Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.
Macadi Nahhas' Konzerte sind meist ausverkauft

Macadi Nahhas‘ Konzerte sind meist ausverkauft

„Macadi hat morgen Abend Zeit für ein Interview“, sagt mir ein Bekannter, der den Kontakt hergestellt hat. Und genauso unkompliziert geht es weiter. Ich treffe Macadi Nahhas in Hamra, dem Stadtteil im Herzen Beiruts. „Nimmst du ein Stück Kuchen zum Kaffee?“, fragt sie mich. Macadi ist 35 und hat alles, nur keine Starallüren. Sie ist Jordanierin. Die Liebe hat sie nach Beirut geführt, zuerst die zur Musik und dann die zu ihrem Mann. „Dabei wollte ich eigentlich gar nicht Sängerin werden“, verrät sie und lacht. „Ich habe zu Hause immer gesungen, aber mehr aus Spaß.“ Macadis Onkel hat sie dann dazu gebracht, an einem Radiowettbewerb teilzunehmen. Er hat mit ihr gemeinsam dort angerufen, und sie hat am Telefon vorgesungen. Monate später wurde sie in Jordanien hoch offiziell per Anzeige in einer nationalen Zeitung gesucht. „Zu der Zeit hatte mein Vater unser Telefon abgestellt, damit mein Bruder und ich nicht ständig an der Strippe hingen. Ich habe dann von unseren Nachbarn aus bei dem Radiosender angerufen.“

„Beirut bietet mir mehr Möglichkeiten als Jordanien“

Wenig später war sie als eine von zehn Gewinnern aus der gesamten arabischen Welt in Beirut, um an einem Musikprojekt zu arbeiten. Während dieser Zeit hat Macadi ihre ersten beiden Songs aufgenommen, die im Radio ausgestrahlt wurden. 15 Jahre später sitzen wir zusammen in einem Café in Beirut. Für Macadi ist Beirut zur künstlerischen Heimat geworden. „Jordanien steht noch am Anfang. Die Musikszene dort muss sich noch entwickeln“, sagt Macadi. In den vergangenen Jahren habe sich zwar viele getan, aber es sei dennoch nicht vergleichbar mit Beirut. Viele bekannte arabische Sänger haben ihre Karriere in der libanesischen Hauptstadt begonnen. Hier mischen sich Einflüsse und Stile aus Europa und dem Nahen Osten, und es gibt eine vergleichsweise große und aktive alternative Musikszene, fernab vom kommerziellen Mainstream.

Ihre Alben hat Macadi Nahhas selbst finanziert

Macadi, die für eine Jordanien sehr hell ist und beinahe blonde Haare hat, zählt sich zu dieser Szene. Sie singt klassische arabische Musik. Oft besingt sie die Landschaft, die Erde und die Heimat. Viele ihrer Songs gehen auf traditionelle Volkslieder aus dem gesamten arabischen Raum zurück. Im Fernsehen oder in den Radiosendern laufen diese Songs selten. „Ich treffe nicht den Geschmack der Massen“, sagt Macadi und lacht. Die meisten Alben hat sie privat finanziert. „Für mein erstes Album habe ich einen Kredit aufgenommen. Beim zweiten hat mich ein Freund meines Vaters unterstützt und mir Geld gegeben.“

Inzwischen finanziert sie ihre Musik über Konzerte, denn die sind immer ausverkauft. Im Publikum sind Kinder genauso wie alte Leute. Vor ein paar Jahren hat Macadi ein Album für Kinder aufgenommen. „Bei meinem letzten Konzert in Amman in Jordanien ist am Ende ein kleiner Junge auf die Bühne gekommen und hat mich gebeten, ein Lied für Kinder zu singen“, sagt Macadi, „und so habe ich das Lied a cappella gesungen. Genau das sind Momente, die mich sehr glücklich machen.“

