Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

So richtig weiß ist er nicht mehr, der größte Salzsee der Welt. Die vielen Touristen-Jeeps und die Lastwagen der Campesinos haben eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Seine Magie hat der Salar de Uyuni aber trotz allem nicht verloren – und damit das auch so bleibt, kämpfen einige Bolivianer gegen die geplante Lithium-Industrie auf dem Salzsee.

Milton Lerida ist so jemand. Er ist in der Region rund um den Salar de Uyuni (oder wie er sagt: den Salar de Tunupa) aufgewachsen, hat ein paar Jahre in der Schweiz gelebt (weswegen er seine deutschen Sätze sehr gerne mit „,oder?“ beendet), lebt inzwischen wieder in Uyuni und engagiert sich politisch für seine Provinz Daniel Campos, in der der Salar liegt.

Nicht schon wieder dieselben Fehler machen
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Ich bin heute mit Milton, seiner Tochter und drei seiner Enkel auf den Salar gefahren. Dabei hat mir Milton eine Menge über den Salar erzählt – und warum er das bolivianische Lithium-Projekt ablehnt. Für ihn ist es nämlich unlogisch, nur das Lithium aus dem Salzsee zu holen und den Rest, vor allem das ebenfalls vorhandene Magnesium, wegzuwerfen. Außerdem glaubt er, dass der bolivianische Staat wie immer nur Rohstoffe exportieren wird, und es nicht selber schafft, eine komplett eigenständige Batterienproduktion aufzubauen.

Hinzu kommt, dass die Lithiumindustrie den Salar stark verändern könnte. Milton und einige andere Kritiker wie die bolivianische NGO CEDLA erwarten, dass auf dem Salar viele Pools gebaut werden müssen, in denen dann die Lithiumlauge getrocknet wird. Außerdem könnte der Salar Anlaufstelle für unzählige Lastwagen pro Tag werden und so seine Faszination endgültig verlieren.

Lithium-Uni statt Lithium-Abbau
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Stattdessen würde Milton das staatliche Lithium-Projekt lieber stoppen und die Bolivianer in den nächsten zehn bis 20 Jahren dazu qualifizieren, das Lithium komplett selbstständig und umweltfreundlich zu verarbeiten. Vorher sollen lieber andere Stoffe aus dem Salar geholt werden, wie das bereits benannte Magnesium oder eben das schon seit Ewigkeiten im Salar abgebaute Salz.

Milton schwebt eine Lithium-Universität vor, die er am liebsten mitten im Salar installieren würde. Denn wichtiger als Lithium und der schnell verdiente Dollar ist seiner Meinung nach Bildung. Und wenn das erstmal mit der Wissensvermittlung läuft, dann können sich die Bolivianer seiner Meinung eben auch das Lithium noch mal vornehmen.

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Eine Chance gegen das laufende Lithium-Projekt hat Milton aber wahrscheinlich nicht. Und seine Lithium-Universität steht auch noch lange nicht. Aber trotzdem ist es interessant, die Ideen von ihm und seinen Mitstreitern aufzugreifen, auch wenn sie vermutlich zu den meisten Bolivianern niemals durchdringen werden.

Die Reise geht weiter
Nach einem ersten Kurzbesuch in Uyuni fahre ich erstmal nach La Paz, um mich persönlich bei der zuständigen Stelle für das staatliche Lithium-Projekt vorzustellen. Ich hoffe, dass ich dann schon Anfang der Woche die Pilot-Anlage im Salar de Uyuni besichtigen darf. Aber, wie der Bolivianer nun mal sagt: Vamos a ver.

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