Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

„Willkommen. Aber wer bist denn du?“, sagt der Mann mit kurzen Haaren, Dreitagebart und der Leinenweste über der nackten Brust und schaut irritiert aus dem Türrahmen. Ludwig, wie ich kurz darauf erfahre, ist der Eigentümer des Hauses auf dessen Terrasse ich seit einer Viertelstunde sitze. Und es ist schon seit einem Jahr nicht mehr das Gästehaus der GIZ in Accra. Leider scheint das mein Ansprechpartner dort, der mir die Unterkunft reserviert haben wollte, immer noch zu ignorieren. „Angemeldet? Ich weiß von nix“, erklärt er. Dann stellt Ludwig mir ein Bier hin, zeigt mir ein freies Zimmer. Ich bleibe erstmal. Dann bleibt die Leitung trocken. Kaum noch ein Tropfen Wasser in den Tanks, die Gemeinde hat schon vor Wochen das Wasser im Bezirk abgestellt. Das aber hat der Hausmeister vergessen zu sagen. Ludwig setzt sich erst mal in den Sessel und bereitet sich geistig darauf vor, morgen einem Wasser-LKW hinterher zu telefonieren. Ich bin jetzt schon kein Problem mehr und lerne meine erste Lektion: „Immer schön flexibel bleiben.“ Um sechs Uhr am nächsten Morgen ist übriges der Wasser-LKW da. Der Hausmeister hatte ihn schon bestellt, ohne etwas zu sagen – natürlich. Zweite Lektion: „In Afrika klappt alles. Nur nicht fragen, wann und wie.“

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