Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Kathmandu – die Hauptstadt Nepals. Alles läuft hier viel schneller und hektischer ab als auf dem Land. Der Verkehr ist unbeschreiblich. Jeder fährt wie er will, überholt so oft er kann und kündigt dies grundsätzlich mit seiner Hupe an. Da jeder versucht so schnell wie möglich von A nach B zu kommen und so oft wie möglich überholen will wird fast ununterbrochen gehupt. Es reicht auch, wenn Autos und Motorräder aufgrund der komplett verstopften Straßen mal kurz anhalten müssen: sofort wird zur Abwechslung mal wieder gehupt. Dazu kommen die Abgase, die meiner Lunge täglich Höchstleistungen abverlangen. Es lässt sich nun mal nicht vermeiden, an Hauptverkehrsstraßen entlang zu gehen  und jedes Mal aufs Neue merke ich nach ein paar Minuten, wie sehr mein Rachen kratzt und die Augen brennen, so schlecht ist die Luft hier. Nachts dachte ich neulich „nicht schlecht, wo kommt denn der Nebel her?“. Denkste! Smog vom Feinsten und zwar so dicht, dass man nachts echt ganz genau aufpassen muss, wo man hintritt – die Sicht ist dann unglaublich schlecht, was natürlich auch an der fehlenden Straßenbeleuchtung liegt.

Der alltägliche Wahnsinn auf Kathmandus Straßen

Der alltägliche Wahnsinn auf Kathmandus Straßen

In den Tourizentren ist dann auch nicht mehr viel mit „Namaste“, dem höflichen und respektvollen Gruß der Nepalis. Neulich waren Manish, ein Nepali, mit dem ich mich hier angefreundet habe und ich in Thamel, dem Tourizentrum schlechthin, unterwegs. Ich wollte für meine Freunde als Souvenir zwei Buddhastatuen kaufen. Zu Beginn meiner Reise hat man mir schon erklärt, dass es in Nepal drei Preiskategorien gibt: eine für Nepalis, die andere für Inder und die Dritte und höchste für die restlichen Ausländer. Wir gehen also zu einem Straßenladen und erkundigen uns nach dem Preis für einen Buddha. Ca. 20,- Euro (umgerechnet) soll er kosten. Es gibt sogar ein Preisschild, das den Preis bestätigt. Ich sage Manish, er solle doch mal nach dem Preis für Nepalis fragen: jetzt kostet er nur noch knapp die Hälfte. Und als ich sage, dass ich zwei haben will, einigen wir uns schließlich darauf, dass ich beide für deutlich weniger als 20,- Euro bekomme. Wie gut, dass ich Manish beim Kauf dabei gehabt habe. Grinsend ziehen wir beide weiter. Als Dankeschön lade ich ihn zum Abendessen ein.

Kathmandu ist eine Stadt, die ständig und vor allen Dingen auch sehr schnell wächst. Sehr viele Nepalis wollen hier ihr Glück versuchen. Es geht wie in jeder Großstadt um eins: „Business“. Die sonst so höflichen und zurückhaltenden Nepalis findet man hier nicht. Sehr oft werde ich angequatscht, angehalten und immer wieder geht es nur um eins: Geld verdienen.

Nur ein paar Kilometer außerhalb der Stadt sieht das Ganze zum Glück schon wieder anders aus: dann sieht man mehr Statuen an den Straßen, es gibt kleine Tempelanlagen und die Menschen sind wesentlich entspannter. Dann muss man auch nicht ständig Angst haben, von wahnsinnigen Auto- und Motorradfahrern jeden Moment überrollt zu werden. Kathmandu ist im Vergleich zum restlichen Nepal wirklich einzigartig – in jeglicher Hinsicht.

 

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