Ich stehe wie gewünscht um halb elf wieder vor dem Kommunikationsministerium, in meiner Tasche ein Passfoto und eine Ausweiskopie. Der Aufzug tut erneut, wenn auch widerwillig seinen Dienst und wenig später klopfe ich an die Tür von Amadou Kanoute, der beim letzten Mal so freundlich war, sich meinem Anliegen nach einer Akkreditierung anzunehmen.

Im gegensatz zu gestern sind diesmal wohl auch die anderen Mitarbeiter des Ministeriums zur Arbeit erschienen. Bald sitze ich im Sekreteriat von Amadous Vorgesetztem, der bei solchen Angelegenheiten anscheinend das letzte Wort hat. Außer mir sind noch drei Sekretärinnen anwesend, mit denen Amadou angeregt den Wortlaut meines laissez-passer aushandelt, dem Schreiben, das mich als Journalist auf beruflicher Mission ausweist. Eine Word-Vorlage gibt es für diesen Fall anscheinend nicht.

Plätzlich öffnet sich die Tür am Ende des Raumes und ein korpulenter Mann in schicker Kleidung kommt herein. „Ah, Sie sind wohl der deutsche Journalist,“ begrüßt er mich. Ich bestätige dass dem so sei und der Herr, der sich bisher nicht vorgestellt hat und es auch nicht tun wird lacht. „Ich kenne einen deutschen Satz: Du bist ein Esel.“ Dann verlässt er, immer noch lachend, den Raum und geht hinaus auf den Flur.

Eine Viertelstunge später, das laissez-passer ist inzwischen fertig, kommt der Mann wieder herein und winkt mich durch in sein Büro. Dort nimmt er hinter einem ausladenden Schreibtisch Platz und beginnt mich nach den Details meiner Recherche auszufragen. Die Regionen, die ich wärend meiner Recherchen besuchen will schreibt er handschriftlich auf eine Kopie des Dokuments.

„Für das Innenministerium,“ erklärt er und fährt ungefragt fort: „Wir müssen sehr vorsichtig sein, wegen dem Terrorismus.“ Ob er meine Rolle dabei eher als potenzieller Terrorist oder als Opfer sieht, das spezifiziert er nicht.

Obwohl mich der (mir namentlich noch immer unbekannte) zuständige Direktor also vielleicht sowohl für einen Esel, als auch einen Terroristen hält, halte ich zehn Minuten später endliche mein laissez-passer in den Händen und darf damit auch ganz offiziell im Senegal Fragen stellen.

Den Anfang mache ich auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum von Dakar. Bewaffnet mit einem Aufnahmegerät will ich von den Passanten wissen, was sie vom Potenzial der Ressourcenwirtschaft für die Entwicklung des Senegals und der Regierungspolitik in diesem Bereich halten. Gleich der erste Angesprochene ist auskunftswillig und stellt sich als George vor. „Natürliche Ressource,“ so George, „werden im Senegal nicht ausreichend genutzt.“ Bei der Fischerei würde das ja noch ganz gut funktionieren, auch wenn Ausländische Boote in senegalesischen Gewässern wildern, der Anbau von Erdnüsse gehe aber zurück, weil die Bauern lieber auf andere Produkte setzen. Und Gold werde zwar inzwischen auch industriell abgebaut, aber „Ergebnisse haben wir da noch keine gesehen.“

Mit der Regierung ist George in diesem Bereich nicht sehr zufrieden, auch wenn Präsident Macky Sall einen besseren Job mache als sein 2012 abgewählter Vorgänger Abdoulaye Wade. Der habe zusammen mit seinen Leuten jede Menge Geld mitgehen lassen, so George.

Wir reden noch ein paar Minuten weiter, dann bedanke ich mich und mache mich auf die Suche nach dem nächsten Gesprächspartner. Ohne Erfolg, allerdings, denn die Angesprochenen verstehen mich entweder nicht (wofür ich ihnen wegen meinem verbesserungsfähigen Französisch nicht die alleinige Schuld geben kann), oder wollen schlicht und einfach nicht mit mir reden.

Schließlich gebe ich auf und sehe ein, dass ich vermutlich am falschen Ort bin. Auf der Suche nach grüneren Weiden besteige ich einen Bus und fahre zur Universität Cheikh Anta Diop, benannt nach einem der großen afrikanischen Intelektuellen der postkolonialen Ära.

Der Campus ist ein großzügiges Gelände am Rande der Innenstadt, auf dem teils heruntergekommene Gebäude zwischen leicht vertrockneten Rasenflächen und Bäumen stehen. Auch hier ist ein etwas planlos umherlaufender ausländischer Journalist nicht jedem geheuer, aber ich finde mehrere Gesprächspartner. Unter ihnen herrscht weitgehende Einigkeit, dass der Senegal mehr von seinen Ressourcen haben könnte, wenn er sie richtig nutzen würde. Bei der Frage nach der Aktivität ausländischer Unternehmen gehen die Meinungen auseinander. Während die einen damit einverstanden sind, dass vor allem Gesellschaften aus Indien, der Europäischen Union und den USA im Rohstoffsektor aktiv sind, „solange der Senegal auch was davon hat,“ würden andere am liebsten ausschließlich senegalesische Unternehmen im Land haben. Wenn senegalesische Unternehmen nicht das Geld und die Fachkenntnis hätten, um die einheimischen Rohstoffe auszubeuten, so müsse der Staat eben einspringen und „den Leuten Studienaufenthalte im Ausland finanzieren,“ um die Situation zu ändern, so etwa die Studentin Ankhusa.

Die Bedingungen, zu denen ausländische Unternehmen im Senegal tätig sind, könnten in jedem Fall ein Schwerpunkt meiner Recherche werden. Im Bergbau wird die senegalesische Gesetzgebung von Rohstoffunternehmen gerne als „Weltklasse“ beschrieben. Der Staat beschränkt sich auf 10 Prozent am Eigenkapital und damit am Gewinn von Unternehmen, etwa im Goldbergbau. Die Verhandlungen der senegalesischen Regierung mit der Europäischen Union über die Fischereirechte werden auch in der Bevölkerung aufmerksam verfolgt. Ich bin gespannt, was ich diese Woche dazu noch herausfinden werde.

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