Zu Macadi Nahhas‘ Konzerten kommen auch Zuhörer, die Musik eigentlich ablehnen. „Einmal saßen zwei Frauen mit Niqab, mit Gesichtsschleier, im Publikum.“ Sie seien von vielen gemustert worden“, erzählt Macadi, und schließlich habe ihre Mutter die beiden Frauen angesprochen. „Wir hören nur Macadi Nahhas, haben die Frauen gesagt. Weil ihre Musik anders ist, weil sie eine Seele hat.“ Solche Aussagen wertet Macadi, die selbst ein schulterfreies grünes Top trägt, als großes Geschenk. „Ich merke, dass ich auch diese Leute erreiche. Mir ist es wichtig, mit allen im Austausch zu sein.“ Deshalb sucht Macadi aktiv Kontakt zu ihren Fans. Über ihre Homepage hat sie sie aufgefordert, ein Design für ein CD-Cover zu entwerfen, und vor Konzerten fragt sie, welche Songs das Publikum hören möchte. „Mir ist es wichtig, dass sich meine Fans eingebunden fühlen. Es ist ja nicht so, dass ich als Künstlerin von einem anderen Planeten komme und unberührbar bin.“

Links:
http://macadinahhas.net
https://www.facebook.com/pages/Macadi-Nahhas

Macadi Nahhas sings for children and for grown up

Macadi Nahhas sings for children and for grown up

Macadi Nahhas: Two Loves, One City

„Macadi is ready for an interview tomorrow night”, tells me a friend, who got me in touch with her. And as easy as things are going on. I meet Macadi Nahhas in Hamra, in the heart of Beirut. “Do you take some cake with your coffee”, Macadi asks me. She is 35 and has everything, but no airs and graces. On the contrary, she is very down to earth. Macadi is from Jordan. Love guided her way to Beirut, first her love for music, second the love for her husband. “I’ve never thought to become a singer”, she admits and laughs out loud. “I sang at home, because I enjoyed it.” Then Macadi’s uncle made her participate in a radio contest. He called the radio station and Macadi had to sing on the phone. Months later she found an official announcement in a Jordanian national newspaper, searching for her. “My father had locked the phone, in order to stop my brother and me spending hours talking. From the phone of our neighbours I called the radio station.”

Macadi was one of ten from all Arab countries who were sent to Beirut to work on a music project. During these months Macadi recorded her first two songs that were broadcasted in the radio. 15 years later I meet her in a café in Beirut. For Macadi this city became her artistic home. “In Jordan the music scene still needs to develop”, Macadi says. Things have started changing, “but you cannot compare it to Beirut”.

Many famous Arab singers started their career in the Lebanese capital. Here influences from Europe and the Middle East mix, and there is a rather huge and active alternative music scene, beside the commercial mainstream.

Macadi, who has almost blonde hair, sees herself as part of this scene. Her music is classical Arabic music. She sings about the landscape, about the earth and about the homeland. Many of her songs are based on traditional Arabic folklore. Songs are rarely be found on radio or TV. “It’s not the taste of the masses”, Macadi says and smiles. Most of her albums she financed privately. “For my first album I asked for a loan in the bank. For the second album I got the help and money from my father’s friend.”

Today Macadi pays her albums from the money she earns with her concerts – and they are always sold out. Children listen to her music as well as older people. Some years ago, Macadi recorded an album for children. “At the end of my last concert in Amman in Jordan, a small boy climbed up the stage and asked me to sing a song for children”, Macadi says. “Neither I nor the musicians were prepared for that, so I sang a song a cappella. These are the moments that really make me happy.”

Among Macadi Nahhas‘ audience are also people, who normally would refuse to listen to music. “Once two women joined the concert, wearing niqab, the veil that covers the face,” Macadi remembers. Her mother went up to talk to them. So they said, “we only listen to Macadi Nahhas, because she is different. Her music has got a soul.” Macadi, who is wearing a green top leaving her shoulders uncovered, considers this as a huge credit. “I also reach these people, which is great.“ Therefore, Macadi keeps on staying in touch with her fans. Through her website she asks them for ideas and drafts for the new album cover, or she asks some days before a concert to which songs people want to listen to. „It is important to me, that my fans have the possibility to participate. I’m not an artist who lives on a different planet and who is untouchable.”

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