Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Für heute habe ich mich mit einem ersten Gesprächspartner verabredet. Andreas Oberheitmann arbeitet als Gastprofessor an der Pekinger Qinghua-Universität. Er ist mir als Klima-Experte von mehreren Seiten empfohlen worden. Von ihm will ich vor allem wissen, wie ernst die chinesische Regierung die Bekämpfung des Klimawandels seiner Einschätzung nach nimmt.

Dürre: auch ein Problem in China (Quelle: cc)

„Der Klimawandel wird sehr ernst genommen“, glaubt Oberheitmann. Auch deswegen, weil seine Auswirkungen in China immer deutlicher würden: Der Norden kämpfe mit Wassermangel, der Süden mit Unwettern. Und: China habe ein großes Interesse, seine Wirtschaft energieeffizienter zu machen. So würde gleichzeitig auch der Ausstoß an CO2 reduziert. „Der Klimawandel wird in China immer auch unter dem Aspekt ‚Energiesicherheit’ gesehen.“

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Die wichtigsten Maßnahmen der chinesischen Regierung:

1.   Verbesserung der Energieeffizienz

2.   Förderung erneuerbarer Energien

3. Speicherung von CO2 (dies sei allerdings noch im Anfangsstadium)

Bei den erneuerbaren Energien wachse zum Beispiel die Windkraft sehr schnell. „90 Prozent der Produktion von Windkraftanlagen findet heute in China statt. Vor zehn Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt.“

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In absoluten Zahlen sind die chinesischen Investitionen in erneuerbare Energien nach Einschätzung Oberheitmanns durchaus eindrucksvoll. Man müsse das aber immer im Vergleich zum Gesamtvolumen sehen – etwa zur Wirtschaftsleistung. „Dann sind die Investitionen etwa auf einem Niveau mit Deutschland. Insgesamt muss China hier noch mehr tun.“

Herausforderung: Wirtschaftswachstum

Eine Herausforderung ist – so Oberheitmann – vor allem das schnelle Wirtschaftswachstum: „Beim Strom ist das große Problem, dass die wirtschaftliche Entwicklung dem Zubau an neuen effizienteren Kraftwerken immer einen Schritt voraus ist.“ Der Energie-Bedarf steigt einfach zu schnell. „Deshalb hat China die Neigung, die alten ineffizienten Kraftwerke nicht abzuschalten, sondern parallel am Netz zu lassen. Man braucht die Leistung einfach.“

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Eine Lösung kann er sich letztlich nur global vorstellen, denn das Grundproblem sei überall gleich: die geringen Kosten für fossile Brennstoffe. „Erneuerbare Energien sind einfach teurer als fossile Energien. Und das wird sich auf mittlere Frist auch nicht ändern. Erneuerbare Energien werden erst dann wieder interessant, wenn die Preise für Öl und Kohle steigen.“

Lösung nur global denkbar

Alle Länder müssten in Kauf nehmen, dass Energie – und damit auch die produzierten Produkte – teurer würden. Es müsse einen globalen Mechanismus geben, damit alle Staaten erneuerbare Energien nutzen. „Erst, wenn es so ein Agreement gibt, können einzelne Staaten nicht ausscheren. Erst wenn alle erneuerbare Energien nutzen, dann gibt es zwischen den Staaten keine Wettbewerbsverzerrungen mehr.“

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