Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Um sechs Uhr morgens holt uns Nary am Hotel ab, ein junger Fahrer mit einem alten Peugeot. Wir machen uns auf den Weg nach Morondava, eine Hafenstadt im zentralen Westen Madagaskars. Bis vor Kurzem war die Straße dorthin so schlecht und jenseits des öffentlichen Bewusstseins, dass die berühmte madagassische Band Mahaleo ihr ein Lied widmete. Marc Ravalomanana beschloss, die Straße zu sanieren. Umgesetzt wurde das allerdings erst unter seinem illegitimen Nachfolger Rajoelina.

Nary ist erst in der Nacht mit dem Bus angereist und vollkommen übermüdet. So ist zwar die Straße gut, aber die Konzentration schlecht. Nach einem Sekundenschlaf, der uns fast einen Frontalzusammenstoß mit einem LKW beschert, verfrachten wir ihn zum Schlafen auf die Rückbank und fahren ein Stück des Weges selbst. Wir passieren Ziegelbrennereien und Reisfelder und beobachten eine halbe Stunde lang eine Totenfeier (famadihana) in einem Dorf, zu der eine scheppernde Blaskappelle aufspielt. In der Stadt Antsirabe rasten wir nochmal zwei Stunden, bevor es weiter geht.

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Zur traditionellen Totenwendung spielt eine Blaskappelle (Foto: Ernst Golde).
Das Hochland ist kahl, an vielen Stellen haben Bewohner Feuer gelegt, um frisches Gras für die Zebuherden sprießen zu lassen. Weiter im Westen durchwühlen Goldsucher unter einer Brücke ein Bachbett. Gegen halb sechs erreichen wir Miandrivazo am Fluss Mahajilo. Es wird grüner aber auch langsam dunkel. Weiter durch kleine Dörfer, im Slalom geht es um Zebus, Fußgänger, Hunde und Hühner. Noch zwei Mal machen wir Pausen, in denen unser Fahrer schläft.

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Goldsucher im Distrikt Miandrivazo (Foto: Ernst Golde).

Um etwa 22:00 Uhr erreichen wir schließlich nach 16 Stunden auf der Straße Morondava. Die Straße ist glatt geteert, dreirädrige Taxis kommen uns entgegen. Kein Vergleich zu 2010, als ich zuletzt hier war, und neben Geländewagen und Zebukarren fast nur klapprige R4 über die Schlaglochpiste rumpelten. Morondava scheint etwas weniger vergessen zu sein.

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