrer im 15. Jahrhundert bis heute.</p>
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<p>Auch die Kriegsflagge des Deutschen Kaiserreiches hat ihren Platz auf den Gemälden – von 1885 bis 1914 war Namibia deutsche Kolonie und hieß Deutsch-Südwestafrika. Bis heute sind die Spuren dieser Zeit allgegenwärtig. Viele Straßen tragen deutsche Namen wie Garten- oder Bahnhofstraße, es gibt deutsche Bäckereien und Metzgereien. Und neben Englisch und Afrikaans ist Deutsch immer noch eine der am häufigsten gesprochenen Sprachen hier.</p>
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<p>Der größte Teil der Wandgemälde zeigt aber die Zeit von 1960 bis 1990. „Das ist der wichtigste Abschnitt für uns. So lange haben wir gebraucht, um endlich unabhängig zu werden“, sagt Lloyd. Die Bilder lassen vermuten, dass es eine blutige Zeit war. Die People&#8217;s Liberation Army of Namibia (PLAN) kämpfte einen Guerillakrieg gegen die südafrikanische Besetzung (nach dem Ersten Weltkrieg setzten die Siegermächte Südafrika als Mandatsmacht ein), der als Namibischer Unabhängigkeitskrieg in die Geschichte einging. Am Ende stand die Befreiung Namibias, besiegelt durch den Unabhängigkeitstag am 21. März 1990.</p>
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<div id="attachment_2730" class="wp-caption alignleft" style="width: 197px"><a href="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/archives/2726/officeofpm-2" rel="attachment wp-att-2730"><img class="size-medium wp-image-2730" src="http://blog.heinz-kuehn-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/02/OfficeofPM1-300x224.jpg" alt="Sitz des Premierministers" width="187" height="139" /></a><p class="wp-caption-text">Sitz des Premierministers</p></div>
<p>Heutiger Regierungschef der Republik Namibia ist Premierminister Nahas Angula. „Er will, dass sich unser Land offen gegenüber Besuchern zeigt“, erklärt Lloyd. Das schließt auch seinen Hauptsitz mit ein, den man jederzeit ohne Voranmeldung besuchen darf. Und wenn man Glück hat, hat Lloyd gerade Dienst und bietet einem eine kleine Privatführung an.</p>
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<p>In den kommenden Wochen werde ich diese Offenheit noch das eine oder andere Mal auf die Probe stellen. Ich will herausfinden, welche positiven und negativen Folgen es für Namibia hat, wenn das afrikanische Land versucht, zum zweitgrößten Uranerzförderer der Welt zu werden.</p>
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		<title>hazo – Baum</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 13:38:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Franziska Badenschier - Madagaskar]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiaten]]></category>
		<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Madagaskar]]></category>
		<category><![CDATA[Naturschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Es ist verrückt, ich weiß: Wir schützen eine einzige Baumart irgendwo da oben im Hochland-Plateau! Eine Baumart, von der man bislang keinen medizinischen Nutzen kennt und die nicht mal besonders attraktiv ist.&#8221; Chris Birkinshaw lacht. Doch dem Briten, der seit gut 15 Jahren für den US-amerikanischen Missouri Botanical Garden auf Madagaskar arbeitet, ist es ernst: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Es ist verrückt, ich weiß: Wir schützen eine einzige Baumart irgendwo da oben im Hochland-Plateau! Eine Baumart, von der man bislang keinen medizinischen Nutzen kennt und die nicht mal besonders attraktiv ist.&#8221; Chris Birkinshaw lacht. Doch dem Briten, der seit gut 15 Jahren für den US-amerikanischen Missouri Botanical Garden auf Madagaskar arbeitet, ist es ernst: &#8220;Hochland-Wälder sind eine der am stärksten gefährdeten Vegetationstypen auf Madagaskar.&#8221;</p>
<p>Der wissenschaftliche Name dieser Art gleicht einem Zungenbrecher: <em>Schizolaena tampoketsana</em>. Der madagassische Name ist kürzer und einfacher: Sohisika, sprich: Swisska. &#8220;Auf ganz Madagaskar gibt es nur 160 Bäume von dieser Art, und hier stehen zwei Drittel davon&#8221;, erzählt Chris am vergangenen Freitag während der Fahrt ins Hochplateau etwa 70 Kilometer nördlich von Tana. Während man in der Schule lernt, dass über einer bestimmten Höhe, die praktischerweise als Baum-Grenze bezeichnet wird, eben keine Bäume mehr wachsen, sieht man ganz oben auf dem Plateau auf einmal Eukalyptus-Bäume.</p>
<p>An einer Stelle biegt sich das Plateau in eine Kurve, in der Rinne talwärts taucht ein dichter, grüner Wald auf: &#8220;Wir sind da!&#8221;, ruft Chris und springt aus dem Auto. Ankafobe (sprich: Ank-afo-bee) ist ein winziges Schutzgebiet, gerade einmal 30 Hektar groß. &#8220;Aber in diesem kleinen Wald schützen wir auch andere Pflanzen und sogar Tiere.&#8221; Außerdem wird ein Einheimischer aus dem Nachbardorf das ganze Jahr über beschäftigt: Solofo kümmert sich darum, dass Nachbarn täglich patrouillieren, dass Jahr für Jahr der Feuerschutz-Streifen erneuert wird, dass jemand hilft, die 6000 neuen Setzlinge einzupflanzen. Weiteres Geld ist in den Bau zweier Brunnen und eines neuen Schulgebäudes geflossen – diese werden nach einem Picknick besucht und begutachtet.</p>
<p>Das alles klingt nach einem teuren Projekt, doch diese eine Baumart zu konservieren und noch mehr Gutes zu tun, koste nur 5000 Dollar pro Jahr, sagt Chris. &#8220;Für den einen ist das das Geld für einen luxuriösen Urlaub. Für mich ist es Teil meiner Philosophie: Jede Art hat seinen Wert und ist es wert, erhalten zu werden.&#8221;</p>
<p>Jetzt hofft Chris, dass der Feuerschutz-Streifen hält und kein Brand das Wäldchen zerstört. Schmunzelnd gesteht er: &#8220;Dabei bedeutet der madagassische Name Ankafobe &#8216;viel Feuer&#8217;.&#8221;</p>
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