Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Manchmal ist das Große im Kleinen sichtbar. Zum Beispiel auf dem Etikett einer Bierflasche. Primus heißt die Marke, wenn sie auch in den letzten Jahren Konkurrenz bekommen hat, ist es doch das Bier der Ruander. Auch im hinterletzten Dorf ist immer mindestens eine Bar zu finden, die vom gelb-roten Schriftzug auf knallblauem Grund geschmückt wird. Auf die Flaschen ist dazu noch eine kleine Afrikakarte gedruckt, über ihr flattert die ruandische Flagge. Die Flagge eines Staates, der gerade so groß ist wie das Bundesland Rheinland-Pfalz. Aber nicht so beim Bier: Hier reicht die Flagge vom Indischen zum Pazifischen Ozean, verdeckt Kongo, alleine schon so groß wie Westeuropa, Angola, Sambia, Tansania, Uganda und ein paar weitere Staaten noch dazu. Vielleicht ein passendes Sinnbild für das ruandische Selbstbewusstsein den anderen Staaten der Region gegenüber. Ein Thema, mit dem es das kleine Ruanda sogar ausnahmsweise mal in die 20 Uhr tagesschau in Deutschland schaffte: Die M23 Rebellion im Ostkongo.

„M23, M23, M23!“ werde ich abends von Unbekannten auf der Straße aggressiv angejubelt. Stolz und Freude darüber, dass die Armee des riesigen Kongo allein, der Rebellenarmee dort wenig entgegenzusetzen hat. Menschen sprechen davon, Ostkongo werde nun Ruandas fünfte Provinz.“They fight like our army is fighting.“

Doch die Offiziellen streiten jede Unterstützung für die Rebellen ab, das sei alles nur schlechtgesonnene Propaganda des Auslands. Die Aggressivität, mit der diese Schutzbehauptungen und Verschwörungstheorien verbreitet werden, und denen in Ruanda wirklich besser niemand offenwiderspricht, ist beängstigend. Immer schwingt die Forderung mit: ‚Ruander, vereinigt Euch hinter Eurem Präsidenten gegen das Ausland, das uns nur Böses will!‘ Äußere Feinde, innere Stromlinienförmigkeit. Und unter der Hand ein enormes Selbstbewusstsein gegen den großen Nachbarn.

Primus-Bier macht übrigens Bauchschmerzen, trinkt man mehr als zwei.

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