Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Von Morondava geht es nach Norden in den Kirindy-Wald. Auch hier ist die Straße deutlich besser als in meiner Erinnerung, immer noch Sandpiste, aber eben und breit. Um die berühmte Baobab-Allee hat sich inzwischen touristischer Rummel breit gemacht: ein kostenpflichtiger Parkplatz, Souvenirbuden. Vor ein paar Jahren gab es hier nichts außer ein paar Hütten und Kinder, die gefangene Chamäleons als Foto-Objekte anboten.

In Kirindy, an der Forschungsstation des Deutschen Primatenzentrums, habe ich die Daten für eine Doktorarbeit gesammelt, ein gutes Jahr lang zwischen 2007 und 2010. Die Forschung hier konnte glücklicherweise auch unter der Putschistenregierung zwischen 2009 und 2014 fortgesetzt werden, und der Wald wurde nicht in großem Stil abgeholzt. Als wir die letzten Kilometer ins Camp zurücklegen, ist alles wieder da, Erinnerungen an aufregende und einsame, zweifelnde und zuversichtliche, aber vor allem gute Tage im Wald. Das Ankommen wird uns leicht gemacht: Die madagassischen Feldassistenten empfangen uns herzlich, die Stimmung unter den Wissenschaftlern im Camp ist gut.

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Ofenbau-Workshop in Beroboka (Foto: Lennart Pyritz).

Am kommenden Tag besuchen wir den Ofen-Workshop der Umweltschützer um Matthias Markolf im Dorf Beroboka. Angeleitet von zwei ehemaligen GIZ-Mitarbeitern aus Tuléar (es gibt auch Theorie-Unterricht in der örtlichen Schule) fertigen ein Dutzend Dorfbewohner Ofenteile aus verzinktem Blech, und gebrannte Einsatzformen aus einem Erdgemisch. Am Abend fahren wir mit Tata und Domoina, die ebenfalls für das Projekt arbeiten, zur Kinovorführung in das benachbarte Dorf Lambokely. Mit Einbruch der Dunkelheit werden Fahrrad, Beamer und Leinwand aufgebaut. Etwa 40 Dorfbewohner und einige Zebus versammeln sich im Open-Air-Kino und verfolgen raunend den Film über die Einmaligkeit der madagassischen Natur und Strategien wie den effektiven Ofenbau, um sie zu bewahren.

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Ein Grauer Mausmaki im Trockenwald von Kirindy (Foto: Lennart Pyritz).
Die folgenden Tage verbringen wir in Kirindy, streifen durch den Wald, und begleiten einige der Forscherinnen bei ihrer Arbeit. Anna untersucht, wie Persönlichkeit und Anführerschaft bei Rotstirnmakis zusammen hängen. Franzi testet das Lernvermögen von Mausmakis. Abends machen die Feldassistenten Jipa, Tina und Bary Musik auf der „Place de la Réunion“. Dort gibt es zwar nur zusammen gezimmerte Bänke aus dünnen Baumstämmen, die phantasievolle Sitzpositionen erfordern. Trotzdem bleiben wir bis spät in die Nacht, sprechen über das Leben und den Wald und hören zu…

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