Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

SuppeMittwoch und Samstag ist Markttag in Cayenne. Auf dem Markt lässt sich prima die große Bevölkerungsvielfalt des Landes ablesen. Hier die Noir Marrons, da die Haitianer, da die Hmong. Im Angebot: viele Gemüsesorten und Früchte, die man vielleicht eher in Asien verorten würde. Leuchtend pinkfarbene Drachenfrüchte, Betelblätter, Pak Choi oder Okkraschoten zum Beispiel. Und die langen, leicht gekräuselten Bohnen, die habe ich vorher noch nirgendwo gesehen. Grund für diese Gemüsevielfalt sind vor allem die Hmong. Ein Laotisches Bergvolk, das seit 1979 in Cacao, einem kleinen Dorf im Innern von Guyana, lebt und Gemüse anbaut. Aber das ist eine andere Geschichte.

Während man versucht, zwischen den Marktständen der gleißenden Morgensonne (die um acht Uhr schon auf der Haut brennt) zu entkommen, ist es in der Markthalle schummerig und einigermaßen kühl. Hier sind in der Mitte die Souvenirverkäufer, mit bunten Taschen, karierten Röcken – die traditionelle Kleidung der Kreolen  –  mit Holzschmuck und Hängematten, mit Gewürzen und Schnaps.

An den Seiten der Halle reihen sich die Fleischer und dann vor allem die Imbissstände und Garküchen. Brasilianisch, kreolisch, laotisch, dazwischen eine Bar mit frisch gepressten Säften und Cocktails und dann die chinesischen und vietnamesischen Suppenküchen. Die Kunden sitzen auf kleinen hellblauen Plastikschemeln, an langen Tischen mit Plastiktischdecken auf denen eine ansehnliche Variation an Soßen steht. Alle sitzen sie dort: Touristen, Einheimische und auch die Marktbeschicker. Jeder schlürft seine heiße Nudelsuppe.

Eigentlich kaum zu glauben, dass man bei den Temperaturen in Französisch Guyana überhaupt jemals auf die Idee kommen konnte, eine Garküche einzurichten, die heiße Suppe anbietet. Bereits morgens ab 6:30 Uhr. Und noch erstaunlicher: Der Laden läuft. Drei Stände, direkt nebeneinander, mit ungefähr identischen Angebot laufen prächtig. So scheint es zumindest, wenn man danach urteilt, wie sich die Kunden an den Tischen drängeln und geduldig warten während die Köche zwischen den riesigen, dampfenden Töpfen und Kühlschränken rotieren.

Crevetten, Rindfleisch, Hühnerfleisch, heiße Brühe und Nudeln. Dazu ein Teller mit frischem Grün – Salat, Basilikum und Koriander, ein Schälchen mit Chilis und Zitrone. Alles um die Suppe nach Belieben zu verfeinern. Mir steht der Schweiß auf der Stirn. Der Dame gegenüber auch. Die Schärfe, die heiße Suppe. Macht nichts, der Geschmack ist es wert. Schwitzen wird in Französisch Guyana sowieso ziemlich schnell relativ. Was mich jedoch einmal mehr irritiert, ist die ganze Situation. Ich sitze im tropischen Frankreich in einer vietnamesischen Garküche und schlürfe Nudelsuppe. Okay, aber Köchin und Bedienung sprechen Brasilianisch. Wer soll da noch durchsteigen. Anyway. Die Suppe schmeckt.

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