Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Golden glitzert der That Luang in der Sonne. Weithin sichtbar ragt eine der wichtigsten buddhistischen Pilgerstätten der Welt auf. Eine architektonische Mischung aus Obelisk, Stufenpyramide und buddhistischem Tempel. Der oberste buddhistische Führer des Landes wohnt im benachbarten Wat.


Einmal im Leben sollte man als Buddhist hier gewesen sein, bekomme ich erklärt. Und daran halten sich offenbar auch alle. Genau wie jeder Mann einmal im Leben als Mönch im Kloster gewesen sein soll, wenn seine Eltern sterben oder alternativ bevor er heiratet. 9 Tage sollten es mindestens sein. Meine Umfrage unter Laoten hat ergeben, dass nicht alle diese Zeitspanne schaffen. Dafür bleiben aber auch viele länger, wie Seang und sein Freund, die die Lehren Buddhas jetzt schon seit 4 Jahren studieren.


Der That Luang wurde 1566 erbaut. Verschiedenen Legenden zufolge hat Buddha selbst den Bau der Stupa vorausgesagt. Und angeblich wurde hier mal ein Haar Buddhas (die Statuen haben allerdings nie Haare) oder aber ein Stück seines Brustbeines begraben. Die Laoten waren unglaublich stolz, dass sie auch ein eigenes Stück Buddha abbekommen haben und haben den Platz zum wichtigsten Pilgerort erklärt. Am meisten los ist hier im November zu den höchsten Feiertagen.

Die Chinesen haben den That Luang bei einem ihrer zahlreichen Überfälle auf das Land geplündert und vollkommen zerstört. Wahrscheinlich wegen der 1000 Pfund Blattgold, die das Bauwerk zierten. Das Haar/Brustbein ist seitdem zwar weg, aber die Pilgerstätte wurde in den 70er Jahren von den Franzosen nach Original-Zeichnungen wieder aufgebaut. Und der That Luang ist wieder zum wichtigsten Pilgerort des Landes und darüber hinaus geworden. Quasi das Mekka für Buddhisten.

Dabei hat das Wahrzeichen schon deutlich bessere Tage gesehen. Überall an der dreistufigen Pyramide platzt die Farbe ab. Die Franzosen haben es sich einfach gemacht und beim Wiederaufbau goldene Farbe statt Blattgold verwendet. Wahrscheinlich aus Kostengründen. Die Gläubigen scheint das nicht zu stören und weil der That Luang weit außerhalb des Stadtzentrums liegt (eineinhalb Stunden zu Fuß) bin ich an diesem Tag auch weit und breit die einzige Farang. Mit mir zusammen kommen allerdings mehrere Reisebusse mit Pilgern an. 5000 Kip Eintritt kostet der Gang in die heiligen Hallen, dazu weitere 5000 Kip für das unerlässliche Pilgerset: orangefarbene Blumen, zwei gelbe Kerzen und drei rote Räucherstäbchen.


Vor dem Aufgang zu der Buddhastatue bilden sich lange Schlangen. Unten Schuhe ausziehen, sich langsam stufenweise hocharbeiten, die Blumen niederlegen, Kerzen anzünden, beten (auch hier ähnlich Mekka: Stirn auf den Boden) und dann erst die Räucherstäbchen zum Glimmen bringen.
Danach umrunden die Pilger den That murmelnd mit vor der Brust zusammengelegten Händen. Manche schummeln ein bisschen und nehmen die Hände runter, wenn sie um die Ecke biegen und außer Sichtweise sind.

Das eigentliche Spektakel beginnt aber erst beim Verlassen des Tempels: Davor haben etwa 30 Fotografen Aufstellung genommen. An ihren roten Westen ist gut erkennbar, dass sie eine offizielle Foto-Genehmigung haben. Zur Ausstattung gehört eine digitale Spiegelreflexkamera von Nikon (was sonst?), ein kleiner weißer portabler Fotodrucker von Epson, den sie sich umgehängt haben wie ein Bauchladen und laminierte Fotokarten, auf denen sie ihre Kunst zur Schau stellen.

Jeder der aus dem That kommt wird animiert davor zu posieren. Und sämtliche Pilger willigen erfreut ein. Es ist, als ob das Erlebte erst wahr wird, wenn es auf Zelluloid gebannt ist. Nichts zählt mehr als der Fotobeweis für die Familie. Für die geknipste Erinnerung stehen sie wieder geduldig Schlage, bis das gewünschte Hintergrundmotiv frei ist.


Das geht so im Minutentakt. Ich sitze auf meinem Bänkchen und beobachte das Geschehen amüsiert. Bis ich einer Pilgerin auffalle. Für eine Asiatin erstaunlich wild gestikulierend kommt die kleine Frau auf mich zu. Ich brauche ein bisschen bis ich begreife: Sie möchte mit mir zusammen auf das Foto. Auch der laotische Starfotograf ist überrascht, lächelt aber wie immer höflich.

Also betrete ich die Kulisse und nehme Aufstellung vor dem Wohnsitz des laotischen Ober-Buddhas. Meine Entdeckerin schiebt ihren Arm unter meinen. Ein skurriles Bild, sie reicht mir nicht mal bis zur Schulter. Ich lächle freundlich, der Fotograf drückt den Auslöser. Die Begeisterung bei den Pilgern ist geweckt. Plötzlich wollen sie alle so ein spektakuläres Erinnerungsfoto mit einer blonden europäischen Riesin. Der Fotograf wittert das Geschäft seines Lebens, verliert alle Hemmungen und strahlt jetzt richtig über beide Backen.

Ich lächle weiter sanft wie Buddha und bleibe einfach stehen. Im 30 Sekunden-Takt wechseln meine Shooting-Partner. Mal stehen sie rechts von mir, mal links und immer sind sie winzig. Bestimmt 50 mal knipst der Fotograf. Für den anschließenden Dauerduck muss er sich bei einem Kollegen sogar erst noch neues Fotopapier leihen.


Die Pilger kommen allesamt aus Thailand und sind mit dem Bus über die Freundschaftsbrücke nach Vientiane gekommen um Buddha hier Tribut zu zollen und für ein gutes Leben zu bitten. Und wahrscheinlich dafür, im nächsten Leben nicht als Ameise wieder geboren zu werden. 5000 Kip zahlen sie für so einen Fotoausdruck, umgerechnet 50 Cent. Eine Plastikschutzhülle für das Foto ist inklusive, schließlich muss man den wertvollen Fotobeweis ja auch heile nach Hause transportieren.

Was sie an mir so spannend finden, kann ich nicht herausfinden in all dem Gekichere und Gegacker. Ab jetzt klebe ich aber in sicherlich 50 thailändischen Fotoalben. Was die Pilger wohl zu Hause erzählen? Mit den letzten drei Thai-Damen, allesamt Freundinnen, gibt es dann noch ein Gruppenfoto. Am besten daran gefällt mir, dass der Fotograf es geschafft hat mich so zu positionieren, dass das Dach des Wats aussieht wie die Haube von Frau Antje. Eine Erinnerung an meinen großen Aufstieg in den Thai-Promi-Himmel. Der Erleuchtung ganz nah.

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