Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Es hat eine Weile gedauert, aber ich habe es tatsächlich wiedergefunden – das kleine Lokal ganz am Rande der Markthalle Santiagos, das sich in fröhlicher Missachtung seiner bettelarmen Erscheinung „El Rey de la Paila Marina“ nennt, „Der König der Fischsuppe“. Vergangenen Herbst war ich schon einmal hier. Auf unserer damaligen Südamerikatour hatten uns andere Reisende davon abgeraten, längere Zeit in Santiago zu verbringen. Ein Tag, allerhöchstens zwei – das reiche völlig aus. Dummerweise befolgten wir seinerzeit diesen Rat, so dass wir eigentlich nur zwei der vielen großartigen Dinge kennenlernten, die Santiago zu bieten hat: Pablo Nerudas Haus – und diese Fischsuppe. Pablo Neruda hat Eindruck hinterlassen, die Fischsuppe mindestens genauso. Wenn ich ehrlich bin, war sie vielleicht sogar der wahre Grund dafür, dass ich nochmal zurück wollte.

Und nun ist er da, der Tag, den ich um der Vorfreude willen wochenlang vor mir hergeschoben habe. Nicht bloß dampfend, sondern ruckelnd vor Hitze steht die royale „Paila Marina“ vor mir: ein Teller, so tief wie der Marianengraben, randvoll mit Meerestieren, von denen ich die meisten noch nie in meinem Leben gesehen habe. An der Wand gleich neben meinem Tisch hängt ein Plakat des Gesundheitsministeriums zum Umgang mit Fisch und Meeresfrüchten in der Gastronomie, das macht Mut. Also mit dem Löffel Anker geworfen und gekostet. Ein Fest. Santiago, wir sehen uns wieder.

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