Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

 

Ja okay, es ist ein lokaler Radiosender. Aber dennoch ist die Lässigkeit, mit der hier alle zu werke gehen erstaunlich. Jeder ist ein bisschen Techniker, Journalist oder Moderator, niemand verweigert sich einer Aufgabe, wenn um etwas gebeten wird. Denn alle wissen: man sitzt im selben Boot.

Ich verbringe die Tage meistens mit Rosine und ihrem kleinen Sohn, der bei den Recherchen entweder auf dem Rücken oder Schoß geduldig seine Zeit verbringt. Rosine hat Soziologie hier in Kankan studiert und arbeitet aufgrund der Arbeitsmarktsituation der unregelmäßigen Bezahlung zum Trotz jetzt beim Radio. Das müsste sie eigentlich nicht tun, denn ihr Mann hat einen Job bei einer Hilfsorganisation und das ist in Afrika ja leider ein gutes Geschäft.

Die Situation der übrigen Mitarbeiter ist ähnlich. Es ist die Überzeugung und der Spaß an der Arbeit, die hier alle umtreibt. Und das ist ansteckend, ob man nun arbeitet oder einfach nur mal kurz reinschaut, um „Hallo“ zu sagen, man ist gerne hier. Allerdings ist es schon jedem anzumerken, dass die Limitierungen, seien es die technische Ausrüstung oder die Akzeptanz bei den offiziellen Stellen, an der Motivation zehren.

So beginnt ein klassischer Tag mit dem morgendlichen Programmstart – zum Beispiel einer Mischung aus Musik und der Wiederholung des abendlichen Journals auf Maninka – und des Meetings; wenn denn genug Leute da sind, um eines stattfinden zu lassen.

Danach gibt es Musik und diverse kleinere Programme, während ich mit Rosine auf den Motorrad-Taxis durch Kankan fahre um Interviews zu führen und den lokalen Kontroversen nachzugehen: was wird gegen die verwilderten Ziegen und andere Tiere getan, die den Verkehr gefährden und stimmt es, dass in diesem oder jenen Viertel die Straßenhunde eine Krankheit übertragen?

Am Nachmittag werden die Aufnahmen dann geschnitten und die Texte je nach Aufnahme ins französische bzw. auf Maninka übersetzt. Das passiert am einzigen Computer des Senders, während der Lärm der ein- und ausgehenden Mitarbeiter vom Lärm der Straße übertönt wird. Mit Lautsprecherboxen die in wenig aufgedreht eher ein blechernes Geschrei von sich geben.

Gegen Ende meines Tages wird dann noch ein bisschen über die Zukunft geschnackt und während ich mich aufmache, geht es bei Radio Horizon weiter. Es ist wie mit so vielen Situationen hier, die mich nach jeder Reise in diese Region etwas entrückt zurücklassen, voller Bewunderung für die Menschen, die den widrigen Umständen des afrikanischen Alltags widerstehen und ihren Überzeugungen nachgehen, anstatt sich zu ergeben.

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