Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Metha hält hellgraue Shorts mit angenähten rosa Stoffblüten hoch. Das ist ihre Lieblingshose. Katrina Amupolo gefällt der rosa-gelbe Rock, der mit bunten Knöpfen verziert ist. Auf dem Sofa liegen weitere Kleidungsstücke, unter anderem ein lila Rock mit gelb umrandeten Löwenköpfen. Diese Röcke und Hosen hat die 20-jährige Design-Studentin Metha hier in ihrer Wohnung im Windhoeker Stadtteil Katutura entworfen und mit zwei einfachen Nähmaschinen geschneidert. Es sind unverkäufliche Muster. Katrina Amupolo möchte das ändern. Sie will ein Geschäft aufbauen, in dem junge Menschen namibische Mode kaufen können. „Iikutu Fashion Namibia“ soll es heißen. Iikutu heißt Kleidung in der Sprache der Ovambo, der größten Volksgruppe Namibias. Katrina ist 1990, kurz nach der Unabhängigkeit, geboren. Sie studiert im dritten Jahr Betriebswirtschaft an der Polytech (namibische Fachhochschule).

Katrina und Metha (v.l.) präsentieren ihre Lieblingskleidungsstücke

Ihr Traum von der Selbstständigkeit nimmt bereits ganz konkrete Konturen an. Sie hat einen Business-Plan erstellt, ist im Gespräch mit elf jungen Modedesignern und sucht Räumlichkeiten für ein Geschäft in der Windhoeker Innenstadt. Ende ver­gangenen Jahres gewann sie den ersten Preis des Business-Plan-Wettbewerbs der Polytech. Sie war überrascht und stolz über die Auszeichnung. Die Jury habe die Präsentation überzeugt, weil sie bewiesen habe, dass sie ihren Plan wirklich in die Realität umsetzen wolle. Neben einem Preisgeld von 10.000 namibischen Dollar (ca. 1.000 Euro) erhält sie jetzt fachliche Unterstützung vom namibischen Business Innovation Centre (NBIC).

Das Centre ist eine erste Anlaufstelle für Namibier, die sich selbständig machen wollen. Für das Centre arbeiten auch Mitarbeiter der deutschen Entwicklungshilfeorganisation GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Bernhard Rohkemper betreut ihr Projekt und glaubt an ihren Erfolg: „Bei Katrina ist es von großem Vorteil, dass sie schon viele Leute kennt, vor allem Designer, und dass sie eine sehr aktive Person ist.“ In den Workshops des NBIC werden die Ideen der Jungunternehmer unter die Lupe genommen: Was ist meine Zielgruppe? Wie sieht meine Konkurrenz aus? Gibt es überhaupt einen Markt für meine Produkte? Die höchsten Hürden auf dem Weg in eine Selbstständigkeit sind ein guter Businessplan und Anfangskapital, weiß GIZ-Mitarbeiter Rohkemper: „Viele junge Namibier haben keine Sicherheiten, was es extrem schwierig macht, die kommerziellen Banken anzufragen, die meistens keine Kredite geben.“ Hier berät das NBIC die angehenden Unternehmer. Viele der jungen Menschen machen sich aber nicht nur selbstständig, um unabhängig zu sein oder einen Traum zu realisieren. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig. „Das Problem in Namibia ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Viele Absolventen kommen von der Uni und finden keinen Job.“ Entweder bietet der überschaubare namibische Markt nicht die gewünschte Stelle oder „die Privatwirtschaft stellt die jungen Leute nicht ein, weil sie nicht ausreichend qualifiziert sind; selbst wenn sie studiert haben. Also versuchen sie, ihr eigenes Unternehmen aufzumachen“, erklärt Bernhard Rohkemper. Ohne professionelle Beratung werden viele allerdings keine Chance haben.

Rock mit Löwenmuster

Für Katrina Amupolo sieht es gut aus. Ihr Businessplan steht, ihr Anfangskapital hat sie sich auch schon gesichert. So hat sie neben dem Preisgeld und ihrem Ersparten eine private Investorin gefunden. Schwierig sei es nur, alle Designer zusammen zu bringen. Einige haben noch andere Jobs, entwerfen die Kleidung quasi in ihrer Freizeit, andere wohnen weiter weg und müssen erst nach Windhoek für ein Treffen fahren, wieder andere studieren noch, wie Metha. Sie hat in Südafrika mit dem Mode- und Design-Studium begonnen, jetzt geht sie auf die namibische Universität (UNAM).

Ein so genanntes Inspiration Board

Sie zeigt mir ihre Skizzen von Kleidern und so genannte Inspiration Boards. Das sind große Kartonbögen, auf denen Zeichnungen, kleine Texte oder Ausschnitte aus Illustrierten aufgebracht werden. Auf einem Board dominieren die Farben rosa und gelb. Und in großen Lettern steht da: „It’s a girl thing.“ Immer wenn sie eine Idee hat, zeichnet sie. Das kann nachts sein, wenn sie wach wird oder beim Kochen oder wenn sie Zeitschriften durchblättert. Sie schaut sich vor allem den südafrikanischen Modemarkt an. „In Namibia werden noch keine Trends gesetzt, es wird viel nach Südafrika geschaut.“ Und Katrina Amupolo bestätigt, dass die Kleidung in der Regel von den großen Firmen in Südafrika importiert würde. Sie will versuchen, das ein wenig zu verändern. „Es gibt viele talentierte Designer in Namibia. Aber sie haben in der Regel kein Geld, ein eigenes Geschäft aufzubauen, um ihre Kleidung zu verkaufen oder sie haben Probleme, die Produkte richtig zu vermarkten.“ Neben den Ideen der Designer will sie auch die Wünsche der Kunden einbeziehen. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, diese im Geschäft zu notieren, damit die Designer sie umsetzen können. Die Produkte werden eine Mischung aus traditioneller namibischer Kleidung und moderner Mode sein. Katrina ist sehr gespannt. Schon im Mai will sie ihr Geschäft eröffnen.

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