Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Beide tragen Bärte, beide haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Und beide beschäftigen sich seit einigen Jahren mit dem Lithium. Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten von Luis Alberto Echazú und Juan Carlos Zuleta.

Luis Alberto Echazú empfängt in seinem Büro im Zentrum von La Paz, im19. Stock eines riesigen Klotzes. Hat man früher mal so gebaut. Seine zwei Handys liegen auf dem aufgeräumten Schreibtisch, in der nächsten Stunde wird „Für Elise“ immer wieder mal zum Einsatz kommen.

Echazú, ganz offiziell „In ungefähr 20 Jahren wird die bolivianische Lithium-Industrie komplett funktionieren“, sagt Echazú. Wäre aber auch komisch, wenn er etwas anderes sagen würde, schließlich ist er der Hauptverantwortliche für das staatliche Lithium-Projekt. „Wir müssen erstmal lernen, wie die Prozesse ablaufen sollten und wie die Technik zu bedienen ist“, verteidigt er zum Beispiel die noch sehr am Anfang stehende Batterienfabrik in ruhiger, in großväterlicher Art.

Keine Umweltsünder?
Etwas ungemütlicher wird der 63-Jährige beim Thema Umweltverschmutzung. Genau das wird ihm und seinen Kollegen nämlich zurzeit von einer NGO vorgeworfen. „Es gehört sich nicht, Menschen als Lügner zu denunzieren. Wenn sie aber wirklich nur Quatsch erzählen, dann denunziere ich sie nicht, dann sage ich die Wahrheit, wenn ich sie als Lügner bezeichne“, sagt Echazú und blättert minutenlang durch ein Buch, bis er den Beweis gefunden hat: Die NGO scheint nämlich tatsächlich einen Fehler in ihrer Beweisführung begangen zu haben. Das heißt aber nicht, dass das Projekt wirklich ohne jegliche Umweltschäden abläuft.

Ein wichtiges TelefonatZum Abschied betont Echazú nochmal, dass Bolivien mit seinem Vorhaben Erfolg haben wird und verweist völlig ungefragt darauf, dass er aus fachlichen Gründen im Amt sei, nicht aus politischen. Dann zeigt er stolz das Emblem, das an seinem Schlüsselbund befestigt ist. Mao ist darauf zu sehen, einmal als Erwachsener und einmal als junger Mann. „Und bitte achten Sie darauf, dass Sie mich richtig wiedergeben und meine Aussagen nicht verfälschen!“, sagt Echazú noch, bevor er die Tür hinter sich schließt.

Der nicht-staatliche Lithium-Kenner
Ein paar Stunden später, im Süden von La Paz. Da, wo die etwas betuchteren Paceños wohnen. Juan Carlos Zuleta bestellt sich einen Saft, nippt kurz und redet dann wieder minutenlang über sein Thema. Über die Lithium-Industrie. „Was Echazú sagt, geht gerne mal über die Wahrheit hinaus“, sagt der Ökonom mit Fachgebiet Lithium und weist genüsslich auf die vielen Mängel des staatlichen Projekts hin.

Juan Carlos Zuleta„Dass immer noch Verdampfungspools gebaut werden, ist absurd. Selbst die Chilenen in der Atacama-Wüste hören damit auf, obwohl das bei ihnen am besten funktioniert“, sagt er. Ihm sind die Bolivianer viel zu wenig experimentierfreudig, setzen seiner Meinung nach auf die falsche Technologie, verschwenden damit das Geld der Bürger und sind zu sehr fixiert auf das Lithium. Weil es zum Beispiel mit dem Magnesium eben noch einen anderen interessanten Rohstoff im Salar gebe.

Viel Ärger mit dem Staat
Fast drei Stunden lang beklagt sich Zuleta über die Regierung, die ihn nicht mal in die Pilotanlagen lasse. Die Strategie der Regierung sei gar keine Strategie. Man mache einfach mal. „Und nach sechs Jahren gibt es immer noch kein Ergebnis; das Projekt funktioniert überhaupt nicht“, sagt Zuleta, zieht noch einmal am Strohhalm und verabschiedet sich.

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