Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

…und damit meine ich den Libanon. Hier bin ich vor einigen Tagen angekommen. Vor einigen Tagen, als 20 Menschen entführt wurden, eine Air France Maschine absurderweise nach Damaskus umgeleitet wurde und in Tripolis andauernd Gefechte herrschen. Von all dem bekomme ich auf den ersten Blick in der Hauptstadt Beirut nicht wirklich etwas mit. Die Cafés sind voll, die Clubs auch, und es gibt sogar ein paar Touristen (allerdings nicht ganz so viele). Wenn ich aber genauer hinschaue, dann trügt der Schein. Tamara will nach Frankreich, Stephanie und Mohamed nach Deutschland und Wissam nach Kanada. Rette sich wer kann – so klingt das zumindest. Jeder der im Ausland einen Freund oder Verwandte hat, versucht den Libanon zu verlassen. 15 Jahre Bürgerkrieg waren genug. Man habe es satt, sagen mir alle. Und fast alle haben Angst vor einem neuen Krieg im Zedernstaat. Bis dato hat es die libansische Regierung zwar geschafft (durch das Nichtpositionieren) den Bürgerkrieg in Syrien aus dem Land heraus zu halten, aber das alles kann eine Frage der Zeit sein. So genau weiß man das nicht. Aber das ist es nicht nur. Vor drei Jahren war ich schon einmal hier. Damals waren gerade viele Heimkehrer nach Beirut gekommen. Die Generation, die in Dubai, Montreal oder Paris studiert hat und voller Elan in den Libanon zurückgekommen ist. Es gab eine Aufbruchstimmung, Jobs, eine Perspektive. Doch davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Die Gehälter sind niedrig, die Lebenshaltungskosten total hoch, jeden Tag fällt mindestens 3 Stunden der Strom aus und dazu kommt dann noch die Situation im Nachbarland Syrien…Irgendwie verständlich, dass man da das Land verlassen will. Ich bin allerdings froh hier zu sein. Sehr froh.

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